Fahrplan im Handy

Software-Entwickler in Kampf um öffentliche Daten

15.11.2012
Gemeinsam mit Ministern und Geschäftsführern diskutiert der Student und App-Entwickler Jonas Witt beim IT-Gipfel in Essen. Motto des Branchentreffens ist "digitalisieren, vernetzen, gründen". Ein Weg, den der 25-Jährige schon gegangenen ist - nicht ohne Stolpersteine.
App-Entwickler wie metaquark haben es verdammt schwer, an öffentlich zugängliche ÖPNV-Daten zu kommen.
App-Entwickler wie metaquark haben es verdammt schwer, an öffentlich zugängliche ÖPNV-Daten zu kommen.

Seine App "Fahrinfo" stellte Jonas Witt 2008 in den App Store für Apples iPhone. Das kleine Programm des heute 25-jährigen Studenten am Hasso-Plattner-Instituts liefert aktuelle Fahrpläne und Verbindungen für den Berliner Nahverkehr direkt auf das Smartphone. "Ich habe die App veröffentlicht, um zu schauen, was passiert", erzählt Witt.

Tausendfach wurde "Fahrinfo" auf Smartphones installiert, lediglich die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) schätzten den Service zunächst nicht. Die BVG forderte Witt damals auf, die Netzpläne aus urheberrechtlichen Gründen zu entfernen und hatte Bedenken wegen Schadenersatzklagen, sollte die fremde App eine falsche Auskunft geben. Inzwischen ist die App mit einem Vermerk versehen, dass sie kein offizielles Produkt der BVG oder des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) sei und nur eine Oberfläche zur Abfrage des Internetfahrplans zur Verfügung stelle.

"Bei offenen Daten für den öffentlichen Nahverkehr ist Deutschland ein weißer Fleck in Europa", urteilt Jonas Witt beim IT-Gipfel in Essen. Entwickeln die Verkehrsunternehmen nicht selbst Apps, hätten freie Programmierer kaum Chancen, an die nötigen Daten zu kommen. Apps für Nahverkehrs-Fahrpläne sind in den Download-Plattformen gemessen an der Größe Deutschlands dünn gesät. Von Witts Firma metaquark zum Beispiel gibt es noch Fahrinfo-Apps für München, Stuttgart und Dresden.

"Eigentlich sollte es kein Geheimnis sein, wann ein Bus oder eine Bahn fährt", sagt Witt. Trotzdem machen nur wenige öffentliche Verwaltungen und Unternehmen ihre Daten im maschinenlesbaren Format zugänglich, damit freie Entwickler wie Witt neue Anwendungen mit zusätzlichen Nutzen programmieren können. Open Data wird dieses Prinzip genannt, das vorhandene Daten über Schnittstellen für alle Bürger verfügbar machen soll.

Dass Deutschland bei Open Data im internationalen Vergleich "noch recht weit hinten" hat verschiedene Gründe. Jonas Witt sieht vor allem ein Mentalitätsproblem: "Bei uns werden oft nur die Risiken und nicht die Chancen gesehen". Zudem werde Open Data durch die föderalen Strukturen in Deutschland gebremst, die viel Abstimmung und Rechteklärung zwischen den Beteiligten erfordern.

Die Firma Metaquark gründete Witt vor eineinhalb Jahren mit drei Bekannten. Das kleine Unternehmen bietet systemübergreifende App-Marktplätze für Unternehmen an, die ihre Mitarbeitern mit internen und öffentlichen Apps für ihre mobilen Geräte versorgen wollen. (dpa/tc)