IDC-Analyst Spies

SOA ist lebendiger denn je!

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Die Kritik am Konzept der Service-orientierten Architektur hält IDC-Analyst Rüdiger Spies für stark übertrieben.

Die Rezession hat SOA den Todesstoß versetzt, schrieb die Analystin Anne Thomas Manes von der Burton Group vor einigen Wochen in einem Blog-Posting. Ihre teilweise vernichtende Kritik löste in der SOA-Szene heftige Diskussionen aus. "Man könnte auf Grund dieser Aussage meinen, dass alle Anstrengungen und Investitionen in das Thema Service-orientierte Architekturen (SOA) umsonst gewesen seien", hält Spies in einem offiziellen IDC-Statement dagegen. "Nichts in Bezug auf SOA ist weiter von der Wahrheit entfernt als diese Aussage!"

Tatsache sei, dass - wie bei jedem großen neuen Trend - einige frühe Experimentatoren nicht jedes Projekt zum Erfolg geführt hätten. Dennoch gebe es viele sehr positive Erfahrungen und positive Beispiele für das Erreichen der Rentabilitätsgrenze in SOA-Vorhaben. Manes behauptet in ihrem SOA-Nachruf das Gegenteil: Statt eines Heilsbringers habe sich SOA in den meisten Organisationen zu einem "großen gescheiterten Projekt" entwickelt, schreibt die amerikanische Expertin. Die mit SOA verbundenen Versprechen seien nicht eingelöst worden. Nachdem Unternehmen Millionen in das Konzept investiert hätten, ständen IT-Systeme nicht besser da als zuvor. In einigen Fällen habe sich die Situation durch höhere Kosten und längere Projektlaufzeiten sogar verschlimmert (siehe auch: Warum SOA-Projekte scheitern).

Spies kann dieser Sicht wenig abgewinnen. Wahr sei, "dass die IT alter Machart zu starr war und nicht schnell genug auf veränderte wirtschaftliche Umgebungen reagieren konnte". Zudem hätten praktisch alle wesentlichen Softwareanbieter ihre Produkte, vom Betriebssystem über Infrastrukturen bis hin zu komplexen betriebswirtschaftlichen Systemen, auf SOA umgestellt. Diejenigen Anwender, die inzwischen gute Erfahrungen mit SOA gemacht und ausreichendes Know-how aufgebaut hätten, könnten in der derzeitigen wirtschaftlichen Krisensituation die Früchte ernten. So profitierten Unternehmen insbesondere vom Zusammenwirken von SOA, Business-Process-Management (BPM) und Web 2.0. Damit ließen sich Geschäftsprozessketten besser und einfacher automatisieren.

Das Konzept der Service Orientierung und Service-orientierte Architekturen hätten die IT nachhaltig verändert, resümiert Spies: "SOA ist lebendiger denn je, auch wenn es nicht mehr in jeder Marketingbotschaft auftaucht."

Mehr zum Thema Service-orientierte Architekturen und Business-Process-Management im CW-Experten-Blog SOA meets BPM.