Tipps für Ihre IT-Projekte

Softwareentwicklung mit Lean-Project-Management

Renate Oettinger ist Diplom-Kauffrau Dr. rer. pol. und arbeitet als freiberufliche Autorin, Lektorin und Textchefin in München. Ihre Fachbereiche sind Wirtschaft, Recht und IT.

Zu ihren Kunden zählen neben den IDG-Redaktionen CIO, Computerwoche, TecChannel und ChannelPartner auch Siemens, Daimler und HypoVereinsbank sowie die Verlage Campus, Springer und Wolters Kluwer.
Wie Sie Verschwendung beim Verbrauch von Ressourcen vermeiden und viel Kundennutzen schaffen können, verrät Jürgen Rohr.

Lean - so lautet ein aktuelles Zauberwort nicht nur im Management, sondern auch bei der Softwareentwicklung. Alle wollen "schlank" und auf keinen Fall "fett" sein. Vergessen wird bei dem Lean-Hype jedoch zuweilen, worum es beim Lean-Management letztlich geht: möglichst viel Wert schaffen - für den Kunden.

Quelle: Fotolia, Nmedia
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Foto: Nmedia - Fotolia.com

Rank und schlank und ohne ein überflüssiges Gramm Fett - so wollen nicht nur viele Männer und Frauen, sondern auch Unternehmen sein. Dieser Eindruck drängt sich zuweilen beim Lesen von deren offiziellen Verlautbarungen auf. So häufig taucht in ihnen das Wort "lean" auf. Die Ei-nen wollen die Kosten optimieren, die anderen ihre Abläufe verschlanken und wieder andere die Servicequalität verbessern. Ohne Zweifel: "Lean" ist "in".

Doch was bedeutet "Lean" eigentlich? Ist Lean nur ein Mittel zur Kostensenkung? Oder lässt sich mit Lean der Traum vom durchrationalisierten Unternehmen verwirklichen, das eine immer bessere Qualität produziert? Oder zielt Lean darauf ab, den Kunden mehr Nutzen zu bieten, um im Wettbewerb mit anderen Unternehmen die Nase vorne zu haben?

Werte schaffen und Verschwendung vermeiden

Analysiert man die verschiedenen Lean-Management-Methoden und -ansätze (wie Wertstromdesign, 5S, Six Sigma, Kaizen, Kanban, Standardisierung, Poka Yoke und Heijunka), dann stellt man fest, dass diese stets folgende zwei Ziele anstreben:

  • Werte für die Kunden schaffen und

  • Verschwendung vermeiden.

Die betriebliche Praxis ist jedoch eine andere. Dort konzentrieren sich die entsprechenden Initiativen meist auf das zweite Ziel: Verschwendung vermeiden. Als Verschwendung wird hierbei alles betrachtet, was Ressourcen kostet oder bindet und keinen Beitrag zum Erreichen der (finanziellen) Unternehmensziele leistet - wie zum Beispiel Wartezeiten, überflüssige Kontrollstrukturen und Dokumentationen.

Wer sich jedoch nur auf das Ziel "Verschwendung vermeiden" konzentriert, gewinnt nur kurzfristig. Langfristig sind Lean-Initiativen nur erfolgreich, wenn sie auch das erste Ziel verfolgen: Werte für die Kunden schaffen.

Aus Kundensicht lässt sich die Frage leicht beantworten, was Verschwendung ist: Alles, wofür der Kunde nicht bereit ist, zu bezahlen, muss auf den Prüfstand. Lean bedeutet also in erster Linie, den Blick auf die Organisation so zu verändern, dass der Kundennutzen im Vordergrund steht.