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Software AG will weiter Kosten senken

06.03.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Software AG hat heute ihren Jahresabschluss für 2002 vorgelegt. Das Darmstädter Unternehmen weist darin einen Nettogewinn von 33,5 Millionen Euro aus im Vergleich zu 38,7 Millionen Euro für 2001. Der Vorsteuergewinn beträgt 50,7 Millionen Euro, darin enhalten sind Abschreibungen von 17,6 Millionen Euro für Restrukturierungskosten und Einmalgewinne von 37,6 Millionen Euro aus dem Verkauf von Beteiligungen. Der operative Vorsteuergewinn ging von 91 Millionen Euro im Jahr 2001 auf aktuell 31,6 Millionen Euro zurück. Das Ergebnis pro Aktie von 1,23 Euro (2001: 1,44 Euro) wird wie angekündigt in voller Höhe in die Rücklagen eingestellt.

Der Umsatz lag bei 475 Millionen Euro und damit um 19 Prozent unter den 588,5 Millionen Euro des Vorjahres. Zulegen konnte die Software AG einzig im Wartungsgeschäft, und zwar von 196 auf 200,9 Millionen Euro. Die Lizenzeinnahmen gingen von 199 auf 113 Millionen Euro zurück. 74 Prozent stammten hier aus dem Geschäft mit den "Legacy"-Produkten wie "Adabas" und "Natural", der Rest entfiel auf die neuen XML-Produkte, im Wesentlichen "Tamino" (Datenbank) und "EntireX" (Middlware). Auch im Projektgeschäft fiel der Umsatz, und zwar um 16 Prozent auf 159,6 Millionen Euro.

Regional betrachtet waren die USA trotz Dollarschwäche mit 35 Prozent Anteil am Gesamtumsatz größter Markt der Software AG für 2002. Mit mehr als 17 Prozent war Deutschland größter Einzelmarkt in Europa, im Rest des alten Kontinents fuhren die Darmstädter 41 Prozent der Einnahmen ein. Die regionale Verteilung blieb damit gegenüber dem Vorjahr mehr oder weniger unverändert.

Zum 1. Februar wurden die Landesgesellschaften in vier Regionen neu aufgeteilt: Amerika, Nordeuropa und Asien, Süd- und Westeuropa sowie Zentral- und Osteuropa. Davon verspricht sich die Software AG einen zusätzlichen Know-how-Transfer zwischen den Niederlassungen und eine bessere Unterstützung kleinerer Landesgesellschaften. Die vier Regional-Manager bilden künftig gemeinsam mit dem Vorstand das "Management Board of Software AG", das für die Entwicklung und Umsetzung strategischer und wesentlicher operativer Maßnahmen verantwortlich ist.

Ihre jährlichen Gesamtkosten konnte die Software AG mit einem Restrukturierungsprogramm im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben um etwa 50 Millionne Euro senken. Unter anderem ging die Zahl der Mitarbeiter zu Ende des Berichtszeitraums von 3326 auf 3018 zurück, wodurch die Personalkosten um 8,3 Prozent auf 258 Millionen Euro fielen. Den Cash Flow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit beziffert das Unternehmen mit 40,7 Millionen Euro nach 83,1 Millionen Euro im Vorjahr. Die liquiden Mittel stiegen im gleichen Zeitraum von 50,2 auf 75,4 Millionen Euro, Bankverbindlichkeiten gibt es aktuell nicht.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die Software AG keine grundlegende Änderung des Marktumfeldes und rechnet deswegen mit Einnahmen auf Vorjahresniveau. 40 Prozent des Umsatz sind aufgrund langfristiger Wartungsverträge bereits sicher, bei Lizenzverkäufen und Projektdienstleistungen sei das Kundenverhalten deutlich schwieriger einzuschätzen. Der Vorstand will in diesem Jahr die Kostenbasis weiter an das mittelfristige Kostenniveau anpassen, sprich Arbeitszeit und womöglich auch weiteres Personal abbauen. Ergebnis und operative Marge sollen auf dem Niveau von 2002 gehalten werden. Mittelfristiges Ziel sei eine operative Umsatzrendite von 15 Prozent vor Steuern (2002: 6,7 Prozent). Der Cash Flow für 2003 soll positiv ausfallen.

Ihre Technik und hierbei vor allem die XML-Datenbank Tamino will die Software AG künftig verstärkt in neue Produkte und Lösungen umsetzen; die notwendigen Investitionen sollen ausschließlich aus dem operativen Cash Flow finanziert werden. Im laufenden Geschäftsjahr wollen die Darmstädter erstmals Produkte für standardisierte Anwendungen entwickeln. Erste Applikationen für mobiles Computing (Vertriebs-, Kundendienstunterstützung) zeigt das Unternehmen auf der CeBIT 2003. Weitere Zielmärkte sind Web-Services und Content Management. (tc)