Reality Check

Smart Home und IoT - neue Chance für die IT?

Stefan von Gagern ist diplomierter Medientechniker (FH) und war als Redakteur und Ressortleiter bei den Fachtiteln "Screen Busines Online" und "Page" tätig. Später lehrte er als Dozent für Medienkonzeption im Master-Studiengang "Multimedia Production" an der Fachhochschule Kiel. Heute schreibt er als freier Fachjournalist und Autor über Themen wie Publishing, Internet, Social Media und Digital Lifestyle. Parallel berät er Unternehmen bei der Konzeption und Umsetzung von Social-Media-Auftritten.
Smart Home und das Internet der Dinge werden oft als der Heilsbringer der nächsten Jahre glorifiziert. Ist das alles nur Hype oder bieten die Trends ein reales Potenzial für die IT-Branche?

Vor einem Jahrzehnt noch war der PC noch der einzige Internet-fähige Computer am Arbeitsplatz und zuhause. Nachdem sich Smartphones und Tablets dazu gesellen, bedient IT schon weitere Geräte pro Kunde. Mit dem Internet der Dinge (IoT) könnten es Dutzende werden. Alles, vom Auto über das Küchengerät bis zur Zahlbürste kann mit CPUs ausgerüstet und vernetzt werden, braucht Sicherheitskonzepte, Geräteverwaltung, Serveranbindung und vieles mehr. Der nächste Schritt wären semi-industrielle Anwendungen wie Gebäudesteuerungen in Firmen bis hin zu vollautomatisierten Produktions- oder Logistikanlagen. Über flächendeckende Vernetzung dringt das Internet der Dinge so zunehmend in professionellere Bereiche vor und wird über kurz oder lang auch industrielle Anwendungen erobern. Doch wie können sich IT-Firmen auf den Trend vorbereiten?

Gegenstände des Alltags werden zu App-Plattformen: General Motors will in seinen Autos einen eigenen App Shop anbieten.
Gegenstände des Alltags werden zu App-Plattformen: General Motors will in seinen Autos einen eigenen App Shop anbieten.
Foto: gmauthority.com

App-Entwicklung mit Potenzial

Ein Beispiel für das große Wachstum, das im IoT-Trend steckt, ist das Potenzial für App-Entwickler. Was die Öffnung eines Gerätes für Drittentwickler an Erfolg ausmacht, haben schon iPhone und der Apple App Store eindrucksvoll demonstriert. Daher bieten viele Hersteller von neuer Hard- und Software so genannte APIs (Application Programming Interfaces), also Programmierschnittstellen, die das Entwickeln eigener Apps möglich macht. So wird jedes Gerät, beispielsweise ein Fitnesstracker, eine Wetterstation oder ein Autonavigationsgerät zu einer eigenen Plattform für Apps und Entwickler. Jede App braucht nicht nur Programmieren, sondern Anbindung an Cloud-Speicher, ein Sicherheitskonzept und vieles mehr. So ist eine Explosion an Bedarf für IT-Know-How im Allgemeinen zu erwarten.

Wetterstation als App-Plattform: Die smarte Wetterstation Netatmo bietet Entwicklertools mit der Dritterhersteller Apps zum Beispiel für Wetterdienste und ähnliches entwickeln können.
Wetterstation als App-Plattform: Die smarte Wetterstation Netatmo bietet Entwicklertools mit der Dritterhersteller Apps zum Beispiel für Wetterdienste und ähnliches entwickeln können.
Foto: netatmo.com

Hersteller helfen

Doch wie geht man das IoT-Thema an? Der Markt für Smart-Home- und IoT-Lösungen ist derzeit noch stark fragmentiert. Verschiedene Hersteller versuchen ihre eigene Lösung zu etablieren. Marktführer wird aber nur der, er möglichst viele Kunden für sich gewinnt. Und auch die Entwickler und ihre Anwendungen für eine Plattform sind der Schlüssel zum Erfolg. Daher bieten die Hersteller gut dokumentierte Software Development Kits an, um möglichst viele Entwickler und damit kreative Ideen für die eigene Plattform anzuziehen. Vorteil für die IT-Branche: Zum Start in das IoT gibt es gut dokumentierte Einstiegshilfen. Intel widmet dem Thema gleich ein ganzes Portal. Dort finden sich das gut dokumentierte Entwicklerkit, der Download der Software und Videos bereits umgesetzter Ideen aus der Praxis.

Intel hat auch schon entsprechende Hardware am Start: Edison, einen nur Speicherkarten-großen und kostengünstigen, aber in Sachen Funktion ausgewachsenen PC. Er soll die Einstiegshürde für Tech-Produkte aller Art kleiner machen. Auf der CES zeigte Intel als Demo-Anwendung einen Baby-Monitor des Herstellers Mimo. Der Monitor misst mit Sensoren im Babystrampler Bewegungen, wertet sie aus und meldet sie an ein Display, das in eine Kaffeetasse eingebaut ist.

Intel ist aber natürlich nicht die einzige Firma, die mitspielt - auch Microsoft, Cisco oder IBM haben bereits großflächige Initiativen gestartet und bieten eine Menge Infomaterial auf ihren Websites. (sh)

Intel zeigt als Prototyp für seinen Mini-Computer Edison eine smarte Kaffetasse mit Display, die Daten von Sensoren am Babystrampler auswertet und so den Eltern Ruhe verschafft.
Intel zeigt als Prototyp für seinen Mini-Computer Edison eine smarte Kaffetasse mit Display, die Daten von Sensoren am Babystrampler auswertet und so den Eltern Ruhe verschafft.
Foto: Intel.com
Intels Edison: Der Mini-PC ist nur so groß wie eine Speicherkarte.
Intels Edison: Der Mini-PC ist nur so groß wie eine Speicherkarte.
Foto: Intel.com

Quelle Teaserfoto CW-Homepage: nopporn, Shutterstock.com