Interview mit Christoph Kollatz

SIS rückt enger an Siemens

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Christoph Kollatz, CEO von Siemens IT Solutions and Services (SIS), betont im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE die enge Bindung an den Konzern.

Nachdem sich Siemens in die drei Kernbereiche Infrastruktur/Industrie, Energie und Medizintechnik aufgegliedert hat, weiß das SIS-Management, woran es ist. "Wir haben den Anspruch, unter anderem in den Branchen eine führende Rolle zu spielen, in denen Siemens unterwegs ist", klärt Kollatz auf. "Deswegen ist es wichtig, dass wir integrierter Bestandteil des Konzerns sind und mit den drei Sektoren eng zusammenarbeiten." Zweites Standbein von SIS ist der Betrieb der internen Siemens-IT. Die Fachbereiche sind von der Konzernspitze angehalten, SIS als bevorzugten Lieferanten für alle IT-Betriebsdienste zu wählen. "Die Shared-Service-Initiative ist uns sehr wichtig", sagt der Siemens-Manager, der hinnehmen muss, dass Siemens ausgerechnet an den IT-Ausgaben sparen möchte.

Vergisst SIS angesichts dieser Fokussierung die externen Kunden? Kollatz winkt ab: "Die Kunden wollen von den Erfahrungen profitieren, die SIS im Konzern gesammelt hat. Und zudem verlängert in unserer Branche kaum ein Mitbewerber so häufig die Outsourcing-Verträge mit seinen Kunden wie wir - das spricht doch klar für Zufriedenheit." Vom Drittmarktgeschäft erhofft sich Kollatz auch einen ordentlichen Umsatzschub, der den Rückgang der Einnahmen aufgrund des gekürzten Siemens-IT-Budgets mehr als ausgleichen soll. Punkten im externen Geschäft will SIS mit branchenspezifischen Lösungen. Vom ehemals formulierten Ziel eines weltweit führenden IT-Dienstleisters hat sich SIS unter der Kollatz-Führung endgültig verabschiedet. Gegen IBM und HP will die Siemens-Tochter nicht antreten.

Mit dieser Ausrichtung ist SIS nach Meinung von Kollatz zukunftsfähig aufgestellt. Man werde die Konzern geforderte Marge von mindestens fünf Prozent dauerhaft erreichen, zeigt er sich zuversichtlich. Nun wolle man das Unternehmen wieder zum Wachstum führen. "Den Umbau im Rahmen eines weltweiten Turnaround-Projektes - in dem es kracht und raucht -, haben wir Anfang letzten Jahres abgeschlossen. Das bedeutet aber nicht Stillstand", schildert der SIS-Manager. "Ein Unternehmen muss sich ständig den Märkten und technologischen Entwicklungen anpassen - und das gilt doppelt in einer schnelllebigen Branche wie unserer."

Das Kurzinterview mit den elf wichtigsten Aussagen finden Sie hier.

Das ungekürzte Interview finden Sie hier.

"Das externe SIS-Geschäft passt nicht zu Siemens" - den Kommentar von CW-Redakteur Joachim Hackmann finden Sie hier.