Public Beta auf alten Rechnern installieren

So läuft macOS Sierra auf nicht unterstützten Macs

Stephan Wiesend schreibt für die Computerwoche als Experte zu den Themen Mac-OS, iOS, Software und Praxis. Nach Studium, Volontariat und Redakteursstelle bei dem Magazin Macwelt arbeitet er seit 2003 als freier Autor in München. Er schreibt regelmäßig für die Magazine Macwelt, iPhonewelt und iPadwelt.
Die Hardwareanforderungen für macOS Sierra sind hoch, mit dem macOS Sierra Patcher gibt es aber einen Ausweg für Profis.
Sierra kann auch auf einigen älteren Macs installiert werden.
Sierra kann auch auf einigen älteren Macs installiert werden.

Für viele Besitzer eines älteren Macs sind die Systemanforderungen von macOS Sierra ein Ärgernis. Ein nicht mehr unterstütztes Macbook Pro von 2009 oder ein Mac Pro von 2009 sind schließlich mehr als alltagstauglich - vor allem wenn man gerade eine teure SSD eingebaut hat. Hier bietet der macOS Sierra Patcher von dosdude1 einen Ausweg: Das unscheinbare Tool erstellt mit Hilfe des Sierra-Installers ein Bootmedium mit besonderen Funktionen und bringt so Apples neuestes System auch auf ältere Macs. Aktuell funktioniert das Tool nur mit den Beta-Versionen , sollte aber auch die Final-Version auf alte Macs bringen können.

Unterstützt werden:

Mac Pro, iMac und Macbook Pro ab Anfang 2008

Macbook Air und Macbook Unibody ab Ende 2008

Mac Mini und weißes Macbook ab Anfang 2009

Sierra auf alten Macs installieren: Nur für Profis

Das Tool erstellt aus dem Sierra-Installer ein Boot-Medium.
Das Tool erstellt aus dem Sierra-Installer ein Boot-Medium.

Versucht man, macOS Sierra auf einem alten Mac zu installieren, verweigert das Installationsprogramm. Mit dem Tool macOS Sierra Patcher kann man jedoch ein Installationsmedium erstellen, das diese Sperre beseitigt und macOS auf Macs von 2008 und 2009 bringt. Die Bedienung der App ist einfach: Zunächst wählt man den aus dem Store geladenen Sierra-Installer und einen frisch formatierten USB-Stick oder eine Festplatte aus. Aktuell werden nur die Beta-Versionen unterstützt, etwa die per App Store verfügbaren Public Betas.

Das Tool erstellt anhand der Installationsdatei nun ein spezielles Startmedium. Über dieses kann man nun seinen Mac booten und das heruntergeladene System doch installieren.

Wir empfehlen als Boot-Medium einen über 8 GB großen USB-Stick. Festplatten werden zwar ebenfalls unterstützt, in der Praxis hatten wir aber einige Probleme beim Booten von USB-Festplatten.

Nach der Installation ist das Patchen des Systems erforderlich
Nach der Installation ist das Patchen des Systems erforderlich
Foto: dosdude

Halten Sie dazu beim nächsten Starten ihres Macs die Wahltaste gedrückt, Sie können das Medium dann in einer Liste der startfähigen Volumes auswählen.Die Installation des Systems ist nun problemlos möglich. Was aber manche irritieren wird: Direkt nach der Installation ist das System noch nicht startfähig und kann nicht in das neue macOS Sierra boten. Nach der Installation muss man ein zweites Mal über das gerade erstellte Medium starten und das frisch installierte System "patchen". Diese vom Programmierer ergänzte Funktion findet man über die Menüleistenfunktion Utilities. Hier wählt man den Eintrag "macOS Post install". Die Oberfläche dieses Tools bietet eine Reihe an Optionen, die man per Ankreuzen aktiviert oder deaktivert. Das Tool wählt aber die passenden Voreinstellungen bereits automatisch aus, man muss hier nichts einstellen. Das eigene Mac-Modell kann man aus einer Liste auswählen.

Der Hintergrund: Das Tool muss die so genannten Plattformüberprüfung deaktivieren und für Unterstützung von HDMI-Audio-Support und USB-Geräten sorgen.

Was leider bei einigen Modellen nicht mehr funktioniert ist WLAN - offensichtlich unterstützt Sierra ältere WLAN-Karten nicht mehr. So erkennt das System nach der Installation von Sierra die Airport-Karte unseres Mac Mini nicht mehr. Hat man seinen Mac per Ethernet angeschlossen, ist dies natürlich kein Problem. Kein Wi-Fi gibt es laut Nutzerberichten bei den Macbook Air von 2008 und 2009, Macbook Pro Anfang und Mitte 2008, sowie Mac Pro und iMac von 2008.

An der Performance von macOS Sierra hatten wir bei einer ersten Nutzung nichts auszusetzen. Ein Mac sollte aber mit mindestens 4 GB RAM ausgestattet sein, eine SSD ist empfehlenswert. Verzichten muss man außerdem auf eine Vielzahl an neuen Funktionen wie Continuity. Auf die Aktivierung ressourcen-fressender Funktionen wie das Verlagern von Schreibtisch und Dokumente-Ordner in iCloud sollte man bei einem alten Mac außerdem besser verzichten.

Aktuell ist die Software auf Beta-Versionen von Sierra zugeschnitten, eine für die Finalversion taugliche Version des Tools sollte aber rechtzeitig verfügbar sein.

Ärger mit Updates

Ein zweiter Patcher sorgt für Updates
Ein zweiter Patcher sorgt für Updates

Die Installation ist aber nicht das einzige Problem, man sollte sein System schließlich schon aus Sicherheitsgründen regelmäßig aktualisieren. Für Updates ist der alte Mac aber nicht berechtigt, der App Store stellt keine Updates bereit. Dies muss man mit einem zweiten Tool beheben, dem macOS Sierra Software Update Patch. Die Software funktioniert so ähnlich wie der Patcher: Man wählt das aktuell genutzte System aus einer Liste aus und klickt auf "Patch Update". Nach dieser Aktion sollten Systemupdates über den App Store verfügbar sein. Tipp: Ist der Mac nach einem Systemupdate nicht mehr startfähig, muss man erneut von dem per Patcher erstellten Bootmedium starten. Hier muss man wieder die Funktion "macOS Post install" aufrufen und sein neues System erneut patchen. Leider bleibt man auch bei kommenden Updates auf das Tool angewiesen, das laufend aktualisiert werden muss. Aktuelle Informationen zu dem Tool findet man im Forum der Seite Macrumors, hier beantwortet Entwickler des Tools außerdem eine Vielzahl an Fragen.

Die Treiber dieses Adapters verhinderten den Start unseres Macs.
Die Treiber dieses Adapters verhinderten den Start unseres Macs.
Foto: Edimax

Achtung : Vorsichtig sollte man bei der Suche nach einer alternativen WLAN-Karte sein: So gibt es von Edimax einige mit OS X kompatible USB-Adapter wie den EW-7822UAC. Nachdem wir dessen Treiber für OS X 10.11 auf unserem gepatchten Mac installiert hatten, war dieser nicht mehr bootfähig. Er startete erst wieder, nachdem wir manuell die beiden installierten Kernel-Erweiterungen entfernt hatten.

Fazit

Nach einigen ersten Erfahrungen stellt sich die Frage: Wem kann man den Sierra Patcher empfehlen? Die Installation ist offensichtlich noch das geringste Problem. Die Probleme mit WLAN sind aber wohl für die meisten Anwender bereits ein Ausschlusskriterium. Noch schwerer wiegen aber potentielle Probleme mit Systemupdates. Probleme nach einem Systemupdate lassen sich nicht ausschließen und die meisten Anwender wären hier schnell überfordert. Nicht zuletzt ist man auf die permanente Aktualisierung des Tools angewiesen. Will aber ein erfahrener Anwender einen alten Zweitrechner aufwerten, ist der Patcher eine interessante Lösung. Nüchtern betrachtet ist aber die Nutzung von El Capitan auf alten Macs die vernünftigere Entscheidung, wird dieses System doch die nächsten Jahre mit Updates versorgt. (Macwelt)