Neue Tipps zur ERP-Auswahl

So kommen Sie auf den ERP-Trichter

Karsten Sontow ist Vorstand der Trovarit AG in Aachen.
Bei der Auswahl einer ERP-Lösung gibt es keinen Königsweg, wohl aber wichtige Entscheidungshilfen. Welche lesen Sie hier.
Foto: Fotolia, Carmen Steiner

Nahezu alle deutschen Unternehmen setzen Lösungen für Enterprise Resource Planing (ERP) ein. Viele davon schon in der dritten oder gar vierten ERP-Generation. Diese ERP-Installationen stellen in der Regel das Rückgrat der Business-Software-Infrastruktur dar und werden meist unternehmensweit über die in die Auftragsabwicklung involvierten Bereiche und Standorte hinweg eingesetzt. Darüber hinaus werden im ERP-System viele Informationen aus bereichsspezifischen Anwendungen (CRM/Vertrieb, PDM/Entwicklung, MES/Produktion, DMS/Informations-Management) gebündelt beziehungsweise auch zur weiteren Verarbeitung an diese Anwendungen weitergegeben.

ERP-Lösungen spielen dabei nicht nur eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der Unternehmensprozesse, sondern stellen oft auch eine große Herausforderung dar: Die Kosten einer ERP-Lösung belasten die IT-Budgets erheblich. Je Arbeitsplatz fallen 4000 bis 5000 Euro Anschaffungskosten sowie 400 bis 600 Euro Wartungskosten pro Jahr an. Die interne Administration sowie die Software- und Anwenderbetreuung schlagen ebenfalls mit einem deutlichen finanziellen Aufwand zu Buche. Und schließlich verursacht die Modernisierung der ERP-Infrastruktur im Zuge von Upgrades beziehungsweise Release-Wechseln nicht selten Kosten, die sich in ähnlicher Größenordnung bewegen wie eine Neueinführung.

Trends im ERP-Lebenszyklus

Foto: Trovarit

Angesichts der Tatsache, dass sich die Lebensdauer einer ERP-Installation heute eher auf 15 bis 20 Jahre beläuft und nicht im Bereich der vielfach kolportierten acht bis zehn Jahre, scheint ein Paradigmenwechsel in Bezug auf die ERP-Infrastruktur geboten: weg von isolierten Auswahl-, Einführungs- oder Anpassungsprojekten hin zu einer ganzheitlichen Bewirtschaftung über den gesamten ERP-Lebenszyklus.

Die unterschiedlichen Phasen des ERP-Lebenszyklus werden dabei durch einige Trends beeinflusst, die folgende Herausforderungen mit sich bringen:

  • Ausweitung des ERP-Einsatzes in den Unternehmen (höhere Durchdringung von Prozessen, Standorten und Belegschaft),

  • Ausweitung des Aufgabenspektrums von ERP-Lösungen (horizontale und vertikale Integration im Bezug auf die Wertschöpfungskette),

  • zunehmende Internationalisierung der Wirtschaft und damit des ERP-Einsatzes,

  • zunehmende "Mobilisierung" des ERP-Einsatzes durch neue Endgeräte, Übertragungsstandards und Kommunikationswege,

  • zunehmende Standardisierung und Modularisierung der Softwarelösungen (Service-orientierte-Architektur/SOA),

  • zunehmende Ausdifferenzierung des ERP-Lösungsangebotes im Hinblick auf Branchenanforderungen ("Vertikalisierung"),

  • zunehmendes Spektrum an Lösungsangeboten zur Ergänzung von ERP-Kernanwendungen,

  • neue Betriebs- und Abrechnungsmodelle für ERP-Lösungen und Add-ons (Cloud Computing, Software-as-a-Service).

Im Rahmen der ERP-Auswahl wirken sich diese Trends vor allem durch eine steigende Komplexität sowohl der fachlichen Fragen (zum Beispiel mehr Lösungs- und Handlungsoptionen) als auch der Projektorganisation (zum Beispiel mehr Beteiligte, mehr Fachbereiche und Standorte) aus.