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Siemens verlängert Galgenfrist für Sparten

25.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Umbau des Technologiekonzerns Siemens dauert einem Pressebericht zufolge länger als von vielen Beobachtern erwartet. Auf der Sitzung des Zentralvorstands am kommenden Montag würden noch keine weit reichenden Entscheidungen über die künftige Ausrichtung der drei Problemsparten fallen, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hatte Ende Juli Spekulationen über Umstrukturierungen ausgelöst. Der Manager kündigte bei Vorlage der Quartalszahlen an, die defizitären Geschäftsgebiete Kommunikation (Com), IT-Dienstleistungen (SBS) und Logistik (L&A) müssten Ende August so genannte Statusberichte vorlegen. Dies werde an diesem Montag geschehen, hieß es. Dabei sollen die Bereiche auch Vorschläge vorlegen, wie das Geschäft wieder auf Vordermann gebracht werden soll.

Große Einschnitte werde der Zentralvorstand auf seiner Sitzung jedoch nicht beschließen, berichtet die Zeitung. Spätestens bis zur Veröffentlichung der Jahreszahlen im November sollten aber Entscheidungen fallen. Dann komme auch der Aufsichtsrat zu seiner nächsten regulären Sitzung zusammen.

Im Visier befindet sich vor allem der IT-Dienstleister Siemens Business Services (SBS). Die Sparte meldete im abgelaufenen Quartal einen Verlust von 109 Millionen Euro. Der seit Januar amtierende Siemens-Chef Kleinfeld kündigte vor vier Wochen an, das Geschäft mit der Wartung von Computern teilweise an Partner abzugeben. Dabei werden neben dem bereits angekündigten Abbau von 950 Stellen weitere Arbeitsplätze verloren gehen.

In der IT-Branche würden verschiedene Szenarien über die Zukunft von SBS diskutiert. Zum einen hieß es, Siemens mache die Sparte hübsch für einen Verkauf. Andere werteten die Abschlüsse als Zeichen, dass Siemens das Geschäft behalten wolle, berichtet das Blatt. Der Konzern will sich zu den Spekulationen nicht äußern. Kritische Blicke richten sich auch auf die Telekommunikation, das wichtigste Geschäftsfeld der Münchener. Die Sparte rutschte im zweiten Quartal mit 70 Millionen Euro Verlust tief in die roten Zahlen. Die dritte Baustelle ist die Logistik, die ein Minus von 49 Millionen Euro einfuhr. (dpa/tc)