CW-Kolumne

Softwarebranche im Umbruch

Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
Den Softwareherstellern, die zuletzt immer wieder als Wachstumsmotor für die gesamte IT-Branche herhalten mussten, scheint die Puste auszugehen.
Martin Bayer Stellvertretender Chefredakteur CW
Martin Bayer Stellvertretender Chefredakteur CW

Das legen zumindest die jüngsten Quartalszahlen nahe: Der einstige Überflieger VMware schafft gerade noch ein Plus von drei Prozent beim Profit, Microsoft kann zwar mehr Umsatz vermelden, muss sich aber mit einem kleineren Gewinn zufriedengeben, und IBM konnte seinen Softwareumsatz nach einem Rückgang im Vorquartal zwar wieder leicht um drei Prozent steigern, kennt aus der Vergangenheit jedoch auch zweistellige Wachstumsraten. Bei den großen deutschen Softwareherstellern knirscht es ebenfalls. Der Gewinn der Software AG schrumpfte zuletzt um zwei Prozent, und SAP musste trotz aller Lobeshymnen auf die neuen
Geschäftsfelder wie die In-Memory-Appliance HANA und Cloud Computing für 2012 einen Gewinnrückgang von 18 Prozent vermelden.

Gerade am Beispiel von SAP wird deutlich,woran es derzeit hakt. Der Konzern zieht momentan sämtliche Marketing-Register, um seine neuen Themen im Markt zu platzieren. Kaum ein Tag vergeht, an dem Walldorf nicht etwas Neues vermelden kann. Doch an den Realitäten bei den Anwendern geht das oft vorbei.
Wie gerade wieder eine Befragung von Capgemini gezeigt hat, beschäftigt man sich in den IT-Abteilungen mit klassischen Themen wie Sicherheit, Integration, Datenqualität und Kosten. Probleme mit Letzteren ließen sich
– zumindet in der Theorie – mit Hilfe von Cloud Computing bändigen, wenn denn die Anbieter hier mit offenen Karten spielen würden. Doch das ist nicht der Fall. Gerade für klassische Business-Software sind echte Cloud-Angebote, die den Nutzern die gewünschte Elastizität und Flexibilität gewähren, selten. Vielmehr tauchen hier wieder verwirrende Pakete aus On-Premise-, Cloud- und Servicekomponenten auf, die den Nutzer wieder eng an
die Anbieter binden. Wollen die Softwarehersteller bessere Zahlen melden, brauchen sie transparente Angebote, deren Nutzwert klar erkennbar ist.