Softlab: Die Cyber-Welt braucht keine Solitärspieler

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Softlab, vor den Toren Münchens ansässig, sucht mobile, teamfähige Hochschulabsolventen. Neben fundierten Technologiekenntnissen sollten sie sich Know-how in Objektorientierung, Web-Technologie oder Data Warehouse zugelegt haben.

"Young Professionals, die möglichst früh eigenständig arbeiten und Verantwortung übernehmen wollen, sind bei uns gut aufgehoben", erklärt Volker Jansen, Personalchef bei der Softlab GmbH. Das Softwarehaus, das seit 1992 eine hundertprozentige Tochter des Autobauers BMW ist, beschäftigt in Zamdorf derzeit 730 Mitarbeiter.

Softlab vor den Toren Münchens
Softlab vor den Toren Münchens

Auch in diesem Jahr soll der Personalstand um rund 200 Kollegen aufgestockt werden. Die Münchner sind mit ihren Software- und Beratungslösungen in Großunternehmen in den Bereichen Banken, Versicherungen, Industrie und Telekommunikation vertreten. Zu den Technologie-Schwerpunkten gehören die Intranet-/ Internet-Welt, Helpdesk- und Call-Center-Lösungen, E-Commerce, Data Warehouse und vieles mehr.

Personalleiter Jansen betont, dass das Unternehmen sich in letzter Zeit weg von der reinen Produktentwicklung hin zum Business-Integrator entwickelt habe: "Unser Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden zu optimieren. Wir suchen Young Professionals, die über einen fundierten Branchen- oder Technologie-Schwerpunkt verfügen und sich dann mit dem Thema ingenieurmäßige Software-Entwicklung auseinandersetzen." Mittelfristig würde dieser Weg in das Beratungsgeschäft führen. Der Softlab-Manager: "Wir machen den jungen Leuten von Anfang an klar, dass die Projekte nicht zu uns kommen, sondern wir zu den Projekten gehen. Dementsprechend ist ein hohes Maß an Mobilität gefragt - und zwar national wie international." Ob die Berater tage- oder wochenweise zu einem Kunden gehen, ob sie als One-Man-Show oder zusammen mit Kollegen in einer Projektgruppe arbeiten, hänge von der kundenspezifischen Situation ab.

Um den Neuen den Anfang zu erleichtern, werden sie in den ersten drei bis vier Monaten von einem Paten begleitet. Er hilft ihnen, die Eigenheiten des Unternehmens kennenzulernen und sich leichter zu integrieren. Damit sich die Einsteiger untereinander kennenlernen und sie auch mit Themen außerhalb ihres Tagesgeschäfts vertraut werden, kommen sie alle zwei Monate von ihren Einsatzorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach München. Dort werden ihnen auch die Visionen des Unternehmens vermittelt. Personal-Manager Jansen: "Wir wollen uns noch stärker als bisher in dem Umfeld System- und Integrationspartner positionieren - und wir wollen deutlich weiter wachsen. Dieses Ziel muss allen Mitarbeitern immer wieder klar vor Augen geführt werden."

Zwar halten die Münchner Softwareexperten von den in Mode gekommenen Leitbildern nicht so viel, haben sich aber ebenfalls darüber Gedanken gemacht, wie man der veränderten Rolle der IT gerecht wird. Das Unternehmen "durchlebt" momentan einen Wandel, der alle Beschäftigten betrifft. Derzeit werden sogenannte Kompetenzprofile erarbeitet, nachdem man feststellte, dass einige Kollegen bestimmte Funktionen erfolgreicher wahrnehmen als andere. Auf dieser Basis sind die Funktionen in dem Kompetenzmodell definiert worden. Darin finden sich die Mitarbeiter laut Jansen besser als bisher wieder. In dem Kompetenzmodell ist der Umgang miteinander ebenso festgelegt wie die Art und Weise, sich beim Kunden zu präsentieren.

Volker Jansen
Volker Jansen

Die Hierarchien bei Softlab kann man als relativ flach bezeichnen. Der Grund dafür sind, so Jansen, die prozessorientierten Abläufe: "Durch die Zergliederung der einzelnen Themen können die Probleme nicht länger nur von einer Person gelöst werden. Die Verantwortung an die jeweiligen Projektmitarbeiter abzugeben, gehört deshalb bei uns zum Tagesgeschäft." Unternehmen mit hierarchischen, starren Strukturen haben seiner Meinung in der Cyber-Welt wenig Chancen. Hier seien vielmehr schnelle Lösungen und eine gut funktionierende IT gefragt. Der Personal-Manager: "Während noch vor zwei Jahren die IT-Themen in den Firmen eine eher nachgeordnete Rolle spielten, erfordern neue Themen wie Intranet und Internet oder Customizing völlig neue Geschäftsprozesse. Der Stellenwert der IT nimmt demzufolge ständig zu."

Dieses Umdenken, das bei den Kunden ebenfalls verstärkt zu erkennen sei, schlage sich auch auf den Arbeitsmarkt nieder. Jungen Leuten mit fundierten Technologie-Kenntnissen stünden alle Türen offen. Noch größer seien ihre Chancen indes, wenn sie zusätzlich über objektorientiertes Know-how, Web- oder Data-Warehouse-Kenntnisse verfügten. Jansen empfiehlt Einsteigern, zunächst einmal zwei Jahre lang zu testen, ob die von ihnen gewählte Richtung die geeignete ist - und sich erst dann zu entscheiden.

Da qualifizierte Kräfte auch künftig händeringend gesucht würden, bräuchten sie sich selbst bei einer Neu-Orientierung keine Sorgen um einen Job zu machen. Sorgen macht Jansen indes, dass das Image der IT-Profis in der Gesellschaft nicht gerade das beste sei: "Es kann doch nicht angehen, dass die absolute Boom-Branche unter Nachwuchssorgen leidet. Die jungen Leute haben ein völlig falsches Bild von den Berufen in der IT- und Cyber-Welt." So wären die meisten von ihnen heute noch davon überzeugt, dass ein Softwareprofi einsam vor sich hin arbeite. Jansen: "Dass der solitäre Programmierer längst der Vergangenheit angehört, dass Eigenverantwortung und Teamfähigkeit zum täglichen Rüstzeug gehören, scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben. Hier sind wir, die künftigen Arbeitgeber, gefordert. Wir müssen in die Schulen hineingehen und das Image der IT-Berufe kräftig aufpolieren."