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Skype will endlich Geld verdienen

18.03.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Bei der Luxemburger Firma Skype sind inzwischen über 29 Millionen Nutzer für einen Service registriert (und oft mehr als zwei Millionen davon gleichzeitig online), über den man von Rechner zu Rechner übers Internet kostenlos telefonieren kann. Die Skype-Software gibt es für Windows, Mac OS X, Linux und Pocket PC, und so langsam möchte das Unternehmen auch Geld verdienen.

Es plant dazu eine Ausweitung seiner kostenpflichtigen Angebote. Schon länger im Angebot ist "Skype out", bei dem man nach Erwerb eines Prepaid-Guthabens auch herkömmliche Telefone und Handys anrufen kann. Seit kurzem läuft der Test für zwei neue Produkte - Voicemail (sprich: einen Anrufbeantworter für Skype-Nutzer, die gerade offline sind) und "SkypeIn", bei dem ein Skype-Rechner eine Telefonnummer erhält und dann von normalen Telefonen aus angerufen werden kann (in Deutschland ist dies noch nicht möglich).

Last, but not least arbeitet Skype mit TK-Ausrüstern gemeinsam an Hardware, die konventionelle Telefone mit seiner kostenlosen Software und seinen kostenpflichtigen Diensten verbindet. Siemens beispielsweise hat bereits einen entsprechenden Adapter für seine schnurlosen "Gigaset"-Telefone im Angebot.

Der Peer-to-peer-basierende Basisdienst von Skype soll auch zukünftig nichts kosten. "Unser Geschäftsmodell basiert darauf, dass wir Skype kostenlos anbieten und dann einen Teil unserer Nutzer auf bestimmte kostenpflichtige Produkte oder Dienste upgraden", erklärte Firmengründer Niklas Zennstrom. "Wenn viele Leute Skype kostenlos nutzen, werden einige für Mehrwertdienste zahlen, und andere werden Mehrwertprodukte wie schnurlose Telefone oder Headsets kaufen."

Für SkypeOut haben bislang eine Million Kunden Geld bezahlt, etwas weniger als vier Prozent der insgesamt registrierten Nutzer. SkypeIn soll 30 Euro pro Jahr kosten, dafür gibt es eine Rufnummer für eingehende Gespräche und einen Voicemail-Account. Gespräche innerhalb des ausgewählten Ortsnetzes (das nicht das eigene sein muss) sind kostenlos. Wer nur den Anrufbeantworter wünscht, ist mit 15 Euro jährlich dabei.

Gegenüber herkömmlichen Telcos ist Skype massiv im Vorteil - es hat quasi keine Kosten für Neukundenakquise und Infrastruktur. Kosten entstehen der Firma laut Zennstrom im Prinzip nur durch die Gehälter für die rund 100 Angestellten und verwandte Ausgaben wie Reisespesen. Irgendwann, so der Skype-Chef, werde es nur noch ein Netz geben (das Internet) und Dienste wie SkypeOut und SkypeIn werden überflüssig. Bis dahin würden aber noch Jahre vergehen, die Skype zur Entwicklung neuer Services nutzen könne.

Beispielsweise arbeite man an einem Videotelefonie-Dienst. Wann dieser verfügbar sein und ob er Geld kosten wird, wollte Zennstrom nicht sagen. Steigende Kosten entstehen seiner Firma demnächst gewiss im Bereich Kundedienst. Dieser wurde nach zahlreichen Beschwerden von Kunden (zumeist über falsche Rechnungen und Kreditkartenprobleme) von einem zuvor externen Dienstleister abgezogen und wird nun inhouse betrieben. "Das Outsourcing war ein Fehler", räumt Zennstrom ein. "Wir haben das jetzt besser unter Kontrolle." (tc)