Mit der Digitalisierung steigt der Bedarf an Bandbreite

So könnte die Zukunft des Internets aussehen

Senior Vice President B2B bei Unitymedia.
Der Bedarf von Privatanwendern und Unternehmen nach einem leistungsfähigeren Internet wächst kontinuierlich.. Alleine für das laufende Jahr wurden Investitionen in Höhe von acht Milliarden Euro für den Breitbandausbau geplant. Ein Anlass, um einen Ausblick zu wagen: Wie sieht das Internet der Zukunft aus?
Die Zukunft des Internets basiert auf Glasfasern.
Die Zukunft des Internets basiert auf Glasfasern.
Foto: Mnet

Technische Geräte, die mit dem Internet verbunden sind, sind inzwischen weit verbreitet - egal, ob als Standardanwendungen für den Alltag oder als hochspezialisierte Profi-Tools. Und die Tendenz zur Vernetzung nimmt weiter zu: Nach Berechnungen von Cisco wird die Anzahl von über das Internet verbundenen Geräten im Jahr 2020 bereits bei über 26 Milliarden liegen. Zum Vergleich: 2015 waren es noch rund 16 Milliarden. Das entspricht einem Zuwachs von 62 Prozent. "Der Boom im Bereich vernetzter Endgeräte wirkt sich auch auf das Nutzerverhalten sowie die zukünftige Entwicklung des Internets insgesamt aus. Allerdings gestalten sich Vorhersagen hinsichtlich der Nutzung digitaler Dienste überaus schwierig", erklärt Iris Henseler-Unger, General Manager und Direktorin am Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) in Bad Honnef.

IoT und Digitalisierung steigern Bedarf

Der Expertin zufolge werden in der derzeitigen Migrationsphase vorwiegend neue Nutzungen getestet, neue Unternehmensmodelle ausprobiert und auf disruptiv wirkende Herausforderungen reagiert. Zudem gibt es keine allgemeingültigen Definitionen von Industrie 4.0, dem Internet of Things oder Machine-to-Machine. Ferner wird nicht alles, was heute diskutiert wird, morgen erfolgreich sein. So dürfen durchaus Zweifel angemeldet werden, ob die bei der Nutzung von Diensten und Apps preisgegebenen Daten wirklich dauerhaft das pekuniäre Entgelt ersetzen oder ob sich die Grenzen zwischen Herstellung und Dienstleistung wirklich zugunsten der Dienstleistung verschieben. Sicher ist indessen eins: Digitalisierung, Virtualisierung und Vernetzung sind eine große Chance. Sie werden unsere Gesellschaft und Wirtschaft in Zukunft noch stärker prägen als heute.

Und damit wird der bereits heute bestehende Bedarf an hochleistungsfähigen Netzen nochmals steigen. Im Rahmen einer eigens erstellten Agenda verfolgt die Bundesregierung das Ziel, das Land bis 2018 flächendeckend mit mindestens 50 MBit/s zu versorgen - und setzt dabei auf Kupferkabel. Allerdings greift die Politik damit aus Sicht mancher Branchenexperten zu kurz. "50 Mbit/s sind nicht genug", sagt Wolf Osthaus, Vorstandsmitglied des Kabelverbands ANGA, und fordert eine "viel längerfristige Ausgestaltung der politischen Rahmenbedingungen". Insbesondere gelte es eine Gigabit-Strategie ins Leben zu rufen, die über den Tellerrand hinausblickt und den Mut hat, Förderprogramme für perspektivisch unzureichende Technologien grundsätzlich in Frage zu stellen. Osthaus erklärt: "Nach allem, was wir über die Anforderungen an das Internet der Zukunft sagen können, muss die Glasfaser bevorzugt behandelt werden."

Nachfrage nach Gigabit

Die Breitbandnachfrage wird laut WIK in den nächsten Jahren stark wachsen.
Die Breitbandnachfrage wird laut WIK in den nächsten Jahren stark wachsen.
Foto: Wissenschaftliches Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste GmbH

Für 2025 zeigt das WIK-Marktpotenzialmodell, dass ungefähr 75 Prozent der Nutzer mehr als 500 Mbit/s im Download bei stationären Breitbandanschlüssen nachfragen werden; etwa 30 Prozent der Nachfrager liegen dann sogar bei 1 Gbit/s und mehr. Hier sind die Trendsetter von morgen zu finden, an denen sich Unternehmen, aber auch die Politik mit ihren Zielen zum Breitbandausbau orientieren sollten. Künftig wird der Bedarf noch mehr als heute von der Vielzahl möglicher Anwendungen bestimmt: Parallelnutzungen verlangen eine höhere Bandbreite. Bei Big Data-Anwendungen und Cloud-Lösungen sind symmetrische Nutzungen erforderlich. Grundsätzlich wachsen die Ansprüche an die Qualität der Übertragung, beispielsweise durch Echtzeitanwendungen oder Anwendungen, die geringe Paketverluste erfordern. All dies spielt für Privatnutzer und die Wirtschaft gleichermaßen eine wichtige Rolle.

The Next Now! - Foto: shutterstock.com - SFIO CRACHO

The Next Now!

E-Health, Smart Energy, E-Government, E-Learning und Smart Cars sind Beispiele für Bereiche, in denen die intelligente Vernetzung mit hohen Qualitätsanforderungen verbunden ist. Ein besonderer Treiber werden hochauflösende bewegte Bilder sein - nicht nur beim Fernsehen, sondern auch bei Unternehmensanwendungen - wie etwa Videokonferenzen, Serious Gaming, Virtual Reality und künstliche Intelligenz. Allerdings tut sich eine Lücke auf: Insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen ist heute ein Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung feststellbar. Vielfach beschränken sich die digitalen Anwendungen auf E-Mail und Buchhaltungssoftware. "Hier besteht auch in Zukunft hohes Nachfragepotenzial", erklärt Iris Henseler-Unger. "Im Wettbewerb um Kunden werden diese Unternehmen gar nicht anders können, als die Digitalisierung, Virtualisierung und Vernetzung intensiver als bisher zu nutzen."

Welche Anforderungen ergeben sich für die IT- und Netzinfrastruktur?

Während die Telekom für Vectoring trommelt, halten viele Experten diese Technologie für eine Sackgasse.
Während die Telekom für Vectoring trommelt, halten viele Experten diese Technologie für eine Sackgasse.
Foto: Deutsche Telekom

Ohne hochleistungsfähige Infrastruktur ist die Nachfrage nach hohen Bandbreiten nicht zu erfüllen. Ebenso wenig können die geforderten Qualitätsanforderungen gewährleistet werden. Viele DSL-Anbieter setzen auf die Vectoring-Technik, die auf VDSL basiert. Indem gegenseitiges Übersprechen im Up- und im Downlink kompensiert wird, steigert das Verfahren die übertragene Datenrate. Die Kanalcodierung für den Downlink wird dabei vom DSLAM (DSL Access Multiplexer) so modifiziert, dass der Datenstrom am kundenseitigen Kabelende möglichst geringe Störanteile von anderen Signalleitungen aufweist. Im Gegenzug übernimmt das VDSL-Modem die Kompensierung im Uplink von der Teilnehmerseite zum DSLAM.