CW-Kommentar

Sollen CIOs Lobby-Arbeit treiben?

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Über diese Frage wurde im Vorfeld der Gründung des CIO-Verbands Voice viel gestritten. Mittlerweile ist sie mit einem klaren "Ja" zu beantworten.

Vor allem die Mitglieder des CIO Circle plädierten vor der Gründun des Dachverbands vehement dafür, lieber in der Splendid Isolation zu bleiben, Benchmarks und Best Practices zu entwickeln und den Widerstand auf etwaige Fehltritte der großen IT-Anbieter zu konzentrieren. Die Auseinandersetzung mit den Politikern überließen sie gern dem Bitkom.

Andere CIOs sahen das immer schon ein wenig anders – vor allem die im CIOcolloquium organisierten. Und die setzten sich am Ende durch: Nicht zuletzt dank des ehemaligen Lufthansa-CIO Thomas Endres ist Voice heute eine wirksame Standesvertretung der IT-Verantwortlichen, eine Art Hartmann-Bund für die Informatiker unter den Managern.

Kommentar von Karin Quack: "You‘re the Voice"
Kommentar von Karin Quack: "You‘re the Voice"

Geschickt nutzte Voice den alle gesellschaftlichen Schichten erschütternden „NSA-Skandal“, um erstmals ausdrücklich Position zu beziehen. Schon im Sommer des vergangenen Jahres wandte sich Endres als Sprecher des Verbands an die Politik und forderte Konsequenzen aus dem Vorfall. Er machte klar, dass es nicht nur um den Schutz der Privatsphäre ging, sondern auch um den Schutz von Firmengeheimnissen. Und er stellte im Namen der Voice-Mitglieder konkrete Forderungen: Die Politik sollte sich um lückenlose Aufklärung bemühen und nachdenken, wie sie reagieren wolle.

Man mag das als Säbelrasseln abtun, aber damit könnte man ein Gutteil aller Politik abqualifizieren. Bemerkenswert ist allein die Tatsache, dass sich die CIOs als Berufsgruppe zu einem Thema von gesellschaftlicher Tragweite äußern. Auch wenn man annehmen sollte, dies wäre angesichts des IT-Bezugs selbstverständlich.

Dass hinter solcher Öffentlichwirksamkeit die Basisarbeit schon einmal zurückstehen muss, mögen immer noch einige bedauern. Aber leider kann eine solche Organisation wohl kaum jedes Bedürfnis ihrer Mitglieder befriedigen.