DOAG-Jahrestagung

Solaris wird zur Cloud-Plattform

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Auf der diesjährigen DOAG-Anwendertagung gewährte Oracle Einblicke in die Entwicklungspläne rund um das Server-Betriebssystem Solaris. Ziel ist eine integrierte Plattform für den Cloud-Betrieb.
Foto: Oracle

Mit einer Rekordteilnahme eröffnete die Deutsche Oracle-Anwendergruppe (DOAG) ihre diesjährige Jahrestagung vom 18. bis zum 20. November. Mehr als 2000 Besucher kamen heuer nach Nürnberg, um an drei Tagen und in rund 450 Fachvorträgen ihre Erfahrungen auszutauschen.

Aus dem Silcon-Valley war Oracles Solaris-Chef-Entwickler Markus Flierl eingeflogen, um der hiesigen Anwenderschar die neuesten Pläne und Funktionen rund um das Server-Betriebssystem zu präsentieren, aber auch um Aktuelles aus der Zentrale zu vermitteln. Die Demission von Oracle-Chef und Gründer Larry Ellison als CEO spielte dabei keine Rolle, lieber machte Flierl ausführlich die Integration von Solaris, Oracle Datenbank und Hardware zum Thema seines Eröffnungsvortrags.

Integration von Hardware, Datenbank und Betriebssystem

"Warum hat Apple einen Chip-Hersteller übernommen", fragte Flierl das Publikum, um gleich die Antwort zu präsentieren: "Weil mit der Integration von Software und Hardware Funktionen wie das Fingerprint-Scanning möglich ist."

Digital Leader aufgepasst! - Foto: IDG

Digital Leader aufgepasst!

Von vergleichbaren Motiven habe sich Ellison beim Kauf von Sun Microsystems leiten lassen: Mit einer engen Verzahnung von Solaris, Datenbank und den Servern "Sparc M6" seien enorme Sprünge in Leistung und Funktionalität möglich. Während ein reines Software-Tuning des Betriebssystems Verbesserungen um 20 Prozent ermögliche, könne man auf Hardwareebene eine Verdopplung oder gar Verdreifachung in der Optimierung von Funktionen erzielen.

Er brachte dazu auch einige Beispiele mit nach Nürnberg: Häufige SQL-Abfragen (etwa Select Count) sind neuerdings direkt auf Hardwareebene programmiert, so dass die Routinen im Co-Prozessor der Maschinen ausgeführt werden und den Hauptprozessor entlasten. Ähnliches gilt für die Security-Funktionen, die verhindern, dass Memory-Pointer korrumpiert und unerlaubt Speicherinhalte auslesen.

Das habe man unter anderem dadurch erreicht, dass Entwicklermannschaften eng kooperieren. Flierl verantwortet beispielsweise die Ex-Sun-Truppe, die traditionell in Santa Clara im Silicon Valley sitzt. Teile seines Teams wurden aber bereits zum Oracle-Headquarter in Redwood Shores abkommandiert, wo die Entwickler der Datenbank-Systeme sitzen. "Meine Leute haben auch schon Datenbank-Code programmiert, umgekehrt haben die Datenbank-Leute auch schon für Solaris geschrieben. Die Grenzen verschwinden", schildert Flierl die enge Zusammenarbeit. Auch im Testing und im Kunden-Support zahle sich die Verzahnung aus, dadurch könnten Fehler schneller aufgedeckt und Probleme der Anwender ohne Kompetenzgerangel gelöst werden.

Er bot auch Einblick in aktuelle Pläne. So arbeite man etwa intensiv am Zero-Downtime-Patching und einer End-to-end-Analyse, die die Zustandsdaten eines IT-System von Applikation, über Betriebssystem, Netzwerk, Datenbank und virtualisierten Speicher darstellen könne.

Openstack für das Cloud-Management

OpenStack Logo
OpenStack Logo
Foto: OpenStack Foundation

Sehr viel Platz räumte Flierl in seiner Präsentation der tieferen Integration von OpenStack in Solaris ein. Das Open-Source-Framework dient dem Management von Cloud-Umgebungen und soll unter anderem den Weg für die Betriebsart Database as a Services (DBaaS) ebnen. "Solaris ist nicht nur ein Betriebssystem, sondern auch eine Cloud-Plattform", betonte der Manager. Unter diesen Gesichtspunkt fügen sich sämtliche bereichsübergreifenden Engwicklungsaktivitäten zusammen: Oracle baut an einer Art integrierten Cloud-Appliance mit komplettem Cloud Lifecycle Management.

Nicht zur Sprache kamen hingegen die Auslaufmodelle des Oracle-Konzerns. Bereits im vergangenen Jahr hatte der IT-Anbieter beispielsweise zum Unmut vieler Kunden den verbreiteten "Oracle Warehouse Builder" (OWB) aus seiner Produktplanung gestrichen. Seit dem Erscheinen der neuen Datenbank-Version Oracle 12c ist des weiteren bekannt, dass das Replikation-Tool "Streams" nicht weitergepflegt wird. Die meisten Anwender werden wohl im Lauf des kommenden Jahres auf die neue Datenbank 12c migrieren, weil der reguläre Support der alten Version im Januar 2015 ausläuft (der erweiterte Support endet zwölf Monate später). Spätestens mit dem Versionswechsel müssen sie Streams durch die Oracle-Alternative "GoldenGate" ablösen, das zwar einen erweiterten Funktionsumfang bietet, aber auch teurer in der Lizenzierung ist.