Was CIOs akut beschäftigt

SLAs zu reduzieren ist sinnlos

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Die Reisebranche musste in den vergangenen Monaten massive Geschäftseinbußen hinnehmen. Wie wirkt sich das auf Ihre Entscheidungen aus?
Heinz Kreuzer, TUI Infotec
Heinz Kreuzer, TUI Infotec

Unsere Ergebnisse liegen deutlich unter Vorjahr, keine Frage. Aber wir erwarten, dass sich die Lage mit den kurzfristigen Buchungen im Sommer wieder bessern wird. Und unser Mutterkonzern TUI hat natürlich die Kapazitäten entsprechend heruntergefahren. Es ist ja kein Geheimnis, dass bei unseren wichtigsten Konzernkunden Kurzarbeit eingeführt worden ist.

Den allgemeinen Einsparzielen muss auch TUI Infotec gerecht werden. Wir prüfen alle IT-Projekte darauf, wo wir die Kosten verringern oder effizienter arbeiten können. Dabei kommt uns zugute, dass wir seit zwei Jahren mit dem indischen IT-Dienstleister Sonata Software zusammenarbeiten. In gut ausgelasteten Projekten macht sich das mittlerweile auch auf der Kostenseite bemerkbar, so dass wir die Tagessätze senken konnten.

Angesichts der Krise wurden natürlich auch einige Vorhaben nach hinten verschoben. Die Auslastungslücken, die dadurch entstehen, versuchen wir durch den Abbau von Gleitzeit- und Urlaubskonten zu schließen, bevor wir zu härteren Maßnahmen wie Kurzarbeit greifen. Beim IT-Betrieb erwarten unsere internen Kunden niedrige Preise. Serviceeinschränkungen - etwa die Reduzierung von SLAs - haben wir bislang nicht erlebt. Das wäre meiner Meinung nach auch nicht klug: In Krisenzeiten ist es umso wichtiger, dass die Systeme voll und ganz zur Verfügung stehen, dass der Internet-Vertrieb unterstützt wird und die Reisebüros arbeiten können.

Was mich derzeit am meisten beschäftigt, ist die Einführung eines neuen Kernreservierungssystems. Bislang war hier eine Host-basierende Anwendung im Einsatz, die nicht flexibel genug war und bei der Unterstützung des Online-Geschäfts Schwächen zeigte. Und nach 15 bis 20 Jahren waren wir an einem Punkt angelangt, wo weitere Anpassungen und Ergänzungen keinen Sinn mehr hatten. Daher führen wir ein neues Produkt stufenweise ein: Phase eins begann vor etwa einem Jahr, die zweite folgt demnächst. Dieses strategische Projekt hat höchste Priorität - nicht nur für uns, sondern auch für unsere wichtigsten Kunden in der TUI sowie auch für die Firmen, die an der Softwareentwicklung und an der Bereitstellung der IT-Infrastruktur beteiligt waren. (Mai 2009)