Der Kampf gegen Fintechs

So können Banken zum digitalen Gewinner werden

Dirk Häußermann ist Geschäftsführer EMEA Central bei Informatica. Seit Juli 2013 verantwortet er das operative Geschäft von Informatica EMEA Central Europe in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dirk Häußermann ist seit vielen Jahren auf Executive-Ebene in der IT-Branche tätig, davon lange Zeit bei IBM Deutschland. Zuletzt war er Vorstandsmitglied bei der Heiler Software AG.
Das zu großen Teilen erfolgreiche Vorgehen der Fintechs macht etablierten Bankhäusern zu schaffen. Doch diese können mit langjährig gesammeltem Datenmaterial zum digitalen Gegenschlag ansetzen.

Social Finance Inc (SoFi) revolutioniert gerade die Finanzbranche. Das Unternehmen mit Sitz in San Francisco, USA, sieht sich als Bankalternative und bietet Kredite über einen Marktplatz zu niedrigeren Preisen als traditionelle Kreditgeber. SoFi hat sich zum Ziel gesetzt, mit seinem Smartphone-basierten Modell die Bankenszene genauso umzukrempeln, wie es zuvor Amazon mit Buchhandlungen und Uber mit Taxiflotten getan hat. Das Unternehmen prognostiziert eine gewaltige Umverteilung der Marktkapitalisierung im Banking, auf die sich die traditionellen Marktteilnehmer noch nicht ausreichend eingestellt haben.

Für traditionelle Banken heißt es, das bestehende Potenzial zu nutzen, um die Digitalisierung gewinnbringend voranzutreiben.
Für traditionelle Banken heißt es, das bestehende Potenzial zu nutzen, um die Digitalisierung gewinnbringend voranzutreiben.
Foto: AlexLMX - shutterstock.com

So hat SoFi bereits das Geschäftsmodell der Banken auf den Kopf gestellt, indem es Geld von Investoren und nicht von Sparbuch-Sparern erhält. Und im Gegensatz zu Organisationen, die an der Subprime-Krise beteiligt waren, nutzt SoFi Daten und erweiterte analytische Modelle, um sich die Besten aus den Darlehensbüchern herauszupicken.

Die Analystenhäuser sprechen sich anerkennend über den SoFi Business Case aus und kommentieren, dass die meisten Banken noch nicht den Mehrwert der aufkommenden digitalen Technologien realisieren. Analysten sehen Financial Technology Unternehmen, die neue Lösungen von Anwendungen im Finanzdienstleistungsbereich entwickeln, in Form von Start-ups und etablierten Technologieanbietern entstehen.

Whitepaper: Der Nutzen des Chief Data Officers

Der Chief Data Officer (CDO) wird immer öfter zu einer zentralen Führungkraft in Unternehmen auf der ganzen Welt. Der Grund ist die zunehmende Relevanz von Daten. Denn Daten sind überall und allgegenwärtig; sie untermauern jede Transaktion, jeden Betrieb und jegliche Interaktion innerhalb und außerhalb von Organisationen. Daten sind aber auf eine Infrastruktur angewiesen, sie müssen gespeichert, archiviert, analysiert und gesichert werden. Dafür braucht es den CDO. In dieser IBM-Studie wird die Rolle des CDO durchleuchtet und gezeigt, welche Vorteile Unternehmen konkret von ihm haben.

Die meisten nutzen neue und innovative Technologien und nicht das bestehende Bankengeschäftsmodell. Aus diesem Grund sagen Analysten, müssen bestehende Firmen prüfen, wie transformative Technologien sie in das tägliche Leben ihrer Kunden bringen können. Sie müssen sich darauf vorbereiten, ihre Kundenbeziehungen und ihr Serviceangebot zu überarbeiten. Dazu gehört auch der Einsatz von Technologie, um die Entscheidungen wie zum Beispiel Kreditaufnahmen getroffen werden, zu ändern. Heute können diese auf sehr spezifischen, quantifizierbaren Kriterien beruhen. Mit dem Potenzial einer Gesamtkundensicht ist es möglich, perfekte oder nahezu perfekte finanzielle Entscheidungen abzuleiten. Als Reaktion darauf, kündigte Wells Fargo vor ein paar Wochen eine Geschäftskreditlösung an, die eine Entscheidung in einem Tag ermöglichen kann, einschließlich dem Einstellen des Geldes in der Bank des Kunden.

Worin bestehen die Möglichkeiten für die etablierten Anbieter?

Als Reaktion auf das disruptive Potenzial, das Financial Technology Firmen repräsentieren, sollten bestehende Banken die Chancen bereits vorliegender Daten nutzen:

1. Regulatory Compliance - Banken müssen die Kontrolle über eine ständig wachsende Liste von Compliance-Anforderungen behalten. Der Schlüssel dazu ist es, Risikodaten genau aufzuzeigen und die Kontrolle darüber zu haben.
Zur gleichen Zeit, müssen sie in der Lage sein, nicht nur den Datenumfang zu schützen, sondern auch ihre Daten vor Cyber-Angriffen zu verteidigen. Wenn Hacker das System knacken, sollten sie nicht alle Daten abgreifen können.

2. Anpassung der Lösungen - Banken müssen ihr Produktangebot neu gestalten, so dass es auf die Bedürfnisse ihrer Kunden abgestimmt ist. Ansonsten sind sie noch anfälliger für Störungen und dies kann zu niedrigeren Margen führen, da der Wettbewerb seine Einnahmen oder Umsätze auf Kosten eines bestehenden Markteilnehmers zu steigern versucht.

3. Marketing-Bereitschaft - Banken müssen ihr Up-Selling und Cross-Selling steigern. Um dies zu tun, werden Kundeninformationen benötigt. Für viele Banken, erweist sich ein Betrieb in Echtzeit als schwierig, da sie mit Legacy-Prozessen und Systemen belastet sind. Die Unfähigkeit, in Echtzeit in einer Omni-Channel-Umgebung zu operieren wird zunehmend zum Nichterfolg führen.

4. Betriebliche Effizienz - Banken müssen kontinuierlich die betriebliche Effizienz steigern. Meist bedeutet dies, Prozesse durch fortschrittliche Anwendungen zu verbessern. Dies nicht zu tun, kann zu Geschäftsrisiken führen, da alte Systeme nicht unbedingt neue Geschäftsprozesse oder die gewünschte Zentrierung auf den Kunden unterstützen. Vor diesem Hintergrund wird eine Veränderung erforderlich. Es beginnt mit der Erschließung und dem Abgleich von bestehenden Daten-Silos.

5. Disruptive Technologien - Banken müssen, um betriebliche Effizienz zu schaffen, in disruptive Technologien investieren. Das Problem besteht darin, dass zu viele Banken sich bisher schwer daran getan haben, kostensparende Technologien, einschließlich aller Arten von Cloud-Technologien, einzuführen.
Zur gleichen Zeit kämpfen viele Banken damit, neue Fähigkeiten zu übernehmen, die benötigt werden um entweder offensiv oder defensiv mit digitalen Disruptoren umzugehen. Dazu gehört es, sicherzustellen, dass ihre Daten geschützt sind oder, dass sie sinnvolle Erkenntnisse schaffen, die zu Geschäftsentscheidungen führen. In zunehmendem Maße erfordert dies, bestehende und ganz neue Datenquellen miteinander mischen zu können.

6. Fusionen und Übernahmen - Fusionen und Übernahmen sind eine Herausforderung, weil hinzugefügte Unternehmen in der Regel die Vielfalt der Systeme erhöhen die die Banken pflegen, verwalten und integrieren müssen. Zum Beispiel können Kundendaten in einer noch größeren Anzahl von Systemen abgelegt sein und damit eine einheitliche Sicht auf Kunden erschweren. Dies erschwert es Unternehmenssynergien verbunden mit der Frage, ob eine Fusion oder Übernahme sich wertsteigernd auswirkt, zu liefern. Während die meisten Fusionen und Übernahmen Geld und Ressourcen für den Zusammenschluss zur Verfügung stellen, sollte dabei bedacht werden, dass echte Synergien nur durch das Fixen von Legacy-Systemen und Daten geschaffen werden können.

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