Selbstbewusst, erfolgreich, zufrieden

So sehen sich IT-Freiberufler

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Sie haben sich nach Krisen oder Insolvenz selbständig gemacht, heute sind IT-Freiberufler mit Jobsituation und Verdienst zufrieden. Flexibilität ist für sie keine Belastung, so eine Studie der Fernuni Hagen..
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Geschätzte zwei Millionen Freiberufler arbeiten in Deutschland für wechselnde Auftraggeber, Tendenz steigend. Wie kommen sie mit der unsicheren beruflichen Situation zurecht? Wie gehen sie mit den Belastungen um? Was motiviert sie? Über "Solo-Selbständige im Spannungsfeld von Flexibilisierung und Stabilisierung" forscht das Lehrgebiet "Psychologie des Erwachsenenalters" an der Fernuniversität in Hagen. Im Zentrum der Untersuchung stehen Freiberufler in Medien und IT.

Bislang haben die Forscher um Professorin Ingrid Josephs und Andrea Kettenbach herausgefunden, dass IT-Freiberufler dem Typ der "unaufgeregt Rationalen" entsprechen: Häufig haben sie aus "der Not eine Tugend" gemacht und sind so aus verschiedenen Gründen (Krisen, Mobbing, Insolvenz) zu ihrer freiberuflichen Tätigkeit gekommen. Sie sind es gewohnt, dass ihre Tätigkeit nach außen nur schwer erkennbar ist, was ihnen jedoch egal ist. Sie verfolgen unternehmerische Ziele wie die Erweiterung des Kundenkreises, sind mit ihrem Einkommen sehr zufrieden und empfinden die Flexibilitätsanforderungen eher als Herausforderung denn als Belastung. Die Akquirierung von Aufträgen erfolgt mehrheitlich über Vermittler, wobei ihnen die Akquise selbst leicht fällt. Sie schätzen die Relevanz der Selbstvermarktung als hoch ein.

Mit dem Klischee des einsamen Freelancers haben sie nichts gemeinsam. Sie identifizieren sich häufig mit der Organisation, für die sie arbeiten, und sehen die Mitarbeiter als Kollegen an. Großen Wert legen sie auf soziale Kompetenzen. Unter den untersuchten Gruppen trennen IT-Freiberufler am deutlichsten zwischen Berufs- und Privatleben.

IT-Profis mit gesundem Selbstbewusstsein

Zwei weitere Online-Umfragen unter 103 beziehungsweise 290 Berufstätigen zeigten die Unterschiede zwischen Freiberuflern und Angestellten auf. Freiberufler motiviert die Möglichkeit, sich die eigene Zeit einteilen und sich die Aufträge selbst aussuchen zu können. Festangestellte schätzen Berufserfolg und Zufriedenheit dann hoch ein, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre fachlichen Stärken im Unternehmen zum Einsatz kommen. Im Vergleich zu Angestellten schätzen sich Freelancer als zufriedener, offener für neue Erfahrungen, leistungsmotivierter und selbstbestimmter ein. Bei Problemen suchen sie weniger soziale Unterstützung als Festangestellte.

Die Untersuchung zeigte aber auch, dass IT-Profis, unabhängig von ihrem Beschäftigungsverhältnis, ein gesundes Selbstbewusstein besitzen. Sie sind subjektiv erfolgreicher, leistungsmotivierter und gleichzeitig weniger offen für neue Erfahrungen als Angehörige der Medienbranche. Mehr Informationen zur Studie gibt es unter www.flink-projekt.de.