Den Mac aufräumen

So passt alles auf die SSD

Stephan Wiesend schreibt für die Computerwoche als Experte zu den Themen Mac-OS, iOS, Software und Praxis. Nach Studium, Volontariat und Redakteursstelle bei dem Magazin Macwelt arbeitet er seit 2003 als freier Autor in München. Er schreibt regelmäßig für die Magazine Macwelt, iPhonewelt und iPadwelt.
Beim Umstieg auf ein neues Macbook Pro Retina oder Macbook Air muss man plötzlich mit einer kleinen SSD zurechtkommen. Mit diesen Tipps ist das kein Problem

SSDs sind teuer, insbesondere bei Macbooks. So ist ein Macbook Air mit 512 GB Speicher ganze 300 Euro teurer als mit 256 GB. Da überlegt sich manch Umsteiger, ob er nicht mit der kleineren Version des Massenspeichers auskäme. Allerdings kann schon manche über die Jahre gewachsene iTunes-Mediathek über 100 GB groß sein! Da bleiben nur zwei Möglichkeiten: Auslagern oder Aussortieren. Damit die Schlankheitskur schnell und problemlos abläuft, stellen wir einige Techniken und Tipps vor – damit Sie die wesentlichen Daten auf SSD bekommen.

Den Mac aufräumen - So passt alles auf die SSD
Den Mac aufräumen - So passt alles auf die SSD

Schritt 1: Analysieren

Im ersten Schritt sollte man prüfen, welche Art von Dateien auf der Festplatte am meisten Platz beansprucht. Für diese Analyse eignet sich Apples Dienstprogramm Systeminformationen. Unter dem Reiter „Festplatten“ erstellt das System-Tool eine nach Dateitypen aufgeschlüsselte Übersichtsgrafik – gesammelt und ständig aktualisiert werden diese Informationen von Spotlight. In unserem Beispielbild oben sieht man, dass Filme und Fotos mit 137 GB und 179 GB sehr viel Festplattenplatz belegen.

Checkliste Platzfresser

Große Dateien sammeln sich gerne an bestimmten Stellen. Daher sollten Sie beim Aufräumen zuerst diese „Verdächtigen“ überprüfen:

Downloads Safari und andere Programme speichern heruntergeladene Dateien im Download-Ordner. Hier sammeln sich oft vergessene Installationsdateien und Dateien an.

GarageBand Oft ist Garageband installiert, wird aber nicht benutzt. Vor allem ältere Versionen von Garageband nutzen sehr viele Loop-Dateien, die mehrere GB an Speicherplatz belegen. Ältere Versionen speichern diese Daten im Ordner /Library/Application Support/GarageBand, neuere unter /Library/Audio

iTunes 1 Podcasts speichert iTunes automatisch, vor allem Video-Podcasts belegen oft viel Speicher.

iTunes 2 Regelmäßige Backups sind wichtig, Sicherungsdaten alter Geräte können Sie aber löschen. iTunes behält nämlich nach einem Gerätewechsel die Backup-Daten des Vormodells. Die Liste der Backups finden sie in den „Einstellungen“ von iTunes unter „Geräte“

iMovie iMovie erstellt bei jedem Projekt umfangreiche Projektdateien. So muss iMovie beim Import von AVCHD-Videos eines Camcorders das Videoformat erst in ein Zwischenformat umwandeln, was riesige Dateien erzeugt. Die Projektdateien findet man im Ordner Videos, man sollte sie aber aus iMovie heraus löschen.

iPhotoSynchronisiert man Fotos mit iPhone und iPad sammelt iPhoto alle Mini-Versionen im Ordner iPod Photo Cache. Um diesen Ordner zu löschen, muss man per Kontextmenü die iPhoto-Mediathek öffnen. Mit dem Befehl „Paketinhalt zeigen“ öffnet man die Medienbibliothek und kann nun den Cache-Ordner löschen.

Xcode So mancher hat die Developer Tools installiert, ohne Xcode je zu nutzen – sie belegen also unnötig Platz. Um ältere Versionen zu deinstallieren, sollte man das Skript „uninstall devtools“ im Library-Ordner des Developer-Ordners nutzen.

Mit dem Auslagern von Videos kann man folglich viel kostbaren Platz sparen, die iPhoto-Bibliotheken sollte man sich ebenfalls genauer ansehen. Weitere Aufräumarbeiten kann man sich dann womöglich sparen. Damit Videos und Fotos nach dem Ausmisten nicht sofort wieder Platzfresser werden, sollte man seinen Umgang damit überdenken. Besteht der größte „Brocken“ aus Musikdateien, kümmert man sich dagegen vorrangig um seine iTunes-Musiksammlung und lagert sie beispielsweise auf eine Speicherkarte aus.

Viel Platz beanspruchen in unserem Fall auch Apps, nicht mehr benötige sollte man daher löschen. Kompliziert wird das Ausmisten, wenn der meiste Speicherplatz durch „Sonstiges“ belegt ist. Hier sind nämlich alle anderen Dateitypen aufgeführt wie Office-Dateien, PDFs oder E-Mails.

Schritt 2: Ausmisten

Um Platzfresser aufzuspüren, die sich in längt vergessenen Unterordnern verstecken, ist neben dem Dienstprogramm von Apple ein Tool wie Supa View hilfreich. Die Freeware erstellt eine Grafik der Festplattenbelegung: Jedes Kästchen steht für eine Datei, je größer die Datei, desto größer das Kästchen. Wählt man beispielhalber den Ordner Dokumente aus, hat man nach kurzer Analyse sämtliche Dateien im Blick, die viel Platz verbrauchen – in unserem Fall ein altes DVD-Image. Es gibt mehrere Tools dieser Art, ähnlich funktioniert das Programm Grand Perspective, das eine optisch beeindruckende aber weniger gut sortierte Grafik erstellt.

Statt mit einem Spezial-Tool wie Supa View kann man große Dateien auch gezielt mit dem Finder suchen. Ein Suchfenster ist schließlich in das Finder-Fenster integriert. Für das Aufspüren großer Videos gibt man im Suchfenster „Film“ ein. Dabei blendet sich ein Ausklappfenster mit Suchvorschlägen ein, das anbietet, nach der Dateiart „Film“ zu suchen. Nach kurzer Suche listet der Finder alle Videos auf der Festplatte auf, die sich nach Dateigröße listen lassen. Jetzt fällt das Aufräumen leicht. Beim Aufspüren großer Dateien lohnt sich auch eine gezielte Suche nach der Dateiart „Image“, die man mit einer gleichlautenden Suchanfrage startet.

Für das Auffinden großer Ordner, etwa beim Durchsuchen des Dokumente-Ordners, kann man die Sortierfunktion des Finders nutzen. Vorher muss man sich aber darum kümmern, dass die Größe von Ordnern im Finder angezeigt wird. Dazu aktiviert man im jeweiligen Ordner die Listenansicht, öffnet über „Darstellung > Darstellungsoptionen einblenden“ das Optionsfenster und aktiviert die Option „Alle Größen berechnen“. Ist diese Einstellung getroffen, berechnet der Finder die Größe jedes Ordners und listet die Ordner sortiert dar – das kann aber ein paar Sekunden dauern. Ungewöhnlich große Ordner fallen so schnell auf. Diese Darstellungsoption sollte man jedoch später wieder deaktivieren, da die Berechnungen den Finder stark ausbremsen.

Aufräum-Mythen entlarvt

Es gibt unzählige Tipps für das Aufräumen und Löschen unnötiger Dateien. Einige davon sind reine Zeitverschwendung, manche sogar gefährlich. Hier die am weitesten verbreiteten Aufräum-Mythen

Mythos 1: Cache-Dateien

Cache-Dateien von Programmen und dem System belegen oft einige GB an Festplattenplatz. Viele Optimierungs-Tools bieten deshalb das Löschen dieser Cache-Dateien. Abgesehen von einem kurzen Erfolgserlebnis bringt das in der Praxis aber nichts, da diese Zwischenspeicher bald neu angelegt werden. Sinn macht das Löschen eher beim Beheben von Systemproblemen.

Mythos 2: Sprachdateien

Der Tipp, ungenutzte Sprachdateien von Programmen zu löschen, ist effektiv, aber problematisch. Viele Programme besitzen Sprachdateien, die man nicht benötigt, deren Löschen aber die Software schädigt. So kann zum Beispiel Xcode nach dieser Optimierung nicht mehr starten, ebenso manche Adobe-Programme.

Mythos 3: Logs und Protokolldateien

Jede Systemaktion wird in Protokolldateien gespeichert, normalerweise kosten diese Textdateien nur wenig MB Platz. Nur bei einem über viele Jahre genutzten System kann es für Profis Sinn machen, die Größe der Logs zu überprüfen, in Einzelfällen kann ein fehlerhaftes Programm nämlich System-Log-Dateien von mehreren GB Größe erzeugen.

Mythos 4: Voreinstellungsdateien

Installiert man ein Programm, legt es meist einige Voreinstellungsdateien im Library-Ordner an. Löscht man das Programm, bleiben diese Dateien oft zurück. Diese kleinen Textdateien aufzuspüren und zu löschen, ist meist Zeitverschwendung. Sie verlangsamen weder das System, noch nehmen sie viel Platz weg. Ein Sonderfall sind Programme, die im Library-Ordner Updates oder Unterstützungsdateien ablegen. So finden wir etwa im Library-Ordner unseres Programms Parallels eine alte 334 MB große Update-Datei. Allerdings ist der Library-Ordner nicht ohne Grund unsichtbar, unerfahrene Anwender sollten besser die Finger davon lassen.

Mythos 5: Duplikate aufspüren

Eigentlich ist die Idee nicht falsch, Doppler aufzuspüren und zu löschen. Oft liegen Dateien mehrfach auf der Festplatte, etwa eine wichtige Excel-Datei, die man einige Male bearbeitet hatte. Mit Spezial-Tools wie Tidy Up kann man diese Duplikate aufspüren und bereinigen. Allerdings steht der Zeitaufwand der mühseligen Suche nach verzichtbaren Dateien oft in keinem Verhältnis zum Nutzen.