Günstiger Networking-Deal mit Organge Business Services

Siemens-Schnäppchenjäger waren (scheinbar) erfolgreich

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Siemens lagert den Netzsupport an 1100 Niederlassungen in 70 Ländern für 125 Millionen Dollar aus. Für offenbar kaum umfangreichere Aufgaben zahlt Procter & Gamble dagegen 650 Millionen Dollar.

"Was ist der Unterschied zwischen einem Service-Deal für 1100 Niederlassungen in 82 Ländern und einem Netzservice an 1100 Standorten in 70 Ländern?", fragt Ovum-Analyst David Molony, um gleich zu antworten. "500 Millionen Dollar." Das ist die Differenz zwischen zwei Outsourcing-Abkommen, die in der vergangenen Woche Siemens mit Orange Business Services (etwa 125 Millionen Dollar oder 80 Millionen Euro) sowie Procter&Gamble und BT Global Services (650 Millionen Dollar) vereinbart haben. Die Abkommen laufen jeweils über fünf Jahre.

Im Rahmen des Siemens-Projekts übernimmt Orange Business Services den Betrieb eines MPLS-basierenden IP-VPN (geschlossenes IP-Netz). Zuvor migriert der Netzdienstleister große Teile des weltweiten Siemens-Netzes. Das geplante WAN erstreckt sich über 1100 Siemens-Standorte in 70 Ländern in Afrika, Asien, Südwesteuropa sowie Nord- und Lateinamerika.

Das Abkommen zwischen Procter & Gamble und BT Global Services mutet angesichts dieser Zahlen etwas überteuert an. Es läuft ebenfalls über fünf Jahre, umfasst auch 1100 Standorte, die jedoch über 82 Länder verteilt sind. BTs Aufgabe ist der Betrieb und Support der WAN- und LAN-Infrastruktur. Procter & Gamble zahlt dem IT-Dienstleister über die gesamte Laufzeit 650 Millionen Dollar.

"Das sind anscheinend zwei vergleichbare Deals über Managed Network Services", gibt Molony zu bedenken. "Der Umfang des Siemens-Abkommen mag ein wenig geringer ausfallen, doch die Kerntechniken, die zum Einsatz kommen, sind jeweils identisch."

Der große Unterschied ist indes, dass BT Global Services LAN-Services für Procter & Gamble erbringen muss. Dazu gehören der Betrieb von Firewall, IP-Telefonie, Konferenz-Tools, Remote Access sowie von Internet-Diensten. BT implementiert also einen integrierten LAN- und WAN-Service. "Der integrierte Ansatz scheint internationalen Unternehmen sehr wichtig", schildert der Ovum-Experte. Bestätigt wird seine Beobachtung von einem Servicevertrag, den der Mineralölkonzern Royal Dutch Shell Ende März mit AT&T vereinbart hat. Das LAN-Management erwies sich als wesentliche Funktion in einem unternehmens- und weltweiten Supportabkommen. Diese lokale Servicekomponente bestimmt den Wert des Abkommens, weniger die Backbone-Dienste, die zunehmend auf standardisierten MPLS-Netzen und definierten Serviceklassen beruhen.

Die Verträge von Siemens und Procter & Gamble spiegeln dies wider, denn Orange Business Services betreibt keine lokalen Netzdienste für den Münchner Konzern. Die Deals weisen zudem auf eine Marktverschiebung hin, beide Provider können sich einen Erfolg im starken Wettbewerbsfeld ans Revers heften. BT Global Services hat einmal mehr gezeigt, dass es anspruchsvolle, weltweite Managed-Services-Deals gegen Accenture, EDS, IBM und Co. gewinnen kann. Den Siemens-Auftrag hat Orange Business Services gegen die Konkurrenz großer, etablierter Netzdienstleister an Land gezogen. AT&T und T-Systems haben zuvor das Kernnetz von Siemens betrieben und Vanco das Netz-Management verantwortet. Ovum erwartet künftig mehr integrierte Deals. "Sollten Ihnen weitere Networking-Deals begegnen, achten Sie auf folgende Services: integrierte Server, SAN, Speicher-Management, LAN, WAN, Internet- und Partner-Gateways, Active Directory, Messaging, SharePoint, Intranet- und Internet-Betrieb, Remote Access, Service-Management, Sprachnetze, IP-Telefonie sowie Konferenzlösungen. Immer mehr Unternehmen trauen den Telcos zu, sämtliche Dienste zu betreuen."