Bezahlmodelle für Business-Anwendungen

Software-Trends - Lizenzen, Abo-Modelle, Freemium-Angebote

Malte Jeschke war bis März 2016 Leitender Redakteur bei TecChannel. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich intensiv mit professionellen Drucklösungen und deren Einbindung in Netzwerke. Daneben gehört seit Anbeginn sein Interesse mobilen Rechnern und Windows-Betriebssystemen. Dank kaufmännischer Herkunft sind ihm Unternehmensanwendungen nicht fremd. Vor dem Start seiner journalistischen Laufbahn realisierte er unter anderem für Großunternehmen IT-Projekte.
Mit der zunehmenden Nutzung von SaaS-Lösungen geht die Umstellung auf Abo-Modelle einher. Haben traditionelle Lizenz-Modelle ausgedient? Führende Software-Hersteller geben Antworten.

Beim Buchen von Software-Lösungen aus der Cloud ist es eine Selbstverständlichkeit, den monatlichen oder jährlichen Abo-Betrag für die Nutzung zu bestätigen. Gerade auch kleinere oder mittlere Unternehmen können so Anwendungen nutzen, oder auch nur ausprobieren, ohne eine größere Investition tätigen zu müssen. Wird dieses Bezahlmodell in Zukunft den Markt dominieren?

Wir haben Experten von führenden Software-Unternehmen gefragt, wie sich die Bezahlmodelle für professionelle Anwendungen weiter entwickeln werden.

Markus Dränert, Geschäftsführer Haufe-Lexware

Günther Igl, Cloud Lead bei Microsoft Deutschland

Hakan Yüksel, Applications Leader Oracle Deutschland

Peter Dewald, Geschäftsführer der Sage Software GmbH

Sven Denecken, Vice President Cloud-Strategie SAP

Welche Veränderungen werden wir bei den unterschiedlichen Zielgruppen hinsichtlich Lizenz-, Freemium- und Abo-Modellen erleben?

Hakan Yüksel - Oracle: "Für einfache Anwendungen im Privatbereich oder bei Selbstständigen mögen Freemium-Modelle, wie Google Apps, ausreichen. Im Enterprise-Bereich sind sie keine ernst zu nehmende Alternative, da die Unternehmen hier keine Sicherheit in punkto Service und Support haben; zumal Enterprise-Technologien kaum als Freemium verfügbar sind. Generell gilt, was als "Free" angeboten wird, sollte unbedingt auf versteckte Kosten überprüft werden.

Oracle verfolgt hier den Weg einer maximalen Kostentransparenz für den Kunden, so dass die Projekte auch so kalkulierbar wie möglich werden. Aus unserer Sicht werden nur diese transparenten Abo-Modelle langfristig überleben."

Peter Dewald - Sage: "Wir glauben an die Nachfrage nach festinstallierten, lizensierten Lösungen. Strategisch setzen wir nicht grundlos unseren Fokus auf Cloud-Angebote im Abo-Modell: Diese Modelle haben den großen Vorteil, dass große Anschaffungskosten entfallen. Solche Kosten können gerade kleine und mittlere Unternehmen vor Finanzierungsschwierigkeiten stellen. Zudem kennen wir digitale Abos ja mittlerweile aus dem Privatleben - als Internet-Flatrate, als Musikabo bei Spotify, als Serienabo bei Watchever oder Netflix. Hier haben sie sich etabliert und schrecken auch im Business nicht mehr ab.

In meinen Augen haben unsere Geschäftsjahreszahlen 2014 gezeigt, dass wir auf das richtige Pferd setzen: Die Zahl der Neukunden bei unserer Cloud-Lösung Sage One stieg allein in Deutschland um 76 Prozent auf 9.500 Kunden; die Gesamtumsätze mit Online-Lösungen sogar um 200 Prozent. Das sind für uns eindeutige, erfreuliche Zeichen vom Markt."

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Sven Denecken - SAP: "Wir steuern auf eine "subsciption economy" zu. Insofern wird dieses Lizenzmodell in Zukunft dominieren. Dieses Modell entspricht einem "Abo-Modell", das auch sehr vorhersehbare Umsätze generiert."

Günther Igl - Microsoft: "Wir haben bereits 2014 unsere Lizenzverträge radikal vereinfacht: Das "Microsoft Products & Services Agreement" (MPSA) regelt auf zehn Seiten alle wesentlichen Vertragsdetails für den Bezug von Software und Cloud-Services von Microsoft. Das MPSA konsolidiert damit alle Beschaffungsstrategien unter einem Vertrag und ersetzt die bisherige Vielzahl von Einzelverträgen. Über das Microsoft Volume Licensing Center (MVLC) können unsere Kunden zudem ihre Lizenzen im Self Service einfach an ihre Bedürfnisse anpassen. Diese Flexibilität ist wichtig, um dynamisch auf veränderte Marktbedingungen und Anforderungen reagieren zu können.

Zudem haben wir Ende 2014 die Enterprise Cloud Suite (ECS) eingeführt, eine Lizenzlösung, die pro Nutzer statt wie bisher pro Gerät gilt. Ein Nutzer kann mit der ECS-Lizenz Windows und Office auf bis zu fünf Geräten gleichzeitig betreiben, die IT kann diese Geräte über die Enterprise Mobility Suite effizient und sicher verwalten.

Schließlich haben wir große Teile von Office als Freemium-Lizenz auf den Markt gebracht: Man kann Dokumente auf mobilen Geräten nicht mehr nur anschauen, sondern mit Basisfunktionen auch bearbeiten. Damit wollen wir erreichen, dass eine möglichst große Zahl von Anwendern in den Genuss unseres wichtigsten Produktivitätswerkzeugs kommt.

Das wird auch 2015 wichtig bleiben: Wir machen Produktivität plattform- und systemübergreifend möglich und werden dafür attraktive, flexible, niedrigschwellige und preiswerte Lizenzmodelle anbieten."

Markus Dränert - Lexware: "Generell gibt es immer mehr Geschäftsmodelle, die sich in Richtung transparenter Abomodelle bewegen. Es geht vor allen Dingen darum, fair und transparent gegenüber dem Kunden zu sein, es darf keine versteckten Kosten mehr geben." (mje)