Angehende Informatiker

So klappt es mit den Praktikanten

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Alle waren mal Software Engineer, mal Test Analyst und mal Projektleiter: 14 IT-Studenten haben beim IT-Dienstleister Adesso ein sogenanntes Rotationspraktikum durchlaufen.
  • Die jungen Leute haben in sechs Monaten gemeinsam eine mobile App für eine Versicherung entwickelt
  • Sie dachten zunächst nur ans Programmieren und fanden es gut, zu sehen, was an einem solchen Projekt alles dranhängt
  • Adesso hatte für die 14 Plätze 36 Bewerbungen, die Bewerber hatten auch Angebote von Automobilherstellern
Diese zehn (von insgesamt 14) jungen Leute haben bei Adesso im Rahmen ihres Praktikums eine mobile App für eine Versicherung entwickelt.
Diese zehn (von insgesamt 14) jungen Leute haben bei Adesso im Rahmen ihres Praktikums eine mobile App für eine Versicherung entwickelt.
Foto: Adesso AG

"Natürlich hatte ich auch Angebote von Audi und BMW", erzählt der junge Mann und beißt zufrieden in seinen Kuchen, "aber ich hab' dann doch das hier gemacht." Mit "das hier" meint er ein Praktikum beim IT-Dienstleister Adesso. In der Münchener Niederlassung feiert man das sogenannte "Rotationspraktikum" als Neuerung. Professoren und Presse sind geladen, Bier und Hähnchenfilets werden gereicht, doch den größten Andrang gibt es bei der Kuchenplatte.

Großen Andrang verzeichnete Adessos Praktikum nicht. 36 Bewerber meldeten sich auf die 14 Stellen, und wohl jeder der angehenden Informatiker hatte auch von anderen Seiten Angebote. Dass Autohersteller auf der Liste der späteren Wunscharbeitgeber ganz oben stehen, überrascht Martin Hobelsberger nicht. Der Professor für Mathematik und Informatik an der Hochschule München fungiert als Praktikantenbeauftragter. "Mit Autos kann man sich identifizieren", erklärt er, "außerdem gelten sie in Deutschland nach wie vor als Statussymbole, das übernehmen die Studierenden von ihren Eltern."

"Toll zu sehen, was da alles dranhängt, an so einem Projekt"!

Adesso konnte eigentlich nicht mithalten. Aufgabenstellung des sechsmonatigen Praktikums war die Entwicklung einer App - für eine Versicherung. Doch die jungen Leute ließen sich von der Idee der Rotation überzeugen. Konkret: die App sollte agil entwickelt werden, und jeder Teilnehmer sollte im Lauf des Praktikums eine Zeit lang jede Rolle einnehmen, also die des Requirement Engineers, des Designers, des Software-Architekten, des Software Engineers sowie des Test Analysten und auch die eines Projektleiters. Immer gab es dazu Feedback vom Mentor und den anderen Teammitgliedern.

Damit konnte Adesso die jungen Leute überraschen, wie sie jetzt bei der Präsentation der Ergebnisse berichten. "Am Anfang dachten wir nur ans Programmieren, aber das war dann nur ein kleiner Teil der ganzen Arbeit", sagt einer der Studenten. Und Anna, die einzige junge Frau im Team, lobt: "Es war toll, zu sehen, was da alles dranhängt, an so einem Projekt!"

Marktforschung auf der Straße

Was an der App dranhängen sollte, haben die 14 Praktikanten erst einmal selbst herausgefunden. Und zwar ganz analog: Sie stellten sich auf die Straße und fragten die Zielgruppe - junge Menschen wie sie - nach ihren Erwartungen. Das Resultat ist eine mobile Anwendung, mit der der Nutzer per Smartphone Versicherungen für einen oder einige wenige Tage abschließen kann. "Das ist super für Studenten, die sich Omas Auto ausleihen wollen", erklärt Annas Kommilitone Christoph. Ganz wichtig ist auch: über eine Freundschaftsfunktion kann die Versicherung mit anderen geteilt (Share-Funktion) werden.

Adesso hat die jungen Leute auf einer Hochschulmesse angeworben. "Die Gespräche da waren genauso wie das Vorstellungsgespräch hier", finden die Studierenden. Professor Hobelsberger rät dringend zur Kooperation mit den Hochschulen und Universitäten und stößt damit auch auf Zustimmung: Pro Tag bekommt er etwa drei Mails und zehn Anrufe von Firmen, die sich engagieren wollen, rechnet er kurz nach. "Wenn die ankommen und sagen, sie wollen Absolventen, ist der Zug eigentlich schon abgefahren", sagt Hobelsberger. Studierende sollten am besten schon ab dem zweiten, dritten Semester eingebunden werden. Eingebunden heißt, dass sich im Unternehmen auch jemand konsequent um die jungen Leute kümmern muss.

Bei den 14 Studenten aus dem Rotationspraktikum bei Adesso scheint das geklappt zu haben. Ganz selbstverständlich reden sie bei ihrer Präsentation der App mit "dem Olaf" (Olaf Boczan, Leiter des Competence Centers bei Adesso) und erzählen, wie sich der eine oder andere Mitarbeiter in der Kaffeeküche oft zu ihnen dazugestellt und Tipps gegeben hat.

Nicht jeder stellt Sinn über Gehalt

Mit ihrem Wunsch, ernstgenommen zu werden, und ihrer Leistungsbereitschaft entsprechen sie den gängigen Vorstellungen der Generation Y. Doch durchgängig ist das Klischee nicht. Dass sie den Sinn ihrer Arbeit über das Gehalt stellen werden, dass sie nur ethisch Vertretbares machen wollen, würde nicht jeder von ihnen unterschreiben. "Man will später ja auch seine Familie ernähren", sagt einer der jungen Männer, "ob Sinn dann wichtiger ist als Gehalt, muss jeder für sich selbst entscheiden."

Mindestens einer der 14 Praktikanten kann sich auch gut vorstellen, selbst eine Firma zu gründen. Sie alle sind angehende Informatiker, stark nachgefragte Kräfte. Das Berufsleben bietet sich ihnen dar wie das Buffet, das Adesso bei diesem Termin aufgebaut hat: Sie sind der Kuchen, und der größte Andrang ist an der Kuchenplatte.