SoftM-Bilanz 2006: Mehr Umsatz, mehr Produkte, weniger Ertrag

20.04.2007
Uwe Küll ist freier Journalist in München.
Investitionen in die Java-basierenden ERP-Produkte schmälerten den Gewinn. Vor allem Semiramis soll dem Münchner Konzern Neukunden in Unterschiedlichen Branchen bescheren. Wegen rückläufiger Einnahmen mit Systemintegration rechnet das Management mit sinkenden Umsätzen in 2007.

Einen Umsatz 2006 von 83 Millionen Euro vermeldete die Münchner SoftM Software und Beratung AG auf ihrer Bilanzpressekonferenz. Der Vorjahreswert hatte bei 80,6 Millionen Euro gelegen. Auf der Ertragsseite setzte sich diese positive Entwicklung allerdings nicht fort. Das Konzernergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EBT) verringerte sich auf 0,1 Millionen Euro (Vorjahr: 2,1 Millionen Euro). Dennoch schlägt der Vorstand der Hauptversammlung vor, für das Jahr 2006 eine Dividende von 0,05 Euro je Aktie zu zahlen.

In seiner Darstellung der Geschäftsentwicklung legte der Vorstandsvorsitzende Dr. Hannes Merten besonderen Wert auf den Umstand, dass der Rückgang beim Ertrag im Wesentlichen auf einmalige Investitionen von SoftM in die neuen Produkte "Greenax und "Semiramis" zurückzuführen sei. So schlug die Markteinführung von "Greenax" mit 0,8 Millionen Euro zu Buche, während die Verkäufe dieses Produkts aus einer Kooperation mit dem Schweizer Hersteller Bison hinter den Erwartungen zurückblieben. Der Grund dafür lag laut Merten in der "2006 noch nicht ausreichenden Funktionalität". Gleichwohl habe die Greenax-Ankündigung die Verkäufe der SoftM Suite zurückgehen lassen. Ergebnismindernd wirkte ferner der Erwerb von Semiramis, der gegen Jahresende 0,3 Millionen Euro an ungeplanten Ausgaben verursachte. Außerdem wurden 0,5 Millionen Euro Entwicklungskosten weniger als geplant aktiviert.

Beim Ausblick auf das Geschäftsjahr 2007 hielt sich die SoftM-Führung mit konkreten Zielvorgaben zurück. Man könne, so Merten und sein für das Marketing zuständiger Vorstandskollege Ralf Gärtner unisono, unmöglich vorhersagen, wie lange es dauern werde, bis sich die Stimmungsschwankungen gelegt hätten, die eine Insolvenz immer im Markt hervorrufe. Beide zeigten sich jedoch auch überzeugt, dass die Marke Semiramis, laut Gärtner "ein Synonym für SOA", die Basis des weiteren Wachstums im Absatzmarkt ERP darstelle. Gärtner: "Semiramis ist als Marke positiv besetzt, sie steht für moderne Technologie und das ist wichtig für uns." Immerhin sei das Produkt in den vergangenen drei Jahren an durchschnittlich sechzig Kunden pro Jahr verkauft worden und ähnliche Zahlen seien mittelfristig weiterhin realistisches Ziel - wenn sich erst einmal die Unruhe im Markt infolge der Semiramis-Übernahme gelegt habe. Schließlich habe man mit Semiramis nicht nur ein neues, Java-basiertes Produkt hinzu gewonnen, sondern auch einen neuen Vertriebskanal mit mehr als 30 bestehenden Semiramis-Partnern, die zum Teil bereits eigene Branchenlösungen auf Semiramis-Basis entwickelt haben. Damit verfüge SoftM nunmehr über ein wirksames Werkzeug für die Neukundengewinnung in unterschiedlichen Branchen. Die traditionelle, für iSeries-Anwender konzipierte SoftM Suite hingegen werde weiterhin bei Bestandskunden und in speziellen Zielmärkten zum Einsatz kommen.

Ersatz für Varial-Buchhaltung

Beide Produktlinien sollen künftig um eine neue, ebenfalls Java-basierte und damit plattformunabhängige Rechnungswesen-Lösung ergänzt werden. Diese soll zunächst unter dem Namen "Greenax Finance" in Verbindung mit der Greenax Warenwirtschaft im vierten Quartal 2007 auf den Markt kommen - zeitgleich aber auch als "Stand-alone-Rechnungswesen", unter einer noch zu definierenden Marke. Ab 2008 soll dieses Produkt unter der Bezeichnung Semiramis Finance nicht nur Neukunden anziehen, sondern auch Varial bei Semiramis-Bestandskunden ablösen. Darüber hinaus ist geplant, das neue Finance-Modul als OEM-Produkt in Warenwirtschaftssysteme von Drittanwendern zu integrieren.

Für 2007 rechnet der SoftM-Vorstand ungeachtet der positiven Erwartungen für den Softwarebereich mit einem Umsatzrückgang infolge sinkender Erlöse im Geschäftsfeld Systemintegration. Der Wegfall der Einmalbelastungen von 2006 soll dennoch eine erheblich verbesserte Ertragslage bescheren.

Uneinheitliche Umsatzentwicklung 2006

Im Geschäftsfeld Standardsoftware - Einnahmen aus Softwarelizenzverkäufen und Wartung - stieg der Umsatz leicht um 0,1 Millionen Euro auf 17,6 Millionen Euro (Vorjahr: 17,5) an. Die Umsätze in diesem Bereich resultierten im Wesentlichen aus Erlösen mit den Produktlinien SoftM Suite, Schilling (Rechnungswesen- und Personalsoftware), DKS (Finanzbuchhaltung) und InfoStore (Dokumenten-Management). Die neu ins Portfolio aufgenommene Warenwirtschaft Greenax konnte noch keine nennenswerten Umsatzbeiträge liefern. Im Geschäftsfeld Beratung - dazu gehören Beratungs- und Programmierdienstleistungen zur Einführung und Betreuung der Standardsoftware - blieb der Umsatz mit 21,7 Millionen Euro unter Vorjahresniveau (Vorjahr: 22,9). Es fehlte an einer entsprechenden Anzahl von Neukundenprojekten, um Wachstum in diesem Bereich zu erzielen.

Ausbau von Dienstleistungsangeboten

Das Geschäftsfeld Systemintegration - Produkte und Dienstleistungen rund um die IT-Infrastruktur - wies einen Umsatzanstieg um 3,8 Millionen Euro auf 45,2 Millionen Euro (Vorjahr: 41,4) aus. Starke Nachfrage im vierten Quartal sowie die Tatsache, dass einige für 2007 vorgesehene Aufträge bereits in 2006 ausgeführt wurden, sorgten für diese deutliche Steigerung. Auch der Ausbau der Dienstleistungsangebote im Bereich Systemintegration machte sich bemerkbar.

Ergebnis

Das operative Ergebnis (EBITDA) betrug 4,7 Millionen Euro (Vorjahr: 7,3). Das Konzernergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EBT) belief sich auf 0,1 Millionen Euro (Vorjahr: 2,1). Das Konzernergebnis nach Steuern und Fremdanteilen lag bei 35 000 Euro (Vorjahr: 1.072 Millionen Euro). Das DVFA/SG-Ergebnis beträgt ebenfalls 35 000 Euro (Vorjahr: 1.072 Millionen Euro). Das Konzernergebnis entspricht einem Ergebnis je Aktie von 0,01 Euro (Vorjahr: 0,22) bei 4.884.959 Stück durchschnittlich im Umlauf befindlichen Aktien.

Mitarbeiter

Zum Stichtag 31.12.2006 beschäftigte der SoftM Konzern inklusive Freiberufliche 505 Mitarbeiter (Vorjahr: 469), die Belegschaft hat sich gegenüber dem Vorjahr um 36 Personen erhöht, was auf die Erstkonsolidierung der neu gegründeten SoftM Semiramis GmbH & Co. KG zurückzuführen ist, in der das Entwicklungsteam von Semiramis beschäftigt ist. Im Jahresdurchschnitt 2006 waren 463 Mitarbeiter (Vorjahr: 473) beschäftigt. (fn)