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Siemens sucht nach Lösungen für Problemsparten

29.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Deutschlands größter Elektrokonzern Siemens sucht nach Lösungen für seine Problemsparten. Heute kommt der Zentralvorstand zusammen, um sich über die künftige Ausrichtung der Kommunikationssparte Com sowie der IT- Dienstleistungen und der Logistik-Sparte zu informieren. Zu den kritischen Bereichen lässt sich die Führungsriege Statusberichte vorlegen. Weit reichende Entscheidungen sollen aber noch nicht fallen.

Siemens-Sorgenkind ist vor allem der IT-Dienstleister SBS. "Wir müssen auf eine Kostenstruktur kommen, die dem Wettbewerb standhält", sagte Kleinfeld der "Süddeutschen Zeitung" zu den Problemen bei SBS. Im Gespräch seien Arbeitszeitverlängerungen, Verzicht auf Überstundenzuschläge und andere Sonderleistungen. "Wir wollen in Zusammenarbeit mit den Belegschaftsvertretern versuchen, alle Lösungsmöglichkeiten auszuloten und Wege zu finden, die die Arbeitsplätze langfristig sichern", sagte Kleinfeld.

Die Sparte hatte im abgelaufenen Quartal einen Verlust von 109 Millionen Euro verbucht. Kleinfeld hatte angekündigt, das Geschäft mit der Wartung von Computern teilweise an Partner abzugeben. Auch die Telekommunikations- und die Logistik-Sparte schrieben im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2004/05 (30. September) Verluste. Im laufenden Quartal schließt Kleinfeld weitere Ergebnisbelastungen durch seine Problemsparten nicht aus. "Ich kann nicht versprechen, dass wir mit den Belastungen schon 100-prozentig durch sind."

In anderen Bereichen will sich Siemens hingegen verstärken. "Ja, der Akquisitionskurs wird weitergehen", sagte Kleinfeld in dem Interview. Wachstum sei für die Zukunft von Siemens entscheidend. Als mögliche Bereiche nannte er die Sparten Medizintechnik, Energieerzeugung und -verteilung sowie Kommunikation.

Auch Siemens werde inzwischen von ausländischen Hedge-Fonds attackiert, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". "Das ist ein offensichtliches Ziel", sagte ein ungenannter Fondsmanager der Zeitung. Siemens falle in die gleiche Kategorie wie die DAX-Konzerne DaimlerChrysler, MAN oder Linde, die jüngst von Angriffen so genannter Heuschrecken betroffen gewesen seien. Weil diese besonders aggressiv vorgehen, um in kurzer Zeit hohe Gewinn zu erzielen, ist ihre Anlagepolitik heftigst umstritten. Die Hedge-Fonds spekulierten darauf, dass Siemens als Konglomerat mit einem Dutzend unterschiedlicher Geschäftsbereiche an der Börse unterbewertet sei und der Aktienkurs sich durch eine Abspaltung unrentabler Sparten rasch steigern ließe, schreibt die Zeitung mit Berufung auf Finanzkreise. (dpa/tc)