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Software deckt Quellen illegal getauschter Dateien auf

17.01.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nutzer von P2P-Netzen (Peer to Peer), die urheberrechtlich geschützte Dateien zum Tausch anbieten, können künftig leichter enttarnt werden, behauptet der US-Hersteller BayTSP. Dessen Software "FirstSource" analysiert die Datenströme in einem Netz und soll erkennen, welcher Anwender spezielle Dateien zuerst bereitgestellt hat.

Grundlegende Annahme ist, dass zunächst nur auf dem Quellrechner 100 Prozent der Daten liegen und sich die weiteren Downloads aus verschiedenen Quellen zusammensetzen. Weitere Anwender, die eine entsprechende Datei angefordert haben, haben für eine gewisse Zeit nur Bruchstücke auf ihrer Festplatte, die sie wiederum weitergeben.

Ziel ist es laut Jim Graham, Unternehmenssprecher von BayTSP, die wenigen Anwender, die Urheberrechte verletzen, zu identifizieren und von der Nutzung der P2P-Netze auszuschließen. Diese könnten dann für legale Zwecke verwendet werden. Experten zweifeln jedoch an der Funktionstüchtigkeit von FirstSource.

Es sei unmöglich, in einem Netz mit Millionen von Knoten, die laufend wechseln, da ständig private Rechner zu- oder abgeschaltet werden, den Ursprung einer verbreiteten Datei zu finden. So könne zum Beispiel eine Datei von einem Rechner heruntergeladen werden, der kurz darauf vom Netz gehe. FirstSource identifiziere dann fälschlich den zweiten Rechner als Quelle, sagte Brad Neuberg, Programmierer beim Online-Dienstleister Rojo Networks in San Francisco.

Mit geringen Modifikationen an der P2P-Software lasse sich die Funktion von FirstSource aushebeln, sagte der britische P2P-Programmierer Adam Langley. Laut Ian Clarke, einer der Entwickler der Tauschbörse "Freenet" (The Free Network Project, nicht zu verwechseln mit dem deutschen Online-Dienstleister Freenet.de) sei die BayTSP-Software im Freenet-Netz ohnehin wirkungslos. Dort werde nämlich der gesamte Datenverkehr verschlüsselt. (lex)