Berufsbild Softwaretester

Softwaretester sorgen schon im Konzept für Qualität

22.10.2010
Peter Ilg ist freier Journalist in Aalen.
Die Erwartungen an Softwaretest-Experten steigen ständig. Gefragt ist der Qualitätssicherer mit breitem Entwicklungswissen.
(Foto: Fotolia.com/Stephen VanHorn)
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Foto: Stephen VanHorn - Fotolia.com

Früher wurde Software am Ende des Entwicklungsprozesses getestet. Heute sitzen Softwaretester bereits mit am Tisch, wenn über das Konzept gesprochen wird. Sie sorgen für Qualität in den Anwendungen, und das zu einem immer früheren Zeitpunkt. Je später Fehler gefunden werden, umso teurer wird ihre Behebung.

Die Software AG beschäftigt rund 840 Entwickler weltweit, in der Firmenzentrale in Darmstadt sind es etwa 230. Im Unternehmen gehört Testen zur Entwicklung, Softwaretester werden deshalb zu den Entwicklern gezählt. Jeder Vierte von ihnen testet, überwiegend entwicklungsbegleitend. "Eine ständige Verifikation ist Grundbaustein unseres Entwicklungsprozesses", berichtet Hans-Christoph Rohland, Chef der Softwareentwicklung. So wird die Webmethods-Suite täglich mit mehr als 40.000 Tests verifiziert. Webmethods, ein Kernprodukt des Unternehmens, dient zur Automatisierung von Geschäftsprozessen und zur Integration der Anwendungen.

Die Grenzen zwischen Tester und Entwickler verschwimmen

Allein 40.000 Tests bei einem Produkt - von Hand ist das nicht mehr zu schaffen. "Dem begegnen wir durch Standardisierung und Automatisierung der Testmethoden", so Rohland. Auch im Testbereich ziehen zunehmend industrielle Methoden der Softwareentwicklung ein. "Deshalb verschwimmen auch die Grenzen zwischen dem reinen Entwickler und Tester immer mehr", so der Darmstädter Computerprofi. Daher verwundert es nicht, dass die Tester ihre methodische Ausbildung in der Software AG mit den Entwicklern erhalten. Beide haben dadurch eine gemeinsame Ausbildungsbasis, aber unterschiedliche Aufgaben.

Peter Liggesmeyer ist wissenschaftlicher Direktor am Fraunhofer-Institut Experimentelles Software Engineering in Kaiserslautern, zugleich Inhaber des Lehrstuhls Software Engineering Dependability im Fachbereich Informatik der Technischen Universität Kaiserslautern. "Testen geschieht heute wie die Entwicklung: in Phasen", erzählt der Professor. Es beginnt mit dem Modultest, dann folgen Integrations- und Systemtest bis hin zum Abnahmetest oft mit dem Kunden. Dahinter steckt eine Menge Arbeit, die viel Geld kostet.

"In großen Entwicklungsprojekten fließt ein gutes Drittel des Budgets in qualitätssichernde Arbeiten, davon ein großer Teil ins Testen." Diese Rechnung Liggesmeyers zeigt: Softwaretester sind unersetzlich für die Qualität der Produkte, doch ihre Arbeit geht ins Geld, weshalb ständig Optimierungsbedarf herrscht. Das wiederum wirkt sich auf den Job des Testers aus. Durch systematische Testtechniken lässt sich beispielsweise der Aufwand reduzieren und die Qualität deutlich verbessern. Allein schon die zunehmende Komplexität der Programme erfordert automatisierte Testmethoden.

Andererseits werden immer weniger Experten gebraucht, die nur Testabläufe überwachen. Der neue Typ kümmert sich auch um die Qualitätssicherung. Er tritt viel deutlicher und viel früher in Aktion, als das heute der Fall ist. "Quality by construction", nennt Liggesmeyer als Schlagwort. Danach werden Software oder Systeme so entwickelt, dass sich bestimmte Attribute von selbst ergeben, Sicherheit etwa oder Verfügbarkeit.

"Das ist ein Ansatz, der Qualitätssicherung intensiv in die Entwicklung integriert und sie von der Mitte und dem Ende des Entwicklungsprozesses an den Anfang bringt", doziert der Wissenschaftler. Am Schluss erübrigen sich aber auch durch diese Art der Softwareentwicklung Tests nicht. Doch die Testfälle werden weniger, und der Aufwand für Korrekturen nimmt ab. Beides führt zur Kostenersparnis. Zugleich wird das Qualifikationsniveau des Testers deutlich angehoben.