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Software-Chaos im Pentagon

01.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Bemühen des US-Verteidigungsministeriums um Modernisierung seiner Business-Software-Systeme ist offenbar von wenig Erfolg gekrönt. Auch in diesem Jahr fand der US-Rechnungshof (Government Accountability Office = GAO) wieder Anlass zur Kritik. In seinem diesjährigen Bericht monierte das GAO vor allem, dass das Department of Defense (DoD) die Ratschläge aus dem vergangenen Jahr in den Wind geschlagen habe.

"Verschwendung und Missbrauch in einem Ausmaß von mehreren Milliarden Dollar jährlich", so urteilte das GAO in seinem 2004er-Report über die IT-Architektur der Militärs. Dem Bericht zufolge betreibt das Verteidigungsministerium insgesamt 4200 Systeme, von denen viele dieselben Funktionen erfüllten wie andere. Auch ein Teil der Daten sei ohne ersichtlichen Grund doppelt in unterschiedlichen Systemen abgelegt. Die übergroße Komplexität mache die Systeme fehleranfällig.

Ein 318 Millionen Dollar teures Projekt zur Modernisierung der Business-Systeme zeige vier Jahre nach seinem Start immer noch keine greifbaren Ergebnisse, so der Report weiter: "Nach sechs Releases und zwei Updates der Business-Enterprise-Architektur hat das DoD immer noch keine Version, die man als gut definiert bezeichnen könnte." Der Autor des Berichts, Randolph Hite, bezeichnet die Softwarearchitektur des Pentagon als nach wie vor unvollständig, inkonsistent und nicht integriert. Hite, der beim GAO im Rang eines Direktors für IT-Architektur und Systeme verantwortlich zeichnet, verpasste dem Modernisierungsvorhaben das Etikett "risikobehaftet".

Was Hite besonders ärgert: Das Verteidigungsministerium habe sich nicht an die GAO-Empfehlungen aus dem vergangenen Jahr gehalten. Damals hatte der Rechnungshof unter anderem die Einrichtung einer effektiven Governance-Struktur, die Entwicklung von Programmplänen mit messbaren Zielen und Ergebnissen sowie die Schaffung eines effektiven Konfigurations-Management-Systems gefordert. Möglicherweise könnten aber die beiden neuen Männer im Pentagon dafür sorgen, dass der diesjährige Bericht ernster genommen werde, hofft Hite: Thomas Modly wurde zum Vize-Untersekretär für das Finanz-Management berufen, Paul Brinkley zum Spezialassistenten für Business-Transformation. (qua)