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Sony will eine Internet-Company werden

04.04.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - "Das Internet wird unsere zweite Vertriebsschiene", kommentierte Otto Zich, President bei Sony Europe, gegenüber dem "Handelsblatt" den Plan des Elektronikkonzerns, seinen Online-Vertrieb in Europa kräftig auszuweiten. Bislang verkauft die europäische Tochter des japanischen Unternehmens zwar bereits seinen "Vaio"-Laptop, digitale Kameras, Monitore und Computerspeicher über das Web, will künftig jedoch auch eine große Palette von Consumer-Elektronikprodukten online vertreiben. So sollen neue Kunden gewonnen und die Kosten gesenkt werden. Für dieses Online-Vorhaben wird eigens die Internet-Tochter Sonystyle.com gegründet.

Der Konzern möchte seine Einzelhändler, die er nach wie vor als den wichtigsten Vertriebskanal ansieht, jedoch nicht verprellen. Die Kunden sollen sich im Internet lediglich Appetit holen und dann beim Einzelhändler einkaufen. Daher sollen die Online-Angebote von Sony nicht zu Dumpingpreisen erhältlich sein, sondern sich nach den vom Einzelhandel empfohlenen Preisen richten und sogar noch ein wenig teuerer sein. Damit steigere das Internet die Verkaufszahlen für die Händler, denn die meisten Einkäufer informierten sich vor dem Kauf der Produkte im Laden zunächst im Internet, erklärte Zich.

Mit dieser Internet-Strategie will Sony seine Europaumsätze weiter in die Höhe treiben. Im vergangenen Jahr ergatterte der Elektronikriese nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 20,9 Prozent in Europa. Ein Jahr zuvor sollen es nur 20,1 Prozent gewesen sein. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende 31. März) stiegen Sonys Europaeinnahmen gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf 13,7 Milliarden Euro. Der Bereich Consumer Electronics, der 70 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, verzeichnete ein Wachstum von elf Prozent. Zich zufolge legte der Gewinn noch kräftiger zu, Details wollte er jedoch nicht nennen.