Fünf Tipps zur Social-Media-Nutzung

So starten Startups auf Facebook und Co. durch

12.08.2015
Eva Wagner ist Superhero im Online Marketing Team von OnPage.org, dem Softwareanbieter von Tools für bessere Webseiten. Nach Ihrem Studium der Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften an der Universität Konstanz arbeitete sie bereits zwei Jahre im Online Marketing bei der getmobile GmbH.
Wenn es um Online-Marketing geht, haben Startups zwei Nachteile: Sie sind zu wenig bekannt und ihnen fehlt meistens das nötige Kleingeld, um größere Werbekampagnen zu finanzieren. Mit Hilfe von Social-Media-Marketing können Gründer diesen Nachteilen entgegensteuern.

Social Media gilt nicht mehr als reine "Marketingspielerei", sondern ist ein fester Bestandteil im Online-Marketing-Mix geworden. So gehören Soziale Netzwerke wie Facebook zu den am meisten genutzten Websites der Welt. Ein Blick auf die Nutzerzahlen wird jeden Marketier oder Startup-Gründer beeindrucken. Facebook hatte 2014 schon über 1,2 Milliarden Nutzer. Doch die schiere Masse allein reicht nicht aus für den Erfolg. Marketing-Aktivitäten in Sozialen Netzwerken sollten deshalb nicht auf Bauchentscheidungen beruhen. Nur mit dem nötigen Hintergrundwissen kann Social-Media-Marketing erfolgreich sein. Bei der großen Vielfalt an Netzwerken gilt es zunächst, das zur Zielgruppe passende Social Network zu identifizieren. Die Voraussetzung dafür ist, dass Sie als Startup Ihre Zielgruppe bereits genau kennen.

Um als Start-Up mit Social Media erfolgreich zu sein, ist es unabdingbar, regelmäßig aktiv zu sein und mit den Nutzern zu kommunizieren.
Um als Start-Up mit Social Media erfolgreich zu sein, ist es unabdingbar, regelmäßig aktiv zu sein und mit den Nutzern zu kommunizieren.
Foto: Sarawut Aiemsinsuk-shutterstock.com

1. Die richtige Plattform auswählen

Die Wahl der bestmöglichen Plattform hilft Ihnen dabei, vor allem als Startup, Ihre Energie zu bündeln, ohne dass sie in Aktionen eines Sozialen Netzwerks versickert, das nicht zu Ihrer Zielgruppe passt. Um Ihnen die Wahl des geeigneten Kanals zu erleichtern, folgt hier eine kurze Vorstellung der sechs größten Sozialen Netzwerke.

Facebook: Mit Facebook können Sie theoretisch ein Siebtel der auf der Erde lebenden Menschen mit Ihren Ideen und Postings erreichen. Gerade für Startups ist Reichweite ein wichtiges Ziel, um den Namen und das Angebot so vielen Menschen wie möglich zu präsentieren. Sie haben die Wahl, ob Sie Ihr Publikum mit Texten, Bildern oder Videos erreichen wollen.

Viralität ist der zweite Vorteil von Facebook. So können Startups mit den richtigen Postings und minimalem Aufwand eine maximale Wirkung erzielen. Viralität entsteht dadurch, dass Ihre Beiträge so ansprechend sind, dass sie geteilt werden. Auf diese Weise steigt die Chance, dass Ihre Postings auch auf der Timeline Ihrer Fans angezeigt werden und dort erneut geteilt werden.

Ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Nutzung von Facebook ist das Start-Up jet.com. Durch viel Interaktion auf ihrem Facebook Account macht das Startup auf sich aufmerksam. Unter anderem wird in mehreren Posts der Firmengründer prominent in Szene gesetzt und gibt dem Unternehmen ein Gesicht.

Facebook Timeline von jet.com.
Facebook Timeline von jet.com.
Foto: Facebook/Jet

Twitter: Der Kurznachrichtendienst bietet mit einer Viertel Million monatlich aktiver Nutzer (Stand 2014) zwar eine nicht so hohe Reichweite wie Facebook, hat aber auch einen etwas anderen Charakter. Denn Twitter bietet das optimale Umfeld, um Debatten zu starten oder sich Meinungsmachern anzuschließen. Startups können sich über Twitter schon zu Beginn ins Gespräch bringen oder das Online-Profil in Bereichen stärken, die zum Unternehmen passen. Die Kunst bei Twitter besteht darin, seine Gedanken, Aufforderungen oder Meinungen auf 140 Zeichen zu reduzieren, ohne dass Ihre Follower das Interesse verlieren.

Wie Sie den Kanal Twitter erfolgreich für Ihr Unternehmen nutzen können, zeigt das Mobile-Shopping Startup Wish. Wish sorgt auf Twitter zielführend dafür, dass die Produkte auf der eigenen Plattform Reichweite erzielen und somit Traffic generieren.

Twitter-Auftritt des Mobile-Shopping-Startups Wish.
Twitter-Auftritt des Mobile-Shopping-Startups Wish.
Foto: Twitter/Wish Shopping

XING: Das deutsche Soziale Netzwerk hat mit seinen neun Millionen Mitgliedern auf den ersten Blick zwar deutlich weniger Mitglieder als Facebook oder Twitter, doch es bietet Start-Ups in der DACH-Region eine gute Möglichkeit, um wichtige Geschäftskontakte zu knüpfen und sich ausführlich zu präsentieren. Wenn Sie im B2B-Bereich für Aufmerksamkeit sorgen wollen, können Sie Ihr Profil schärfen, indem Sie Nachrichten an Ihre Geschäftspartner versenden oder Neuigkeiten über Ihr Startup verkünden.

Das Startupaudibene.de zeigt mit seinem XING Profil, wie Sie dieses Netzwerk für Ihr Unternehmen nutzen können. So verknüpft audibene.de geschickt Firmennews, Stellenangebote und themenrelevante Neuigkeiten auf seiner XING-Firmenseite.

Das XING-Profil des Startups audibene.de.
Das XING-Profil des Startups audibene.de.
Foto: XING/Audibene

LinkedIn: LinkedIn ist wie XING ein Soziales Netzwerk für den B2B-Bereich. Es ist international ausgerichtet und mit knapp 300 Millionen Mitgliedern auch deutlich größer als XING. Mit LinkedIn besteht die Möglichkeit, sich als Start-Up einen Expertenstatus in seinem Gebiet zu erarbeiten. Denn andere Mitglieder können Ihre Kenntnisse in den von Ihnen angegebenen Fähigkeiten bestätigen. Zugleich können wichtige Kontakte zu Führungskräften weltweit geknüpft werden, die wiederum weitere Kontakte ermöglichen können.

Wie Sie auf LinkedIn erfolgreiches Social Media Marketing betreiben können, zeigt das Beispiel des Startups Slack. Slack versteht es, Firmennews zu platzieren, auf eigene Webinhalte zu verweisen und Themen zu setzen, über welche auf LinkedIn diskutiert wird. Fast 10.000 Follower der Firmennews können als Beleg für den Erfolg der Strategie gewertet werden.

Erfolgreiches Social Media Marketing des Startups Slack auf LinkedIn.
Erfolgreiches Social Media Marketing des Startups Slack auf LinkedIn.
Foto: LinkedIn/Slack

Pinterest: Mit knapp über 70 Millionen Nutzern kann Pinterest Ihnen als Start-Up die nötige Reichweite bieten. Der Fokus des Sozialen Netzwerks liegt auf dem sogenannten "Pinnen" von Bildern an eine virtuelle Pinnwand. Diese lassen sich in einzelne Sektionen einteilen und auch mit Links zu Ihrer Website versehen. Startups können sich über Pinterest hervorragend präsentieren, zum Beispiel mit ansprechendem Bildmaterial von der Firmeneröffnung, den Firmengründern oder neuen Produkten. Pinterest besteht zu 80 Prozent aus weiblichen Mitgliedern, vermutlich deshalb sind die Themen Mode und DIY auf Pinterest besonders präsent und gefragt.

Die Pinnwände des erfolgreichen Startups Glamsquad zeigen wie's geht: Mehr als 500 Follower schauen sich zahlreiche Frisuren und Styling-Tipps des Startups an, die auf Pinterest gekonnt in Szene gesetzt werden. Die Zahl der Pins im dreistelligen Bereich pro Pinnwand kann das Unternehmen sicherlich als Erfolg seiner Marketing-Strategie verbuchen.

Die Pinnwände des Startups Glamsquad auf Pinterest.
Die Pinnwände des Startups Glamsquad auf Pinterest.
Foto: Pinterest/Glamsquad

Nachdem Sie die passende Plattform für Ihr Start-Up gefunden haben, können Sie sich anschließend mit der Art und Weise beschäftigen, wie Sie Ihre Follower ansprechen möchten.

2. Die richtige Ansprache

Überlegen Sie sich vor dem Start Ihrer Social Media Kampagne, wie Sie Ihre Fans und Follower ansprechen wollen. Denn viele Unternehmen (nicht nur Startups) machen den Fehler, das falsche Register zu verwenden, wenn sie mit ihren Fans kommunizieren. Beispielsweise würden Sie Ihre fashionbegeisterte Zielgruppe zwischen 17 und 25 anders ansprechen als potenzielle Käufer von Luxusimmobilien.

Relevant ist auch, dass Sie Beiträge über Themen posten, die zu Ihrer Community passen. Zugleich ist es wichtig, sich beim Posten nicht nur auf die Inhalte anderer zu berufen, sondern eigene, individuelle Beiträge zu schaffen. Das können zum Beispiel anschauliche Infografiken sein, die komplexe Sachverhalte einfach erklären oder Whitepaper mit praktischen Tipps und Lösungsmöglichkeiten zu Problemstellungen, die für Ihre Nutzer relevant sind. Denn nur so können Sie als Startup auch über die Ansprache Ihr Profil schärfen.

Tipps:

  • Sprechen Sie Ihre Fans persönlich an.

  • Bleiben Sie bei Ihren Posts konstant beim "Sie" oder "Du".

  • Sprechen Sie auch von sich beziehungsweise von Ihrem Startup und lassen Sie die User an Ihren Aktivitäten teilhaben.

  • Bitten Sie Ihre Follower gelegentlich um Feedback.

3. Personal Branding

Startups haben in der Regel das Problem, dass weder die Gründer noch die Firmenidee einem großen Publikum bekannt sind. Gerade an dieser Stelle setzt "Personal Branding" ein. Insbesondere in der Anfangszeit Ihres Unternehmens können Sie stark beeinflussen, wie sich Ihre Reputation im Netz entwickelt. Geben Sie Ihrem noch jungen Unternehmen ein Gesicht und erhöhen Sie mit persönlichen und authentischen Informationen über Ihren Antrieb oder Ihre Ziele die Präsenz in Sozialen Netzwerken.

Tipps:

  • Als Gründer sollten Sie sich Ihren Followern in Text und Bild ausführlich präsentieren.

  • Stellen Sie auch Ihr Team vor.

  • Twitter-Posting des Berliner Startups medigo.com.
    Twitter-Posting des Berliner Startups medigo.com.
    Foto: Twitter/Medigo

    Zeigen Sie Ihren Followern, wie es in Ihrem Unternehmen aussieht. Posten Sie zum Beispiel Bilder von Ihrem Büro, Ihren Produktionsstätten etc.

4. Spannende, der Zielgruppe angepasste Inhalte

Social Media ist in der Regel schnelllebig. Was heute noch zum Hype führte, kann morgen schon Schnee von gestern sein. Deshalb sollten Sie mit Ihren Social-Media-Kanälen immer flexibel bleiben und stets neue, abwechslungsreiche Inhalte veröffentlichen. Aktualität ist dabei ein wichtiges Stichwort. Sorgen Sie deshalb dafür, dass das letzte Posting nicht unbedingt aus dem letzten Jahr stammt. Denn je weniger Sie Ihre Profile aktualisieren, desto geringer wird das Interesse der Follower für Ihr Unternehmen sein. Und als Startup sind Sie in besonderem Maße auf Interesse angewiesen, um Ihre Idee zu verbreiten.

Hinweis: Sie sollten es sich zu eigen machen, immer zügig auf Nutzerkommentare zu reagieren. Mit schnellen Reaktionen können Sie bei Rückfragen oder Feedback von Ihren Followern punkten. Außerdem verringern Sie dadurch die Gefahr, dass die Anzahl Ihrer Fans schrumpft und somit Reichweite und Interaktionen zurückgehen.

Tipps:

  • Variieren Sie bei Ihren Postings und verwenden Sie Inhalte, die Ihre Zielgruppe ansprechen, wie zum Beispiel Statistiken, Infografiken oder Tipps. Wichtig ist dabei, dass das Thema zu Ihrem Start-Up passt.

  • Halten Sie die Reaktionszeiten auf Nutzerkommentare oder Feedback kurz.

  • Beispiel für ein gelungenes Posting und zugleich eine schnelle Reaktion auf eine unerwartete Kritik in den Kommentaren auf der Facebook-Seite von foodist.de.
    Beispiel für ein gelungenes Posting und zugleich eine schnelle Reaktion auf eine unerwartete Kritik in den Kommentaren auf der Facebook-Seite von foodist.de.
    Foto: Facebook/Foodist

    Sorgen Sie für gelegentliche Überraschungen beispielsweise mit Gewinnaktionen, außergewöhnlichen Bildern, Videos oder Gedanken (Neusprech "Mem" in Anlehnung an "Gen").

5. Keine Angst vor negativen Kommentaren

Gerade in Sozialen Netzwerken lassen viele Menschen Ihrer Wut oder Ihrer Geringschätzung freien Lauf. Negatives Feedback kommt auf diese Weise meist ungefiltert an die Öffentlichkeit. Lassen Sie sich aber als Startup nicht von der Angst vor negativen Kommentaren oder Posts lähmen, sondern gehen Sie proaktiv damit um und versuchen Sie der Kritik offen zu begegnen. Betrachten Sie Kritik auch immer als Chance, Ihr Angebot zu verbessern oder zumindest als Möglichkeit, Ihr Customer Relationship Management oder das Krisenmanagement zu optimieren.

Tipps:

  • Versuchen Sie zügig aber überlegt auf negative Kommentare zu reagieren.

  • Bleiben Sie in Diskussionen auf der Sachebene und zeigen Sie Ihren Followern, dass Sie sie respektieren.

  • Machen Sie Ihren persönlichen Standpunkt deutlich, ohne die Kritiker anzugreifen.

  • Definieren Sie Handlungsempfehlungen für Ihr Social-Media-Team für Krisenfälle. Als Startup beziehungsweise Anfänger im Social-Media-Bereich ist es wichtig, sich an klaren Leitlinien orientieren zu können.

Bonus Tipp: Mit Monitoring zum Erfolg

Für Startups ist es wichtig, Erfahrungen zu sammeln, um sich kontinuierlich zu verbessern. Gerade Online-Aktivitäten bieten den Vorteil, dass Sie diese mit Hilfe von Webanalyse-Tools sehr gut auswerten können. Analysieren Sie Ihre Posts auf Facebook, Twitter und Co. regelmäßig. Nur so finden Sie langfristig heraus, welche Themen Ihre Follower oder Fans bevorzugen. Sie werden durch die Analyse auch feststellen, wann die ideale Zeit für Postings ist. Auf diese Weise erzielen Sie mit Ihren Social-Media-Aktivitäten am meisten Durchschlagskraft.

  • Werten Sie Ihre Aktivitäten auf Ihren Social-Media-Accounts wöchentlich aus. Bei einer hohen Frequenz an Postings kann eine häufigere Auswertung ebenfalls sinnvoll sein.

  • Suchen Sie nach Triggern für besonders erfolgreiche Aktionen oder auch misslungenen Aktionen. Wenn Sie Muster erkennen, lassen sich zukünftige Fehler eher vermeiden.

  • Analysieren Sie regelmäßig, welchen Einfluss Ihr Social-Media-Marketing auf Ihre Website hat. Erfolge wie Conversions oder erhöhter Traffic sind leicht mit Webanalyse-Tools wie den kostenlosen Google Analytics messbar.

Fazit

Social-Media-Marketing ist keine Zauberei, sondern gerade für Startups ein wichtiger Baustein, um die eigene Reputation und Reichweite aufzubauen. Die Basis für alle erfolgreichen Aktivitäten in Sozialen Netzwerken ist Zeit. Deshalb sollten Sie als Start-Up immer ausreichend personelle Ressourcen für Social Media einplanen. Wenn Sie dann das geeignete Netzwerk mit Inhalten bespielen, die zu Ihrer Zielgruppe passen, sollte Ihrem Erfolg im Social Web nichts mehr im Wege stehen. (kf)