SOA ermöglicht nahtlosen Bestellprozess

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Dorma-Glas schuf Standardschnittstellen für die Anbindung der Kundensysteme.

Wir wollen sowohl die internen als auch die auf den Kunden gerichteten Prozesse ständig verbessern." So definiert Denis Schmischke, Leiter des Service-Centers IT/Organisation bei Dorma-Glas in Bad Salzuflen, die Marschrichtung. Die Dorma-Gruppe beschäftigt am Hauptsitz Ennepetal sowie an 62 Standorten in 44 Ländern insgesamt 6000 Mitarbeiter. Ein Zwerg gegenüber Weltkonzernen wie der Deutschen Post oder der Credit Suisse, darf sie sich ebenfalls zu den Pionieren der Service-orientierten Architektur (SOA) zählen. Denn in ihrer Division Dorma-Glas hat sie bereits eine lauffähige Anwendung auf Basis von Web-Services entwickelt.

 Mit Hilfe von Web-Services öffnet Dorma-Glas seinen Kunden den Weg zur elektronischen Bestellung.
Mit Hilfe von Web-Services öffnet Dorma-Glas seinen Kunden den Weg zur elektronischen Bestellung.

Dabei machte der Hersteller von Glasbeschlägen aus der Not eine Tugend. Eine Eins-zu-eins-Anbindung via Electronic Data Interchange (EDI) habe sich längst nicht für jeden Kunden gelohnt, beteuert Ralf Döring vom E-Business-Bereich der Dorma Holding. Deshalb seien die Bestellungen meist über das Telefon oder Faxgerät eingegangen. Der Versuch, zumindest auf den Austausch von E-Mails umzusteigen, ist laut Döring "kläglich" gescheitert: Sei der E-Mail-Text nur ein bisschen von den Vorgaben abgewichen, habe die Bestellung nicht funktioniert.

Damit war die Aufgabe gestellt: Schmischkes Team und der E-Business-Bereich der Holding wollten gemeinsam einen durchgängigen Prozess für B-to-B-Bestellungen schaffen, der direkt aus dem Warenwirtschaftssystem des Kunden bis hinein in das SAP-System von Dorma-Glas reichen sollte. Im Rahmen des von Döring geleiteten Projekts waren ein Internet-Shop aufzubauen und die Produktdaten in standardisierter elektronischer Form bereitzustellen.

Für jeden Kunden nutzbar

Der E-Shop wurde so gestaltet, dass auch Betriebe ohne eigenes Warenwirtschaftssystem rund um die Uhr Bestellungen im ERP-System von Dorma platzieren können. Dazu nutzen sie - wie die anderen Kunden auch - den Katalog-Server, auf dem die Daten jedes Dorma-Glas-Artikels im Release 1.2 des "BMEcat"-Formats abgelegt sind. Einmal in der Woche wird er durch einen Batch-Lauf direkt aus dem SAP-System heraus aktualisiert. Vor allem den kleineren Kunden reicht dieser Grad der Automatisierung. Sie füllen die Bestellmaske händisch aus und schicken sie über eine gesicherte Internet-Verbindung an den Dorma-Server.

Doch für Unternehmen, die ein eigenes Warenwirtschaftssystem betreiben, hat diese Lösung einen entscheidenden Nachteil, erläutert Döring: Sie müssen die Bestellungen zweimal anlegen - in ihrem Warenwirtschaftssystem und im Shop. Und die Daten, die der Shop zurücksendet, sind wiederum das Warenwirtschaftssystem zu übernehmen.

Best Practices

  • Das System ist für kleinere Kunden auch konventionell nutzbar.

  • Wo immer möglich, kommen marktgängige Standards zum Einsatz.

  • Durch Softwarepartnerschaften erhalten die Kunden die Schnittstelle mit ihrer Branchensoftware.

  • Dank Open-Source-Software werden Lizenzprobleme umgangen.

So entstand die Idee, mit Hilfe von Web-Services eine Maschine-zu-Maschine-Kommunika- tion aufzubauen. Zunächst entwickelte Dorma eine einheitliche Schnittstelle, die in Form der Web Service Description Language (WSDL) den Kunden und der Softwareindustrie zur Verfügung steht. Als erster Kooperationspartner kam das auf branchenspezifische Komplettlösungen spezialisierte Unternehmen Albat + Wirsam an Bord, mit dem viele Dorma-Kunden aus der glasverarbeitenden Industrie zusammenarbeiten. Diese Anwender erhalten die Schnittstelle zur Dorma-Bestellung jetzt direkt mit ihrer Branchensoftware.