Das ist (nicht) erlaubt

Smartphone, Smartwatch & Co. im Auto

Jürgen Mauerer betreibt als freier Journalist ein Redaktionsbüro in München.
Viele Autofahrer nutzen während der Fahrt ihr Smartphone oder andere Kommunikationsmittel. Durch die Ablenkung beim Telefonieren, SMS-Schreiben oder Lesen des neuesten Facebook-Eintrags steigt jedoch das Unfallrisiko. Inwieweit sind Smartphone & Co. im Auto erlaubt?
Ablenkung durch Smartphone-Nutzung beim Autofahren kann zu Unfällen führen
Ablenkung durch Smartphone-Nutzung beim Autofahren kann zu Unfällen führen
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Datenzugriff mobil - aber bitte geschützt

Das Schreiben einer SMS während des Fahrens kann tödlich sein. Das zeigt ein drastisches Video der britischen Polizei aus dem Jahr 2009. Eine junge Fahrerin verfasst darin am Steuer eine SMS, wird unaufmerksam, gerät auf die Gegenfahrbahn und verursacht einen Unfall, bei dem vier Menschen ums Leben kommen. Zugegeben, dieses Beispiel ist extrem. Es spiegelt aber realistisch die Gefahren wider, die durch die Nutzung mobiler Geräte im Auto entstehen können.

Verschiedene Studien belegen, dass die Ablenkung durch Smartphones und andere mobile Geräte beim Autofahren eine kritische Größe erreicht hat. Das Allianz Zentrum für Technik (AZT) Automotive GmbH zeigte bereits 2011 in einer Studie, dass 30 Prozent der deutschen Autofahrer am Steuer E-Mails oder SMS lesen und 20 Prozent entsprechende Nachrichten schreiben.

2014 beauftragte der Autobauer Ford eine Umfrage zum Thema "Ablenkung im Straßenverkehr". Ihr zufolge machen 28 Prozent der deutschen Autofahrer zwischen 18 und 24 Jahren während der Fahrt ein Selfie von sich, sogar 35 Prozent nutzen Social-Media-Seiten wie Facebook oder Twitter. Rund 20 Sekunden nehmen die Autofahrer laut Ford dafür den Blick von der Straße, beim Selfie sind es 14 Sekunden. Durch die Ablenkung übersieht man schnell ein Verkehrszeichen, eine rote Ampel oder ein vorausfahrendes Fahrzeug.

Unfallrisiko steigt durch Ablenkung

"Je mehr moderne Technik der Autofahrer nutzt, umso mehr Einzelblicke gehen vom Fahrgeschehen weg. Damit steigt auch das Unfallrisiko", sagt der Verkehrspsychologe Dr. Jörg Kubitzki vom Allianz Zentrum für Technik - Sicherheitsforschung. "Selbst das rechtlich erlaubte Telefonieren per Freisprecheinrichtung lenkt mental ab, weil der Fahrer beim Telefonieren seinen Blick auf die Fahrbahnmitte fixiert und periphere Ereignisse vernachlässigt."

Durch diesen "Frozen-Eye-Effekt" verlängere sich die Reaktionszeit im Schnitt um eine halbe Sekunde, so Kubitzki. Kritisch sieht er auch moderne Smartwatches. "Rein ergonomisch ist eine intelligente Uhr am Handgelenk sehr ungünstig, da der Blick des Autofahrers stärker von der Fahrbahn abgelenkt wird als etwa bei einem Head-Up-Display."

Allerdings gibt es für Deutschland noch keine validen Daten darüber, wie häufig Unfälle auf die Nutzung moderner Kommunikationsmittel zurückgehen. Der einfache Grund: Es ist schwer zu beweisen. "Wenn sie keinen Zeugen haben oder im Unfall-Auto kein Handy mit angefangener SMS finden, bleibt eine Lücke", erklärt Polizeirat Marcus da Gloria Martins, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Unfallaufnahme in München. Daher wertet die Polizei in Einzelfällen bei besonders gravierenden Unfällen etwa mit Todesfolge das mobile Gerät forensisch aus, bei denen sie die Smartphone-Nutzung als Ursache vermutet - aber nur mit richterlichem Beschluss.

"Wir prüfen beispielsweise die Log-Files, checken die letzten Aktionen und untersuchen, wann der Sperr-Bildschirm zuletzt aufgehoben wurde. Dadurch finden wir Anhaltspunkte über die Ablenkung durch das Smartphone. Wegen des hohen Aufwands ist dies aber nur bei sehr schweren Unfällen der Fall", so da Gloria Martins.

Hellhörig wird die Polizei beispielsweise bei Szenarien wie "Ein weithin gut erkennbarer Fußgänger wird tagsüber auf offener Straße bei Helligkeit umgefahren, es sind keine Ausweich- oder Bremsspuren sichtbar" oder "Auto kommt ohne erkennbare Ursache in langgezogener Kurve von der Fahrbahn ab". "Hier ist nach unserer Bewertung immer häufiger ein Smartphone im Spiel", erklärt der Polizeirat. "Denn in dem Moment, in dem sie während des Fahrens ein Smartphone bedienen, sei es zum Schreiben einer SMS oder zum Lesen eines Facebook-Eintrags, fallen Sie als handlungsfähiger Verkehrsteilnehmer völlig aus. Das ist in etwa so, als ob Sie sich dazu entscheiden mit einer angelegten Augenbinde durch die Stadt zu fahren. Leider mangelt es den meisten Autofahrern hier völlig an Risikobewusstsein."

Polizei und Verkehrspsychologen sind sich einig: Smartphones und andere mobile Geräte lenken den Fahrer ab und gefährden die Sicherheit im Straßenverkehr. Was aber sagt der Gesetzgeber?