Hilfe von Spider-Man und Beyoncé

Sony tiefrot

02.11.2011
Sony steuert auf den vierten Jahresverlust in Folge zu.

Der starke Yen und der schwache Markt für Fernsehgeräte machen japanischen Elektronik-Konzernen schwer zu schaffen. Hätte Sony nicht auch Filme und Musik im Angebot, wären die Verluste noch höher.

"Bravia"-Fernseher von Sony mit HbbTV-Unterstützung
"Bravia"-Fernseher von Sony mit HbbTV-Unterstützung
Foto: Sony

Der japanische Elektronik-Gigant Sony steckt in tiefroten Zahlen fest. Für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr rechnet Sony mit einem Verlust von 90 Milliarden Yen (rund 840 Millionen Euro). Auslöser seien die schwache Nachfrage nach TV-Geräten in den USA und Westeuropa, der starke Yen und die Überschwemmungen in Thailand, erklärte Sony am Mittwoch. Der Fernsehbereich soll jetzt wieder fit gemacht werden - doch das soll Jahre dauern und noch mehr Geld verschlingen. Im Sommer hatte der Konzern noch einen Jahresgewinn von 60 Milliarden Yen vorhergesagt.

Die Elektronik-Sparte kämpfte auf breiter Front mit Problemen. Bei Fernsehern waren die Preise unter Druck, weil die Hersteller versuchen, die Kunden wenigstens mit Rabatten für ihre Geräte zu gewinnen. Der PC-Absatz sank, im Spielebereich gab es ebenfalls Rückgänge und eine Preisreduzierung bei der Konsole Playstation 3, auch von den Digitalkameras wurden weniger verkauft. Alles in allem gab es in der Sparte Verbraucherprodukte in dem Ende September abgelaufenen zweiten Geschäftsquartal einen operativen Verlust von 34,6 Milliarden Yen bei einem Umsatzrückgang von 12,3 Prozent auf knapp 780 Milliarden Yen.

Besonders akut ist die Lage im Fernsehbereich. Sony hatte mit einem weiteren rasanten Wachstum des Marktes gerechnet und das Ziel ausgegeben, bis März 2013 ein Fünftel des Weltmarktes mit einem jährlichen Absatz von 40 Millionen TV-Geräten zu erobern. Jetzt will der Konzern nur noch um die 20 Millionen Fernseher pro Jahr verkaufen. Diese Kurswende wird allein im laufenden Finanzjahr Belastungen von 50 Milliarden Yen bringen. Erst bis Ende März könne man das TV-Geschäft wieder profitabel machen, räumte Sony ein. Das Geschäft mit Halbleitern und anderen Bauteilen brachte operativ rote Zahlen von 12,3 Milliarden Yen, unter anderem wegen Nachwirkungen der Erdbeben-Katastrophe in Japan.

Sony steht mit seinen Problemen unter den japanischen Elektronik-Konzernen nicht alleine da. So werden der schwache TV-Markt und der teuere Yen in diesem Geschäftsjahr den Rivalen Panasonic noch tiefer in die roten Zahlen drücken. Sony hat noch den Vorteil, dass das Geschäft mit Filmen und Musik sowie die Finanzsparte die Verluste der Elektronik-Sparte zumindest abfedern können.

Dank dem neuen "Schlümpfe"-Kinofilm und einem Geschäft um Spider-Man-Markenrechte steuerte die Filmsparte einen operativen Gewinn von 20,6 Milliarden Yen bei. Hits von unter anderem Beyoncé und Adele sorgten auch für positives Ergebnis im Musikgeschäft mit 6,3 Milliarden Yen. Am besten schnitt die Finanzsparte mit ihren Versicherungen und der Sony-Bank ab, die operativ schwarze Zahlen von 24,5 Milliarden Yen beisteuerte.

Unterm Strich gab es im zweiten Geschäftsquartal einen Verlust von 27 Milliarden Yen (rund 252 Millionen Euro) nach schwarzen Zahlen von 31,1 Milliarden ein Jahr zuvor. Der Umsatz sank um gut neun Prozent auf 1,57 Billionen Yen (14,6 Milliarden Euro). (dpa/tc)