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Softwarebeschaffung: Miete wird für viele Anwender interessanter

02.11.2007
Die Zeiten, in denen Anwender Software-Lizenzen primär gekauft haben, scheinen vorbei, glauben die Analysten der Experton Group. Immer mehr Anwender sehen sich nach alternativen Beschaffungsmodellen um.

Die Aufwendungen für Software steigen, lautet die Einschätzung der Experton Group. Je nach Branche und Anzahl der Mitarbeiter liegt der Softwareanteil mittlerweile zwischen 20 und 42 Prozent des gesamten IT-Budgets. Dazu kämen wachsende Serviceausgaben. Diese Entwicklung führe dazu, dass sich mehr und mehr Unternehmen nach Alternativen zum Softwarekauf umsehen, sagt Axel Oppermann, Advisor der Experton Group.

Die Befragung von 120 IT-Entscheidern aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern ergab, dass sich bereits über 40 Prozent der Unternehmen mit alternativen Beschaffungsmodellen beschäftigen. Mehr als 25 Prozent der Befragten erklärten, Software-as-a-Service- (SaaS) und On-Demand-Modelle seien bereits ein Thema für ihr Unternehmen. Aber auch Leasing und Miete von Software wird für die Kunden interessanter, meint Oppermann. Zwar seien diese Modelle im Hardwarebereich inzwischen alltäglich, Leasing und Miete von Software habe die vergangenen Jahre jedoch in einer Art Dornröschenschlaf verbracht. Dem Analysten zufolge habe dies in erster Linie daran gelegen, dass nur die wenigsten Firmen Software als Firmen-Asset eingestuft haben. Mittlerweile würden sich jedoch über ein Viertel der Anwenderunternehmen damit beschäftigen.

Insbesondere Firmen mit 500 bis 999 Mitarbeitern interessierten sich für Leasing beziehungsweise Miete von Software. Hier liegt der Anteil bei über 30 Prozent. Vor allem die restriktive Finanzpolitik der Banken sowie die niedrige Eigenkapitalquote von Mittelständlern seien Oppermann zufolge für diesen Trend verantwortlich. Dazu komme, dass Leasing- und Mietgeschäfte nicht direkt den Richtlinien und Vorschriften von Basel II unterlägen. Neben den finanztechnischen Vorteilen könnten die Anwender mit den alternativen Beschaffungsmodellen kurzfristigen beziehungsweise zeitlich beschränkten Softwarebedarf effizienter befriedigen. Damit könnten die Unternehmen flexibler agieren. Außerdem reduziere sich der Aufwand für die IT-Infrastruktur.

Trotz dieser Vorteile ist die klassische On-Premise-Lizenz bei der überwiegenden Anzahl der Softwarekäufer nach wie vor erste Wahl. Nach Angaben der Experton Group macht das hiesige Umsatzvolumen von SaaS-Angeboten im laufenden Jahr etwa 270 Millionen Euro aus (siehe auch: Der Markt ist reif für SaaS). Das entspricht gerade einmal 1,4 Prozent des gesamten deutschen Marktes für Business Software. Viele Anwender befürchten eine vermeintliche Abhängigkeit durch die Softwareservices sowie eine geringere Sicherheit ihrer Daten. Trotz dieser Vorbehalte soll der Markt in den kommenden Jahren schnell wachsen. Die Analysten gehen von Steigerungsraten von über 30 Prozent jährlich aus.

Davon wollen auch die Softwarehersteller profitieren. Anbieter wie SAP mit Business ByDesign und Microsoft mit der "Software+Service"-Strategie setzen verstärkt auf alternative Vertriebswege. "Die wesentliche Motivation der Softwarehersteller beruht darin, regelmäßige Geldflüsse zu generieren und gleichzeitig die Erneuerungszyklen zu verkürzen", beschreibt Oppermann die Motivation auf Anbieterseite. Zwar müssten die Hersteller kurzfristig auf Lizenzerlöse verzichten. Auf lange Sicht biete sich jedoch die Möglichkeit, die Kundenbasis auszubauen und zusätzliche Leistungen zu vermarkten. Allerdings bergen die neuen Modelle auch Risiken. So werde durch die Software-Service-Modelle die Kundenbindung erheblich reduziert. Die geringeren Anfangsinvestitionen erleichterten den Anwendern einen Wechsel des Anbieters.

Obwohl sich viele Anwender für die alternativen Beschaffungsmodelle interessieren, rechnet Oppermann nicht mit einer sofortigen Umsetzung in den Unternehmen: "Es ist fraglich, ob sich die vorhandenen Nutzerpräferenzen auch zeitnah in eine wirkliche Nachfrage transferieren lassen." Gerade kleinere und mittelgroße Firmen seien dafür bekannt, dass sie auf neue Produkte und Services eher verhalten reagierten. Der Analyst geht davon aus, dass sich die Unternehmen mit einer Kombination verschiedener Möglichkeiten an die neuen Modelle herantasten werden. Durch das Aufsplitten des Angebots- und Leistungsportfolios müssten die Anwender jedoch mit einer höheren Komplexität rechnen, warnt der Analyst und rät den Firmen auf ein aktives Vertrags-Management zu achten. (ba)

Alles eine Frage der Definition

Softwareservice ist nicht gleich Softwareservice. Es gibt feine Unterschiede zwischen Software-as-a-Service (SaaS) und On-Demand. Die Experton Group versteht unter On-Demand-Angeboten Services, die nur partiell beauftragt und genutzt werden. Dagegen beinhalten SaaS-Angebote Mietapplikationen, die regelmäßig beim Anwender eingesetzt werden.

Unterschiedliche Definitionen und Begrifflichkeiten sorgen bei den Firmen für Verunsicherung und führen zu Skepsis und Zurückhaltung gegenüber den neuen Modellen, warnt Experton-Group-Analyst Axel Oppermann. Er rechnet allerdings nicht einheitlichen Termini in Sachen Softwareservices. Die Anbieter verfolgten unterschiedliche Denkansätze und versuchten zudem, sich mit neuen Wortschöpfungen und Interpretationen im Wettbewerb zu differenzieren.