Führungsnachwuchs

Software Campus bildet die IT-Manager von morgen aus

Senior Communication Managerin bei der Content Marketing Agentur Evernine
Über 120 junge IT-Führungskräfte von morgen arbeiten und studieren derzeit am Software Campus. Was sie dort lernen: fachliche Grundlagen, praktische Umsetzungskompetenz - und die richtige Selbsteinschätzung.

Der Software Campus bietet Training on the Job. Im Vordergrund steht dabei nicht die Vermittlung von IT-Wissen, sondern das Erkennen von Marktzusammenhängen, Unternehmens- und Internationalisierungsstrategien sowie Innovationsprozessen. Besonderen Wert legt man auf Führungskompetenz und Soft Skills wie Einsatzbereitschaft, Teamgeist und Leistungswille. "Dort sollen Nachwuchswissenschaftler lernen, Führungsaufgaben wahrzunehmen oder als Gründer durchzustarten. Die enge Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen ist für die Teilnehmer von allerhöchstem Wert", nennt Manfred Broy, Informatikprofessor vom Forschungspartner Technische Universität München (TUM), den Anspruch.

100.000 Euro für IT-Projekte der Nachwuchsmanager

Das Auswahlverfahren für eine Ausbildung im Software Campus ist anspruchsvoll. Erst entscheiden Experten der Industriepartner anhand der Bewerbungsunterlagen über die grundsätzliche akademische Qualifikation. Danach müssen deren Personalverantwortliche von den Bewerbern im Rahmen eines Symposiums von ihrer Persönlichkeit, ihrem Unternehmergeist und ihrem Führungswillen überzeugt werden. Wer diese Hürde erfolgreich nimmt, wird im Software Campus angenommen. Erst dann stellt der Kandidat zusammen mit seiner Universität oder Forschungseinrichtung einen Förderantrag beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die Behörde unterstützt die IT-Projekte der Nachwuchs-Manager mit einem Betrag von bis zu 100.000 Euro.

Im September 2013 haben sich 47 neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer in das Entwicklungsprogramm eingeschrieben. Bis Mitte 2015 forschen sie an einem eigenen IT-Projekt und bilden sich zu Führungskräften weiter. Dabei stehen ihnen Mentoren aus der Wirtschaft zur Seite, die ihnen Praxiserfahrung aus den Manager-Etagen vermitteln.
Im September 2013 haben sich 47 neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer in das Entwicklungsprogramm eingeschrieben. Bis Mitte 2015 forschen sie an einem eigenen IT-Projekt und bilden sich zu Führungskräften weiter. Dabei stehen ihnen Mentoren aus der Wirtschaft zur Seite, die ihnen Praxiserfahrung aus den Manager-Etagen vermitteln.
Foto: Software Campus

Die Umsetzung eines eigenen IT-Projekts ist eine wichtige Säule des Software-Campus-Programms. Die Teilnehmer müssen das Vorhaben komplett selbständig organisieren. Die Bandbreite reicht von der Projektplanung über die Beantragung finanzieller Mittel und die Koordination von Teams bis hin zum Abschluss des Vorhabens. Die Partner aus Forschung und Industrie stehen ihnen hier beratend zur Seite. Die Laufzeit eines Projekts beträgt bis zu zwei Jahre.

Eine weitere Säule des Programms ist die Kooperation der jungen IT-Experten mit Mentoren und die gemeinsame Arbeit an ihren persönlichen Zielen und Karrierevorstellungen. Dabei sollen die Programmteilnehmer von Führungskräften der Industriepartner wichtige Fähigkeiten wie Strategieentwicklung, Technologie-, Innovations- und Patent-Management oder Mitarbeiterführung lernen. "Von dieser Zusammenarbeit profitieren im Idealfall nicht nur die Studenten, sondern auch der Mentor und das Unternehmen", erklärt Karin Pientka, Vice President Innovationsprojekte im Geschäftsbereich Innovationen Brief des Industriepartners Deutsche Post DHL. Mit ihrer Unterstützung hoffen Firmen auf gut ausgebildete Nachwuchskräfte: "Wir wollen erreichen, dass jeder zweite Absolvent des Software Campus in zehn Jahren als Führungskraft in deutschen IT-Unternehmen arbeitet", so SAP-Boss Jim Hagemann Snabe.

Software Campus

Initiiert wurde der Software Campus auf dem IT-Gipfel 2010. Ideengeber waren unter anderem Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan und SAP-Co-CEO Jim Hagemann Snabe. 2012 wurde der Regelbetrieb gestartet - mit 80 Doktoranden. Als Partner dabei sind heute acht Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie neun große Industrieunternehmen. Gefördert wird das Programm vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Sandro Castronovo, seit Kurzem promoviert, will das in der Hälfte der Zeit schaffen: "In fünf Jahren leite ich ein Team in einem international agierenden Unternehmen", dessen ist er sich heute schon sicher. Er gehört zu den ersten elf Teilnehmern aus dem Jahr 2011, in dem das Ausbildungsprogramm des Software Campus begann. Castronovo ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Im Automotive-Team, einer Untergruppe des Forschungsbereichs Intelligente Benutzerschnittstellen am DFKI, beschäftigt er sich mit benutzerzentrierten Fahrerassistenzsystemen, die auf bidirektionaler Fahrzeug-zu-X-Kommunikation basieren. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschung ist die ergonomische Gestaltung von Mensch-Maschine-Schnittstellen im Fahrzeug. Castronovos Industriepartner im Software Campus ist die Scheer Group.

Die Gründe für seine Teilnahme waren vielfältig. "Zum einen wurde meine Dissertation beschleunigt, zum anderen bekommt man aber auch die Möglichkeit, den nächsten Karriereschritt schon während der Forschungsarbeit vorzubereiten." Reines IT-Fachwissen ist auch für Castronovo keine ausreichende Qualifikation. "Auftreten, Menschenkenntnis, Zielstrebigkeit sind Skills für Topmanager, die erfolgreich sein wollen. Außerdem darf man sich nicht scheuen, auch unangenehme Entscheidungen zu treffen."

Justus Beyer, Wissenschaftler am Quality and Usability Lab der Technischen Universität Berlin und seit Ende 2012 im Campus, plant nach seinem Abschluss die Gründung eines Startups, das sich mit Cloud Gaming beschäftigt, "also mit dem Verlegen der aufwendigen Grafikberechnungen in Spielen von der teuren heimischen Spielekonsole oder dem Highend-Spiele-PC ins Rechenzentrum". Damit könne der Kunde dann selbst mit einfacher Hardware topaktuelle Titel spielen und sich langwierige Software-Installationsprozeduren sparen. Beyer mag besonders den persönlichen Austausch mit den anderen Teilnehmern: "Wir liegen erstaunlich gut auf einer Wellenlänge, sind keine Karrieristen und gehen Herausforderungen im Team an."

Das Mentoring lockt Studenten an

Auch Christian Seeger hat auf dem Software Campus gute Kontakte geknüpft. Er war zunächst von der Idee fasziniert, neben der Promotion ein eigenes kleines Forschungsprojekt gestalten und leiten zu dürfen. "Ich habe es so ausgerichtet, dass es meine bisherigen Forschungsergebnisse erweitert und Anwendungen darauf aufbauen", berichtet der Jung-Manager. Ein weiterer Grund für Seegers Bewerbung war das Mentoring: "Neben dem eigentlichen Forschungsvorhaben ermöglicht es den Ausbau der eigenen Kompetenzen und den Austausch mit Experten des Industriepartners Bosch."

Christian Seeger startete neben der Promotion ein IT-Forschungsprojekt.
Christian Seeger startete neben der Promotion ein IT-Forschungsprojekt.
Foto: Christian Seeger

Seegers IT-Projekt begann im Frühjahr 2013. Es ging dabei um Smartphone-gestütztes Monitoring von Personen. "Sensoren am Körper der Person sowie in der Umgebung senden Daten über Herzfrequenz oder Blutdruck, aber auch über das Benutzen von Objekten in der Umgebung an ein Smartphone", erläutert er sein Vorhaben. "Anwendungen auf dem Smartphone erlauben das Monitoring von Vitalparametern und Aktivitäten." Ziel war der Aufbau einer Plattform für zukünftige Anwendungen zur Überwachung und Unterstützung von Patienten. Innerhalb des Projekts wurde dafür spezielle Sensorik entwickelt, die Plattform erweitert und Anwendungen zu Assistenz und Rehabilitation von Patienten geschaffen.

Erste Auszeichnung: Ein Innovation Award

In Kürze wird Seeger am Junior Managers Program teilnehmen, in dem Bosch seinen Führungskräftenachwuchs auf die Aufgaben als Abteilungsleiter vorbereitet - und das auch viele der heutigen Geschäftsführer schon hervorgebracht hat. "Innerhalb des Programms werde ich voraussichtlich vier Stationen besuchen: zwei bei Bosch Software Innovations, dem Software- und Systemhaus der Bosch-Gruppe, eine im Ausland und eine Station bei einer anderen Konzerneinheit." Seegers Plan: "In fünf Jahren möchte ich ein spannendes Smart-Home-Projekt leiten - am liebsten in Zusammenarbeit mit einem internationalen Partner."

Der relativ junge Software Campus kann bei den Projekten erste Erfolge vermelden: Alexander Löffler, Doktorand des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) und Teilnehmer des Software Campus, gewann auf der CeBIT 2013 mit seinem Forschungsprojekt "Display as a Service" den mit 50.000 Euro dotierten CeBIT Innovation Award.