Übernahme von IDS Scheer

Software AG will SAP-Kunden

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Die Software AG erhält mit IDS Scheer Zugang zu zahlreichen SAP-Anwendern. Der Anbieter will diesen Firmen BPM- und Integrationsprodukte sowie -dienstleistungen verkaufen.

Fast eine halbe Milliarde Euro will die Software AG aus Darmstadt hinblättern, um den auf Geschäftsprozessanalyse und -modellierung spezialisieren Anbieter IDS Scheer AG aus Saarbrücken zu kaufen. Über eine Übernahme der Firma wurde schon länger spekuliert. Beobachtern zufolge war es vor allem Firmengründer August-Wilhelm Scheer, der sich sträubte. Nun hat der Professor und Bitkom-Präsident dem Übernahmeangebot zugestimmt.

Karl-Heinz Streibich: 'Prozessinnovationen werden wichtiger als Produktinnovationen.'
Karl-Heinz Streibich: 'Prozessinnovationen werden wichtiger als Produktinnovationen.'
Foto: Software AG

Geben auch die anderen Aktionäre ihr Placet und gibt es keine Einwände der Kartellbehörden, so könnte der Deal im dritten Quartal dieses Jahres vollzogen sein. Die Software AG schätzt den gemeinsamen Umsatz auf rund 1,1 Milliarden Euro. Die Kaufsumme begleichen die Darmstädter aus Barmitteln (107 Millionen Euro), aus vorrangigen Verbindlichkeiten von 45 Millionen Euro der Software AG Stiftung (dem Hauptaktionär) sowie aus Bankkrediten in Höhe von 335 Millionen Euro.

Nach Überzeugung von Software-AG-Chef Karl-Heinz Streibich ergänzen sich die Produktlinien der beiden deutschen Softwarehäuser. Während die Software AG mit den Produktlinien "Enterprise Transactions Systems" (unter anderem Adabas und Natural) und Webmethods Lösungen für das Ausführen von Geschäftsprozessen biete, kämen mit IDS Scheer der Produktbereich Aris (Prozessanalyse und -design) sowie Consulting-Know-how hinzu. "Wir bleiben weiterhin ein Produkthaus", versichert Streibich.

IDS Scheer verfügt über insgesamt 7500 Kunden. Viele davon sind SAP-Anwender, denen Streibich künftig Lösungen zum Gestalten und Ausführen von Geschäftsprozessen sowie Anwendungsintegration verkaufen will. Die Consulting-Sparte von IDS Scheer berät Anwender in Sachen Geschäftsprozessen und führt als SAP-Partner ERP-Software bei Unternehmen ein. Auf diese Geschäftseinheit entfiel im Jahr 2008 ein Umsatz von über 270 Millionen Euro, während die Aris-Prozesssoftware etwa 126 Millionen Euro erwirtschaftete. Die Software AG nahm mit dem Geschäftsbereich "SOA Infrastructure" (Webmethods) rund 315 Millionen Euro ein und mit ETS gut 404 Millionen Euro.

Integration für SAP-Kunden

Die Webmethods-Systeme sind geeignet, SAP-Umgebungen mit anderen Anwendungen zu koppeln. SAP-Anwender haben Streibich zufolge hohen Bedarf an Lösungen, die es erlauben, Geschäftsprozesse flexibel über Service-orientierte Architekturen zu gestalten (siehe "SAP und Aris kombinieren" und "ERP trifft SOA"). "Systeme für das Business Process Management sind die Anwendungen der Zukunft", ist sich der SAG-Vorstand sicher. Er verweist auf Prognosen von Gartner, die für das Segment BPM ein jährliches Wachstum von 22 Prozent bis 2011 vorhersagen. Das von SAP dominierte Geschäft mit Kernanwendungen für Unternehmen (ERP-Software) wächst bei weitem nicht so stark.

Kombination der Produkte und Dienstleistungen von Software AG und IDS Scheer.
Kombination der Produkte und Dienstleistungen von Software AG und IDS Scheer.

Vor allem mit SAP-Kunden, die andere Produkte integrieren müssen, will die Software AG mit Hilfe von IDS Scheer besser ins Geschäft kommen. "Mit IDS Scheer erwerben wir SAP-Know-how", so Peter Kürpick, für Produktentwicklung verantwortliches Vorstandsmitglied bei der Software AG. IDS Scheer arbeitet seit Jahren eng mit SAP zusammen. Anwender sollen mit Aris gestaltete Geschäftsprozesse in SAP-Lösungen abbilden. Kürpick will die Aris-Produktfamilie mit der eigenen Webmethods-Plattform integrieren. Gespräche über diese Anbindung hätten beide Firmen schon geführt, lange bevor die Übernahmeverhandlungen begonnen haben. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Business-Services-Repository "Centrasite". Es soll die in Aris entwickelten Modelle aufnehmen können, um diese dann in konkrete IT-Prozesse umzusetzen. Auf diese Weise soll es Firmen künftig möglich sein, alle Aufgaben von der Modellierung bis zur Ausführung von Geschäftsprozessen in einer Umgebung erledigen zu können. Profitieren will die Software AG dabei auch von vorhandenden Prozessdefinitionen von IDS Scheer für unterschiedliche Branchen. Die Aris/Centrasite-Kopplung soll in den nächsten Monaten realisiert sein. Auch die Methoden zur Überwachung (Monitoring) von Geschäftsprozessen beider Firmen sollen harmonisiert werden.