Pay-TV

Sky Deutschland überrascht sich selbst

10.11.2011
Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan schwärmt von seinem Unternehmen, dem Modell Pay-TV und den Aussichten für das bislang recht triste Geschäft in Deutschland.
Brian Sullivan - sieht aus, als könne er Sky endlich auf Kurs bringen.
Brian Sullivan - sieht aus, als könne er Sky endlich auf Kurs bringen.

Darin ist er seinen Vorgängern an der Spitze des früheren Premiere durchaus ähnlich. Doch der Manager macht weniger Versprechungen. Dafür kann er - anders als seine Vorgänger - inzwischen erste Ergebnisse vorweisen.

Zwar macht der Konzern noch immer Verluste und hat zu wenige Kunden, doch seit dem Antritt des Amerikaners geht es für Sky bergauf - und das so deutlich, dass Fachleute sich an ein Sprichwort erinnern: "Totgesagte leben länger". Der Sender kann eine stetig wachsende Zahl deutscher Fernsehzuschauer davon überzeugen, für ihr TV-Programm zu zahlen. Wie nachhaltig die Entwicklung ist, wird sich zeigen. Noch macht Sky Miese - in den ersten neun Monaten (PDF-Link) 28.601 Euro pro Stunde.

Der deutsche Fernsehmarkt ist hart umkämpft. Gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Sender konkurrieren auf fast allen Feldern mit Privaten, die sich vornehmlich aus Werbung finanzieren. Für Bezahlsender war bislang wenig Platz. Doch auch ProSiebenSat1 oder RTL setzen mittlerweile auf Pay-Angebote, mit der Deutschen Telekom etwa gibt es inzwischen weitere Spieler. Der Markt wächst.

Die Zentrale von Sky Deutschland (vormals Premiere)
Die Zentrale von Sky Deutschland (vormals Premiere)
Foto: Sky

Dabei galt lange der Satz, dass Bezahlfernsehen hierzulande nicht funktioniere, als beinahe gesicherte Erkenntnis. Seit mehr als 20 Jahren macht Sky, früher unter dem Namen Premiere, Verluste, geriet wegen geschönter Zahlen in die Schlagzeilen und oft in große Not. Ein zweiter Pay-Sender - Arena TV - scheiterte mit Pauken und Trompeten.

Doch den Anbietern kommt inzwischen die technische Entwicklung zu Hilfe. Hochauflösendes Fernsehen (HD), 3D-Fernsehen, Internet-TV (IPTV) und die Verbreitung von Smartphones und Tablet-Computern. Sullivan steckt viel Geld und Energie in den Ausbau des Programms - und des Services. Tatsächlich sind die Zuwächse gerade bei HD deutlich. Doch: "Es gibt noch eine Menge zu tun", sagt Sullivan.

Eine der vielen Baustellen ist das Sportangebot. Für Sky ist vor allem Fußball wichtig, die Bundesligarechte sind ein wichtiger Baustein des Konzepts. Bald - vielleicht noch in diesem Winter - starten die Verhandlungen für die übernächste Saison. Für den DFB-Pokal hat sich Sullivan gerade die Rechte gesichert und das für alle Plattformen, also Fernsehen, IPTV und mobile Geräte.

Fußball ist für Sky besonders wichtig.
Fußball ist für Sky besonders wichtig.
Foto: Sky

Sky Deutschland dürfte sich ein solches Paket auch für die Bundesliga wünschen. Bisher hat die Telekom für ihr Angebot LigaTotal die Rechte für das IPTV - was etwa die Verwertung für Apples iPhone und iPad kompliziert macht. Zu den Details der anstehenden Gespräche will Sullivan sich so wenig äußern wie zu seinen Preisvorstellungen. Die Vereine haben klar gemacht, dass sie gerne viel mehr Geld hätten.

Doch Geld hat Sullivan nicht im Übermaß, auch wenn Großaktionär und Medienzar Rupert Murdoch bereits Hunderte Millionen in sein Sorgenkind pumpte. Sullivan setzt darauf, dass der Liga ein exklusives Angebot hilft und das mittel- und langfristig nur ein gesundes Sky wachsende TV-Einnahmen verspricht. "Was gut für uns ist, ist auch gut für die Liga", sagt Sullivan. Die Partnerschaft mit der DFL ist für ihn keine Sache von Jahren, sondern von Jahrzehnten.

Für den Sprung in die Gewinnzone dürfte Sullivan weit weniger Zeit bleiben. Einen Fahrplan dafür hat der Manager sicher, nur preisgeben will er ihn nicht - auch mit dem Hinweis, dass früher bereits zuviel versprochen wurde. Vor seiner Zeit galt die Marke von drei Millionen Abos als Untergrenze für die Gewinnzone. Und die ist greifbarer Nähe.

Allein im dritten Quartal (PDF-Link) kamen netto 98.000 neue Abos hinzu. "Das ist schon ein Wort", sagt DZ-Bank-Analyst Harald Heider. Vor einem Jahr lag das Plus noch bei 45.000 neuen Kunden. Inzwischen sind es damit insgesamt 2,857 Millionen Abos - und das Schlussquartal mit seinem wichtigen Weihnachtsgeschäft hat eben erst begonnen. Die Drei-Millionen-Marke hat Sullivan längst abgehakt: "Ich mache mir keine Gedanken um die drei Millionen, sondern um vier oder fünf Millionen Kunden." (dpa/tc)