SOA überfordert die Service-Provider

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Um vom SOA-Trend zu profitieren, müssten die IT-Dienstleister vor allem Business-Beratung bieten.

Die Service-orientierte Architektur (SOA) ist in aller Munde. Die Systemintegratoren versprechen sich von den höherwertigen Services und Beratungsleistungen, die damit einhergehen, ein Riesengeschäft. Den Marktforschern von IDC zufolge werden die Anwender in diesem Jahr weltweit 8,6 Milliarden Dollar in externe IT-Dienstleistungen für SOA-Projekte investieren. Bis 2010 sollen diese Ausgaben auf 33,8 Milliarden Dollar ansteigen.

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  • welche Services im SOAUmfeld derzeit gefragt sind;

  • warum der Bedarf an externer Beratung so groß ist;

  • welche Skills die IT-Dienstleister dafür benötigen;

  • und inwiefern die klassischen Systemintegratoren hier noch Nachholbedarf haben.

Gute Chancen für IT-Dienstleister

"SOA wird einen enormen Einfluss auf die Geschäftsmodelle der Anwender haben - speziell im Endstadium der Implementierung, wenn es darum geht, sie zum Standard für die Entwicklung von Services und integrierten Systemen zu machen", frohlockt David Nichols, SOA-Experte bei Accenture. Bei solchen Prognosen ist es kaum verwunderlich, dass das Unternehmen in den nächsten drei Jahren rund 450 Millionen Dollar in die Entwicklung von SOA-Produkten und -Services investieren will.

Rüdiger Spies, Experton Group: "Die Systemintegratoren habe zu spät begonnen, die notwendigen SOA-Skills aufzubauen."
Rüdiger Spies, Experton Group: "Die Systemintegratoren habe zu spät begonnen, die notwendigen SOA-Skills aufzubauen."

Accentures Investitionen sind angemessen, zumal der wichtigste Wettbewerber nach Einschätzung von Branchenkennern in diesem Markt die Nase vorn hat: "IBM hat als erster auf SOA reagiert und weiß mittlerweile genau, wie die Architektur funktioniert", meint etwa Rüdiger Spies, Executive Advisor bei der Experton Group. "SOA hat das Thema E-Business ersetzt und bildet das verbindende Element für alle Unternehmensbereiche. Jedes IBM-Angebot enthält heute eine SOA-Message." Zudem habe der Konzern das Thema Architektur immer hardwareseitig betont und sei in alle relevanten Bereiche involviert - etwa Standardisierung und Open Source.

Ein weiteres Erfolgsrezept von IBM sieht Spies in dem Ansatz, die Serviceangebote im SOA-Bereich produktartig zu vermarkten - mit klar abgegrenzten Eigenschaften, ähnlich wie bei einer Versicherung. Damit versuche der Konzern, die im Softwaregeschäft üblichen Renditen auch im Servicebereich zu erzielen. "Solche Ansätze gab es immer wieder, aber IBM hat die Produktorientierung konsequent verfolgt, um die Services besser verkaufen zu können", so Spies.

In Deutschland kommen solche Angebote allerdings noch nicht sonderlich gut an. Der Münchner Beratungfirma PAC (Pierre Audoin Consultants) zufolge entfiel im vergangenen Jahr nur ein Prozent der Umsätze aus dem Systemintegrationsgeschäft auf reine SOA-Vorhaben. 13 Prozent waren Teil- oder Pilotimplementierungen. Ein Grund dafür ist, dass hiesige Firmen bei der Inanspruchnahme externer IT-Services traditionell zurückhaltend sind und lieber auf bewährte Standards zurückgreifen. Innovative Unternehmen, die SOA schon früh getestet haben, sind hierzulande allerdings Mangelware. Dadurch dauert es, bis das Konzept als Basis für die Geschäftsstrategie akzeptiert wird, folgern die Experten.