Léo Apotheker

Softwarehersteller SAP vor "Wachstumswelle"

17.11.2009
SAP-Chef Léo Apotheker will Europas größten Softwarehersteller gestärkt aus der Krise führen und blickt optimistisch in die Zukunft.
SAP-Chef Léo Apotheker
SAP-Chef Léo Apotheker

Das Dax-Unternehmen stehe vor einer "großen Wachstumswelle", sagte Apotheker am Dienstag. "In den nächsten zehn Jahren sehe ich für die SAP viel Gutes kommen." Er warnte aber vor vorschneller Euphorie. "Die Wirtschaftskrise ist noch nicht vorbei." Er sei sich nicht sicher, so Apotheker weiter, ob man schon von einem Aufschwung sprechen könne. Das Schlimmste sei aber wohl überstanden.

Der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware baut derzeit sein Geschäftsmodell um und reagiert damit auf den immer schneller werdenden Wandel in der Informationstechnologie. Ziel sei, den Umgang mit SAP-Produkten einfacher und schneller zu machen, sagte Apotheker. Außerdem sollen die Kunden künftig individueller entscheiden können, wie sie ihre Software beziehen - ob sie zum Beispiel Lizenzen kaufen
oder die Software lieber mieten.

Auch künftig setzen die Walldorfer auf Zukäufe. Dabei komme durchaus auch eine größere Akquisition in Frage, sagte Apotheker. Nähere Angaben dazu machte er aber nicht. Wichtig sei, dass die Unternehmen zu SAP passten und ein Mehrwert entstehe. Immer wieder aufkommende Spekulationen, der Computerkonzern IBM könnte SAP kaufen, wies Apotheker dagegen zurück.

Als Beispiele für Innovationen für künftiges Wachstum nannte Apotheker neue Hauptspeicherdatenbanken ("In-Memory") in Zusammenarbeit mit dem Chiphersteller Intel. Diese böten eine größere Speicherkapazität und ermöglichten einen 10.000 Mal schnelleren Zugriff als bisher übliche Datenbanken. Damit könnten zum Beispiel Arbeitsprozesse in den Unternehmen deutlich schneller analysiert werden. Ein erstes Produkt
zur Datenanalyse ist bereits verfügbar. Mit den Hauptspeicherdatenbanken könnten künftig voraussichtlich
traditionelle Datenbanken ersetzt werden. Solche bietet zum Beispiel der US-Konzern Oracle an, der als Hauptkonkurrent von SAP gilt.

Positive Impulse erhofft sich der Manager zudem von der für Mitte 2010 geplanten Einführung der neuen Mittelstandssoftware. Die Probleme bei der immer wieder verschobenen Software "Business ByDesign" seien gelöst. Es sei daran gearbeitet worden, die Software auch für kleinere Unternehmen profitabel anbieten zu können. "Wir sehen starkes Licht am Ende des Tunnels", sagte Apotheker. Den genauen Zeitplan für die Einführung will SAP Anfang kommenden Jahres bekanntgeben.

Die geplante Erhöhung der Wartungskosten für mehrere tausend Unternehmen verteidigte Apotheker trotz heftiger Kritik von Kundenseite. Die Servicepauschale sei zehn Jahre lang stabil gehalten worden, sagte der SAP-Chef. "Inzwischen ist der Kostendruck zu hoch geworden."

Zum Rechtsstreit mit dem Erzrivalen Oracle wollte sich Apotheker nicht äußern. Auch ob er noch eine Möglichkeit sehe, sich mit dem Konkurrenten außergerichtlich zu einigen, wollte er nicht sagen. Der US-Konzern wirft den Walldorfern vor, über die frühere amerikanische Tochter TomorrowNow mehrfach verbotenerweise für Kunden bestimmte Oracle-Daten heruntergeladen zu haben.

Apotheker hatte den schwer von der Krise getroffenen Softwarekonzern mit einem strikten Sparprogramm in den vergangenen Monaten wieder auf Kurs gebracht. Mehr als 3700 Stellen wurden gestrichen. Derzeit hat SAP weltweit 47.800 Arbeitsplätze. Apotheker betonte, es gebe keine Pläne, weitere Jobs abzubauen. (dpa/tc)