Smatch.com: Shoppen mit Gefühl

24.01.2008
Von Björn Schäfers 
Die Otto Group schafft eine neuartige Anlaufstelle für Mode, Wohnen und Lifestyle-Produkte. Sie verbindet die Produktsuche mit emotionalem Social Shopping.

Die Kaufgewohnheiten der Konsumenten im Web verändern sich. Nicht mehr die Shops und ihre Betreiber, sondern die Produkte stehen heute im Vordergrund. Kunden wählen mit einer Suchmaschine ein Produkt aus und entscheiden sich erst danach für einen Anbieter. Auch haben sich mittlerweile Vermittlerportale etabliert, die den Konsumenten bei der Auswahl von Technik, Büchern, Musik oder Reisen unterstützen. Für Mode, Wohnen und Lifestyle gab es bislang jedoch noch keine spezialisierte Plattform, die das Angebot vieler hundert Online-Shops bündelt. An diesem Punkt setzt das Projekt Smatch (www.smatch.com) an, das seit knapp drei Monaten online ist und zuvor in sechsmonatiger Arbeit entwickelt wurde. Smatch ist das zweite Shopping-Portal der Shopping 24 GmbH, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Otto Group.

Hier lesen Sie ...

welche Ziele die Otto Group mit dem neuen Portal verfolgt;

wie Smatch.com traditionelle Suchfunktionen mit Anwendungen des Web 2.0 kombiniert;

von welchen Vorbildern sich das Projektteam inspirieren ließ.

Trendige, in kleinen Stückzahlen produzierte Spezialprodukte, der so genannte Long Tail, finden im Web zunehmend eine interessierte Käuferschar und geraten dadurch in den Fokus von Blogs und Medien. Für eine möglichst vollständige Produktinformation ist daher nicht nur die Integration von bekannten Markenshops wichtig, sondern auch die Präsentation der Angebote von kleinen, spezialisierten Online-Shops.

Für Coolness zahlen manche Kunden gerne etwas mehr

Bei der Auswahl von Mode, Wohnen und Lifestyle-Produkten spielen ferner neben rationalen Kriterien wie dem Preis insbesondere emotionale Faktoren wie der persönliche Geschmack oder der "Coolness-" und "Trendfaktor" eine zunehmend wich-tige Rolle. Besucher müssen ihre Wunschprodukte aus einer großen Anzahl an Angeboten möglichst einfach herausfiltern oder sich von Empfehlungen anderer Nutzer leiten lassen können. Im so genannten Social Commerce reden die Konsumenten über Neuheiten oder geben Empfehlungen ab, wenn sie einen guten Shop oder ein interessantes Produkt gefunden haben, erstellen Styles und kombinieren passende Produkte - ganz gleich, ob das Produkt von einem Unternehmen aus der Otto Group oder einem kleinen Nischenanbieter stammt. Deshalb war es wichtig, in Smatch innovative und hilfreiche Web-2.0-Funktionen zu schaffen und für eine umfassende Produktinformation die User stark einzubinden.

Die Planungen für Smatch begannen Anfang 2007 mit den genannten Vorüberlegungen, die sowohl die anfängliche Ideenentwicklung als auch die Grob- und Feinkonzeption entscheidend mitbestimmt haben. Für die Produktentwicklung standen Fragen im Vordergrund wie: "Welche Faktoren prägen maßgeblich die Einkaufsentscheidung in den drei Produktbereichen?", "Was kann das Internet leisten, um die Kaufentscheidung zu unterstützen?" oder "Welche Informationen benötigt der Konsument, um das exakt zu ihm passende Produkt zu finden?" Die Entwicklung und Umsetzung von Smatch übernahm ein junges Team, das sich aus ehemaligen Otto-Mitarbeitern und neuen Kräften zusammensetzt. Frühzeitig wurden zudem erfahre-ne Begleiter der Web-2.0-Szene eingebunden, die als Außenstehende bei der Konzeption halfen. Heute besteht das Team aus Marketing-, Vertriebs-, E-Commerce- und IT-Spezialisten mit der nötigen Web-2.0-Affinität.

Kategorien helfen bei der Suche

Um den zentralen Gedanken hinter Smatch zu beschreiben, hilft ein Vergleich mit dem menschlichen Gehirn: In dessen linker Hälfte (Hemisphäre) spielen sich Prozesse des logischen und digitalen Denkens oder für die Verarbeitung von Zahlen ab. Dieser Fähigkeit folgend, bietet Smatch am Bildschirm in der linken Spalte Suchfilter, um zum passenden Produkt zu gelangen: Hier sind Eingrenzung des Preises, eine Markenauswahl und die Kategorisierung der gesuchten Produkte möglich. Durch weitere Filter gelangt der Konsument so auf rationale Weise zu einer überschaubaren Anzahl an Produkten, die ihn näher interessiert.

Am Anfang steht das Stöbern

Im Gegensatz dazu spielen sich in der rechten Gehirnhälfte ganz andere Prozesse ab: Visuelles und analoges Denken, Körpersprache, frühere Erfahrungen oder Emotionen sind hier die bestimmenden Kriterien. Analog dazu schafft Smatch einen emotionalen und sozialen Zugang zum Beispiel durch die Anzeige passender Listen und Styles anderer User zum eingegebenen Suchbegriff, Bewertungen von Produkten, Tag-Clouds oder den Austausch der User untereinander. Hier nutzt Smatch besonders Web-2.0-Features, um diesen Zugang zu stärken.

Der Stöberfaktor von Smatch unterstützt die Suche nach Personen mit ähnlichem Geschmack. Die Buddy-Funktion ermöglicht ihnen den Aufbau eines eigenen Netzwerks und damit die gegenseitige Beratung innerhalb der Community. Smatch erinnert an den Einkaufsbummel mit der guten Freundin - allerdings diesmal virtuell, mit einer größeren Produktauswahl und mit einer riesigen Anzahl potenzieller Begleiter. Anwender können spontan und unkompliziert über den angesagten Dresscode für den nächsten Konzertabend diskutieren. Der zielgerichtete Einkauf ist bei Smatch ebenso möglich wie Stöbern oder sich einfach inspirieren lassen.

Technische Umsetzungmit Tags und Widgets

Technisch beruht die Plattform auf Open-Source-Software wie der Search Engine "solr" (Lucene), dem Ticketsystem "OTRS" und "Wordpress" für die Pflege des Corporate Blogs. Die moderne Architektur wurde mit Unterstützung von freiheit.com entwickelt. Gehostet und gewartet wird Smatch von der Easynet GmbH. Dem Projektteam war schnell klar, dass es aus dem Web 2.0 bekannte Anwendungen verwenden würde. Aber nicht, um einfach auf der Welle mitzureiten, sondern um den Benutzern möglichst viele und passende Zugänge zu den Produkten bieten zu können, die insbesondere die rechte Gehirnhälfte unterstützen. So gibt es die Möglichkeit, jedem Produkt Tags zuzuordnen oder innerhalb der zugewiesenen Tags nach bestimmten Erzeugnissen zu suchen. Tag-Cloud und Tag-Filter sind als quasi obligato-rische Tools gute Beispiele für Features, die dem Web 2.0 entsprungen sind und sich insgesamt im Web durchgesetzt haben.

Wer eher stöbern möchte, nutzt zum Beispiel mit dem "Style Finder" eine neue Art der Listensuche: User können in den angelegten Lieblingslisten oder Styles suchen. Ein passendes T-Shirt zur favorisierten Jeans lässt sich so leichter und intuitiver finden. Die Produktlisten können mittels Drag and Drop angelegt und auch in Widgets verwandelt werden. Die User können diese dann in ihre Blogs, ihre Homepage oder in ihre Profile bei anderen Social Networks einbinden, um auf ihren Geschmack in Sachen Mode, Wohnen und anderem Lifestyle hinzuweisen. Zum Beispiel haben viele User Widgets verwendet, um Wunschlisten zu Weihnachten anzulegen. Widgets sind nicht nur kleine technische Spielereien, sondern auch für die Vermarktung von Smatch wichtig: Aus der Community heraus steigern sie die Bekanntheit und Reichweite der Plattform.

Viele Anregungen zu Smatch stammen aus anderen Sortimenten, bei denen aber ebenfalls der persönliche Geschmack eine zentrale Rolle spielt. So gefällt dem Smatch-Team der Musikdienst last.fm, weil dort die mit dem Internet verbundenen Möglichkeiten der Personalisierung und Vernetzung der User untereinander besonders gut umgesetzt sind. Nach und nach wurden neue Mechanismen entwickelt, um den Musikgeschmack jedes einzelnen Benutzers für persönliche und relevante neue Empfehlungen zu nutzen. Auch Smatch will User mit ähnlichem Geschmack miteinander bekannt machen. Neben last.fm wirkten besonders US-Websites wie stylehive oder fashmatch im Bereich Mode und Lifestyle inspirierend, etwa was Empfehlungen der User untereinander oder beim Erstellen von Styles betrifft. Kritik und Verbesserungsvorschläge aus der Community und der Blogosphäre beeinflussen seit dem Start am 15. Oktober die Weiterentwicklung von Smatch.

Smatch sieht sich am Anfang einer viel versprechenden Entwicklung. Wichtiges Nahziel ist der Ausbau des eigenen, unabhängigen Händlerpools. Im Long-Tail-Bereich entstehen jeden Monat neue Klein- und Kleinstanbieter, die gut zu Smatch passen und nach Möglichkeit als Shop-Partner eingebunden werden sollen. Weitere Ziele sind der Aufbau der Marke Smatch und der Ausbau der Community. Fertig ist ein E-Commerce-Portal heutzutage nie. (as)