Mit zwei Geschwindigkeiten in die Cloud

So machen Sie Rechenzentren fit für die Hybrid Cloud

Jürgen Mauerer betreibt als freier Journalist ein Redaktionsbüro in München.
An der Cloud kommt künftig kein Unternehmen mehr vorbei. Doch wie werden die interne IT-Infrastruktur und IT-Prozesse fit für die Hybrid-Cloud? Müssen Firmen aufwändig Cloud-Ready werden, oder geht der Weg auch einfacher? Wir haben die Antworten.

Die IT-Abteilungen von Unternehmen stehen unter hohem Druck. Sie sollen Kosten senken, gleichzeitig aber agil und schnell neue digitale Angebote entwickeln. Doch manchmal verlieren Fachabteilungen die Geduld, wenn das IT-Team ihre Projektanfragen zu langsam umsetzt - und bestellen einen entsprechenden Service aus der Cloud. "Unsere Analysen zeigen, dass die Nutzung der Public Cloud in Unternehmen derzeit geradezu explodiert. Ein Teil dieser Cloud-Anwendungen existiert als Schatten-IT ohne Wissen und Kontrolle durch die IT-Abteilung", erklärt Tobias Regenfuß, Managing Director Infrastructure Services bei Accenture. Damit sind sie allerdings weder technisch noch strategisch in das IT-Service-Management des Unternehmens integriert.

Für diese Anwendungen gelten keine Service Level Agreements (SLAs), die IT-Abteilung leistet keinen Support, Helpdesk oder Daten-Backup, da sie ja nichts davon weiß. Sie unterlaufen auch die IT-Governance, sprich die zentrale und effektive Steuerung der IT im Unternehmen etwa über einheitliche Richtlinien und Standards. "Die IT-Abteilung muss daher ein Governance-Modell liefern, über das Cloud-Dienste sicher und kontrolliert beschafft und genutzt werden können. Damit verhindert sie Schatten-IT", so Tobias Regenfuß weiter.

Neues Selbstverständnis: IT als Broker von IT-Services

Er empfiehlt IT-Leitern, stärker auf Cloud-Services zu setzen, um die Anfragen aus den Fachabteilungen unkompliziert und schnell umzusetzen. Accenture selbst habe mittlerweile bereits mehr als 50 Prozent seiner bestehenden Anwendungen auf Public Cloud umgestellt. "Für alle neuen Anwendungen und Dienste gilt in unserem Unternehmen eine "Public Cloud First"-Strategie", erklärt Regenfuß. "Diese Services sind sehr sicher, da die Cloud-Provider aktuellste Sicherheitstechnologie einsetzen und IT-Sicherheit zu ihrem Kerngeschäft gehört. In ihren eigenen Rechenzentren können Unternehmen einen derart hohen Security-Standard hingegen nicht zu vertretbaren Kosten herstellen."

Matthias Pfützner, Solution Architect Cloud bei Red Hat: "Zur Vorbereitung auf die Cloud sollten Unternehmen IT-Prozesse automatisieren und orchestrieren sowie einen Service Katalog erstellen. Dieser stellt in einem Leistungsverzeichnis alle IT-Services dar, die ein Unternehmen seinen Mitarbeitern oder Kunden anbietet. Zudem gilt es, die Architektur der Anwendungen so anzupassen, dass man sie über die Public Cloud bei Bedarf skalieren kann."
Matthias Pfützner, Solution Architect Cloud bei Red Hat: "Zur Vorbereitung auf die Cloud sollten Unternehmen IT-Prozesse automatisieren und orchestrieren sowie einen Service Katalog erstellen. Dieser stellt in einem Leistungsverzeichnis alle IT-Services dar, die ein Unternehmen seinen Mitarbeitern oder Kunden anbietet. Zudem gilt es, die Architektur der Anwendungen so anzupassen, dass man sie über die Public Cloud bei Bedarf skalieren kann."
Foto: Red Hat
Software Defined Infrastructure in Deutschland 2016

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Software Defined Infrastructure (SDI) hilft Ihnen IT-Ressourcen kosteneffizienter und flexibler zu nutzen.
Weitere Vorteile und eine Roadmap zur SDI laut IDC erfahren Sie in dieser Studie.

Als erste Voraussetzung für Cloud-Readiness fordert er einen kulturellen Wandel in den Köpfen der IT-Teams. "Die IT-Abteilung benötigt ein neues Selbstverständnis als Broker von IT-Services, die mehr und mehr aus der Cloud bezogen werden, wobei Disziplinen wie Sourcing, Security-Management und Financial Management neu aufgestellt werden müssen." Bei letzterem geht es darum, die Kosten für die Cloud-Services sauber zu erfassen und richtig zuzuordnen, da die Rechnungen der Cloud-Anbieter häufig sehr umfangreich und granular sind. Ansonsten droht die Gefahr, dass Unternehmen die möglichen Kostenvorteile der Cloud durch die Hintertür wieder verlieren.

Matthias Pfützner, Solution Architect Cloud bei Red Hat, bringt einen weiteren Aspekt zur menschlichen Seite der IT-Abteilung ins Spiel: "Im Rahmen der Cloud erfolgen viele Schritte wie etwa die Zuweisung von IP-Adressen für neue Geräte automatisiert. Vorher wurden die Adressen per Excel-Liste manuell verwaltet. Hier geht es um Befindlichkeiten, da ein IT-Mitarbeiter die Hoheit über die IP-Adressen verliert und möglicherweise Angst hat, durch die Cloud überflüssig zu werden. Diese Bedenken gilt es zu zerstreuen, damit alle mitziehen."