Apple-Mitgründer Steve Wozniak

Snowden ist ein moderner Held

14.03.2014
Schwarzer Anzug, grauer Bart: Apple-Mitbegründer Steve Wozniak ließ sich auf der CeBIT in Hannover als Popstar der IT-Welt feiern. Was er zu sagen hatte, zog Hunderte in den Bann. Die USA sollten von der EU lernen, und Computer werden Lehrer vorerst nicht ersetzen können.

Vorhang auf für den Stargast der diesjährigen CeBIT Gobal Conferences in Hannover: Apple-Mitgründer Steve Wozniak hielt am Donnerstag Hof auf der weltgrößten Computermesse. Die Frage nach der NSA-Ausspähaffäre erhielt prominenten Platz in dem rund einstündigen Bühnen-Interview. Edward Snowden, der Informant in der NSA-Affäre, trat nach Ansicht Wozniaks wie ein moderner Held für die Freiheit des Internets ein und sollte als solcher in seine Heimat zurückkehren dürfen. "Ich glaube, Edward Snowden ist ein Typ wie ich", sagte "The Woz", wie er sich vorstellte.

Snowden habe den Mut gehabt, für seine Ideale seine Karriere zu opfern. Auf die Frage, ob der im russischen Exil lebende Snowden zurückkehren sollte, meinte Wozniak: "Unbedingt". Bei einem Besuch in einem Moskauer Museum habe er ihn möglicherweise sogar getroffen, sagte der schwergewichtige Graubart im schwarzen Anzug. Als er einen jungen Mann auf seine Ähnlichkeit mit Snowden angesprochen habe, sei der wortlos gegangen.

Befragt nach geplanten Internet-Beschränkungen in der Türkei, antwortete Wozniak: "Das Internet ist ein menschliches Grundrecht." Die USA könnten sich beim Datenschutz zudem von den Europäern inspirieren lassen. Wozniak: "Es wäre mein Wunsch, sie sollten ihnen sogar vorangehen." Ob Apple angesichts des NSA-Datenhungers zu trauen sei? "Das kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen", meinte Wozniak, betonte aber, dass das Unternehmen sicherlich nicht absichtlich irgendwelche Hintertüren offen gelassen habe. "Ich vertraue ihnen jedenfalls."

Steve Wozniak mit CW-Redakteurin Karen Funk
Steve Wozniak mit CW-Redakteurin Karen Funk

Kein Vertrauen hat er in die Vision eines baldigen Durchbruchs bei der Entwicklung von Computern mit eigenem Bewusstsein. In rund 100 Jahren könnte es vielleicht soweit sein. "Wir brauchen die Intuition des menschlichen Geistes". Ob moderne Technik heute schon die Schule revolutioniere, wollte der Moderator wissen. "Das glaube ich nicht", sagte der Amerikaner: "Computer sind keine Leitbilder."

Wozniak, der die Stimmerkennung ebenso wie die Fortschritte in der Robotertechnik für die zur Zeit spannendsten technischen Errungenschaften hält, sieht Apple durch den Tod von Mitgründer Steve Jobs nicht vom Kurs gebracht. "Da gibt es eine Menge Mythen", gab er zu. Aber mitunter hätten die Technologie-Fans zu hohe Erwartungen. Er persönlich fände es aber gut, wenn das Unternehmen die Download-Plattform iTunes auch für Geräte mit Googles Android-System öffnen würde. Als ein als Superman verkleideter Zuschauer auf die Bühne sprang, reagierte Wozniak gelassen.

Wann er denn seine Memoiren schreiben würde, wollte ein chilenischer Messe-Besucher noch wissen. Wozniak grinste nur und meinte: "Das muss warten, bis ich Zeit habe. Zur Zeit reise ich einfach zu viel." (dpa/tc)