SDN-Tipps für die Praxis

So rüsten Sie sich für die SDN-Implementierung

Bernd Reder ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Netzwerke, IT und Telekommunikation in München.
Die amerikanische IT-Consulting-Firma The First Tracks hat für Unternehmen und Organisationen, die Software Defined Networking implementieren möchten, eine Reihe von Tipps erarbeitet.

Die Consultants von The First Tracks kommen nach der Analyse der SDN-Technik zu folgenden fünf grundlegenden Erwägungen:

Die Berater von The First Tracks habe einige Tipps zur SDN-Vorbereitung zusammengetragen.
Die Berater von The First Tracks habe einige Tipps zur SDN-Vorbereitung zusammengetragen.
Foto: Telekom

1. Die Konsistenz der Netzwerk-Software prüfen:

Selbst in Netzen, die ausschließlich auf Produkten eines Herstellers, etwa Switches und Routern von Cisco, Juniper oder Brocade, basiert, sind oft Dutzende unterschiedlicher Software-Versionen zu finden, etwa von Ciscos Systemsoftware IOS. Solange das Netz funktioniert, sind Lässlichkeiten akzeptabel. In SDN-Infrastrukturen muss dagegen penibel darauf geachtet werden, dass ein solcher Wildwuchs nicht stattfindet. Dies erfordert in vielen Unternehmen eine Umstellung der Praktiken in den Bereichen Support und Systemwartung.

2. Analyse der Netzwerk-Hardware und IT-Services:

Vor der Implementierung einer SDN-(Test-)Infrastruktur muss klar sein, dass die Netzwerkkomponenten in der entsprechenden Niederlassung beziehungsweise dem avisierten Netzwerksegment SDN unterstützen, insbesondere das OpenFlow-Protokoll oder Alternativen.

3. Bestandsaufnahme von Netzwerkmanagement und -Analyse:

Die IT-Abteilung muss prüfen, ob sie tatsächlich die relevanten Netzwerk-Kennwerte erfasst, etwa Antwortzeiten und Nutzung der Bandbreite. Zudem sollte ein Policy-basiertes Netzwerk- und Anwendungsmanagement etabliert sein. Diese Faktoren spielen in einer SDN-Infrastruktur eine zentrale Rolle. Der Grund: Der Fokus verschiebt sich vom Betrieb des Netzes hin zur Bereitstellung von Anwendungen mit höchst unterschiedlichen Anforderungen an dieses Netz. Netzwerkmanager müssen daher exakt wissen, welche Anforderungen in Bezug auf die Quality of Service eine Applikation hat, die über die SDN-Infrastruktur bereitgestellt werden soll.

4. Verknüpfung zwischen Netzwerk- und Computing-Umgebung berücksichtigen:

Eine Herausforderungen im Zusammenhang mit SDN besteht darin, dass die Grenzen - und organisatorischen Zuständigkeiten - zwischen Netzwerk auf der einen Seite und Servern und Anwendungen auf der anderen verschwimmen. Gefördert wird dies durch Technologien wie Netzwerk-, Storage-, Server- und Anwendungsvirtualisierung.

Ansätze wie NSX von Vmware/Nicira etablieren beispielsweise eine Abstraktionsebene zwischen Netzwerk- und Computing-Umgebung. Über diese Ebene lassen sich beide Bereiche steuern und IT-Services bereitstellen. Das erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Netzwerk-, Storage-, Virtualisierungs- und Anwendungsfachleuten in der IT-Abteilung, zudem die Einbindung der Anwendungsentwickler.

5. Prüfung der Beziehungen zu den Systemlieferanten:

Derzeit gibt nach Angaben von Marktforschungsfirmen wie IDC, Gartner und ESG mehr als 220 Anbieter von SDN-Komponenten oder entsprechenden Komplettlösungen. Das bedeutet für potenzielle SDN-Nutzer, dass sie prüfen müssen, ob ihre bislang bevorzugten Lieferanten adäquate SDN-Produkte anbieten und ob sie weiterhin auf diese Anbieter setzen wollen.

Anwender, die sich bislang auf nur einen Systemlieferanten verlassen haben, erhalten durch SDN die Möglichkeit, eine Multi-Vendor-Strategie umzusetzen und damit die Abhängigkeit von besagtem Anbieter zu verringern. Firmen, die bereits über mehrere Systemlieferanten verfügen, sollten kritisch prüfen, ob es Sinn macht, zusätzliche Anbieter zu berücksichtigen. (mhr)