CW-Kolumne

Slow Follower Microsoft

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Vielleicht muss man einfach mal daran erinnern: Microsoft hat seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2011 auf fast 70 Milliarden Dollar aufgepumpt, ein Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Jahr zuvor.

Der Nettogewinn des Konzerns stieg gar um 22 Prozent auf 23,15 Milliarden Dollar. Das Unternehmen ist breiter aufgestellt denn je (siehe Interview mit Deutschlandchef Ralph Haupter), die Einnahmen werden längst nicht mehr nur mit Windows- und Office-Lizenzen erzielt. Da kommt man doch ins Nachdenken, wenn Analysten und Kommentatoren die Wirtschaftsmacht des IT-Kolosses in Frage stellen oder sogar den Untergang des Redmonder Imperiums herbeiorakeln.

CW-Chefredakteur Heinrich Vaske: "Liebe Analysten: Hört auf, Euch um Microsoft Sorgen zu machen!"
CW-Chefredakteur Heinrich Vaske: "Liebe Analysten: Hört auf, Euch um Microsoft Sorgen zu machen!"
Foto: CW-Redaktion

Sicher, Apple hat mit iPhone und iPad neue Märkte geöffnet und Microsoft im Mobile-Markt die Fersen gezeigt. Google kontrolliert die Internet-Suche. VMware hat den Markt für Virtualisierungssoftware geöffnet. Aber war es nicht schon immer so, dass Microsoft eher ein "Fast Follower" (manchmal auch "Slow Follower") als ein "First Mover" war?

Microsofts Geschäftserfolg hat durchaus damit zu tun, dass gute Ideen anderer aufgenommen und mit viel Geld, langem Atem und unter geschickter Ausnutzung der eigenen Marktstellung in anderen Bereichen vorangetrieben wurden. Das ist legitim - und im Übrigen gar nicht einfach. Seit Jahren versucht Google, sein Suchmaschinen-Monopol auszunutzen, um in anderen Märkte voranzukommen. Bislang ist der Internet-Gigant aber weitestgehend ein "One-Trick-Pony" geblieben.

Microsoft ist konsequent darin, einmal gewonnenes Terrain zu verteidigen und seine Position auszubauen beziehungsweise auf andere Geschäftsfelder auszudehnen. Ob es sich um Betriebssysteme, Infrastruktursoftware oder Applikationen handelt, fast überall gewinnt der Konzern so Marktanteile. Das jüngste Cloud-Engagement passt zu dieser Strategie: Mit Azure, Office 365 und Windows Intune hat Microsoft drei Pflöcke eingeschlagen, die dem Konzern helfen dürften, sein angestammtes Geschäft in die Zukunft zu transferieren. Liebe Analysten: Hört auf, Euch um Microsoft Sorgen zu machen!