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Softwarepanne gefährdet Siemens Aufholjagd im Handy-Markt

27.08.2004

Siemens hat bei seinen Bemühungen, in der zweiten Jahreshälfte Anteile im Handy-Markt zurück zu gewinnen, einen herben Rückschlag zu verbuchen: Wegen eines Softwarefehlers in der kompletten 65-er Produktfamilie hätten die Großkunden Media Markt, T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 nun die Geräte aus dem Sortiment genommen, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD).

Wie Siemens mitteilte, besteht bei Mobiltelefonen der 65er-Produktfamilie ("C65", "CX65", "M65", "S65", "SL65" sowie allen Betreibervarianten) eine "softwarebedingte Fehleinstellung". Dabei kann es beim automatischen Abbruch eines Telefonats aufgrund eines leeren Akkus zum lauten Abspielen der Ausschaltmelodie kommen, was im Extremfall zu Hörschäden führen könnte (Computerwoche.de berichtete). Der Münchner Elektronikkonzern hat nach eigenen Angaben bereits eine neue Firmware entwickelt. Diese soll nach Freigabe der Netzbetreiber in den nächsten Wochen kostenlos zum Update angeboten werden.

Bis dahin wollen Netzbetreiber und Großhändler an ihrem Verkaufsstopp festhalten – ein Umstand, der sich negativ auf Marktanteil und Umsatz auswirken könnte. "Ein Kunde schließt auch einen Vertrag, wenn er kein Siemens-Handy bekommen kann", sagte eine Sprecherin des Netzbetreibers E-Plus der "FTD". Ihm werde dann möglicherweise ein Gerät eines anderen Herstellers verkauft. Hinzu kommen finanzielle Einbußen durch Schadensersatzforderungen von Großabnehmern wie der Deutschen Telekom, vom Imageschaden ganz zu Schweigen. Siemens selbst geht Presseberichten zufolge wegen der Softwaredefekte nun nicht mehr sicher, ob die Mobilfunksparte im laufenden vierten Geschäftsquartal einen Profit ausweisen kann. Für eine genaue Einschätzung sei es allerdings noch zu früh, teilte ein Unternehmenssprecher mit. So könne man die Gesamtkosten, um das Problem zu beheben, noch nicht beziffern. Auf den Absatz werde sich die Panne auf jeden Fall

auswirken.

Ausgerechnet mit den vom Softwarefehler betroffenen Handys hatte Siemens den Rückstand seiner defizitären Mobilfunksparte zur Konkurrenz wettmachen wollen. Die Aufholjagd werde sich nun verzögern, sagte Nicolas von Stackelberg, Analyst bei der Investmentbank Sal. Oppenheim, der FTD. (mb)