Soap-Virus

11.11.1988

"Wenn es nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden." Die Rede ist von der ewig neuen Story vom Zauberlehrling, diesmal an der elektronischen Trickkiste Computer (siehe Seite 4). Sie ist so klassisch, so schön, daß das von Wahl- und Werbekampagnen gebeutelte Manipulationsobjekt Leser eher mißtrauisch reagiert. Vielleicht entstammt die runde Geschichte einem Medien-Labor aalglatter Drehbuch-Autoren US-amerikanischer Soap-Operas? Zu wessen Nutzen? Nun, die zweifellos real existierenden Protagonisten des Spektakels, Vater und Sohn Morris, haben ein gerüttelt Maß an Public Relation davon, möglicherweise aber auch den Verlust ihres Jobs beziehungsweise akademischen Grads zu fürchten, wenn es denn mit rechten Dingen zugeht. Oder spielte sich das ganze "Dramolett" im rechtsfreien Raum ab, wo sich der rote Faden der wahren Erkenntnis von Recht und Unrecht im Dunkeln chiffrierter Geheimcodes verliert? Der modellhafte Charakter dieser witzigen und wenn nicht wahren, so doch äußerst intelligent konstruierten Geschichte erlaubt es jedenfalls den amerikanischen Paragraphen-Schneidern, so ziemlich alle Eventualitäten von Computer-Hacking durchzuspielen und sich einen juristisch fundierten Reim darauf zu machen. Der steht nämlich schon lange aus. Das wäre doch ein Nutzen.