Unterstützer gewinnen

So führen Ihre Projekte zum Erfolg

Renate Oettinger ist Diplom-Kauffrau Dr. rer. pol. und arbeitet als freiberufliche Autorin, Lektorin und Textchefin in München. Ihre Fachbereiche sind Wirtschaft, Recht und IT.

Zu ihren Kunden zählen neben den IDG-Redaktionen CIO, Computerwoche, TecChannel und ChannelPartner auch Siemens, Daimler und HypoVereinsbank sowie die Verlage Campus, Springer und Wolters Kluwer.
Wer Projekte verantwortet, muss die Bedürfnisse und Erwartungen sämtlicher Anspruchsgruppen erkennen und richtig darauf reagieren. Jürgen Rohr gibt Tipps dazu.

An Projekte werden meist viele Erwartungen geknüpft - zum Beispiel: Die Wartungskosten der Maschinen sollen sinken, die Durchlaufzeiten sollen sich verkürzen, die Kundenzufriedenheit soll sich erhöhen. Hinter diesen rationalen Anforderungen verbergen sich auch emotionale Bedürfnisse der Anspruchsgruppen. Nur wenn ein Projektleiter sie erkennt und angemessen auf sie reagiert, gewinnt er die nötige Unterstützung.

Projektleiter benötigen oft reichlich diplomatisches Geschick, um nicht zwischen allen Fronten zu landen.
Projektleiter benötigen oft reichlich diplomatisches Geschick, um nicht zwischen allen Fronten zu landen.
Foto: Fotolia, Andre Bonn

Wenn Sie vor einer solchen Herausforderung stehen, sollten Sie sich dringend mit den Erwartungen der Linienverantwortlichen an das Projekt auseinandersetzen. Wissen Sie, was deren Erwartungen sind? Haben Sie diese angemessen im Projekt berücksichtigt? Und: Wissen die Linienverantwortlichen davon?

Im besten Fall formulieren die beteiligten Anspruchsgruppen ihre Erwartungen an ein Projekt wie folgt:

  • "Ich möchte, dass das Projekt zum vereinbarten Termin abgeschlossen wird." Oder:

  • "Ich erwarte von dem Projekt eine bessere Auslastung meiner Mitarbeiter."

  • "Ich erhoffe mir eine deutlich höhere Kundenzufriedenheit." Oder

  • "Ich hoffe, die Wartungskosten werden nach dem Projekt deutlich niedriger sein."

  • Und im schlimmsten Fall so: "Ich erwarte mir von dem Projekt überhaupt nichts. Es wird sowieso nur mehr Arbeit auf mich zukommen."

Erwartungen sondieren

Nehmen wir eine dieser Erwartungen genauer unter die Lupe. Die Aussage "Ich hoffe, die Wartungskosten werden nach dem Projekt deutlich niedriger sein", könnte von einem Linienverantwortlichen formuliert werden, der weiß, dass er seine Budgetvorgaben erneut nicht einhalten wird. Und er fragt sich vielleicht, ob ihn sein Bereichsleiter noch ein weiteres Mal vor der Geschäftsführung decken wird. Vielleicht ist der Druck, der auf seinen Schultern lastet, so hoch, dass er beginnt, sich Sorgen um seine eigene Zukunft im Unternehmen zu machen.

Wie wir sehen, kann hinter der nüchtern formulierten Erwartung "Ich hoffe, die Wartungskosten werden nach dem Projekt deutlich niedriger sein" ein handfestes Bedürfnis stecken. Der Linienverantwortliche sorgt sich um seinen Arbeitsplatz. Er braucht Gewissheit, dass ihm das Projekt dabei hilft, seinen Arbeitsplatz zu sichern. Können Sie ihm das Vertrauen nicht geben, dass Ihr Projekt dieses Bedürfnis erfüllt, wird er Sie kaum unterstützen. Solcherlei Bedürfnisse nennen wir emotionale Bedürfnisse. Sie verbergen sich hinter jeder Erwartung.