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Siemens-Manager Stodden soll Fujitsu-Siemens aus der Krise führen

11.04.2000
Restrukturierung in der Produktion

CW-Bericht von Kriemhilde Klippstätter

MÜNCHEN/TOKIO - Paul Stodden ist neuer Chef des Joint Ventures Fujitsu-Siemens Computers (FSC). Der langjährige Siemens-Manager soll das in die Schlagzeilen geratene IT-Unternehmen auf Vordermann bringen.

Der neue Firmenchef tritt die Nachfolge der bisherigen Geschäftsführer Winfried Hoffmann und Robert Hoog an, die Ende März von ihren Posten zurücktraten. Grund für die Demission sollen Verluste in Höhe von bis zu 140 Millionen Mark sein, die das Joint Venture seit Oktober 1999 verursacht hat (CW Infonet berichtete). Da der Abgang von Hoog und Hoffmann quasi über Nacht geschah, agierte Tetsuo Urano, Executive Vice Chairmann von FSC, bis zur Ernennung von Stodden als Interimschef.

Stodden kommt von der Siemens IT Service GmbH, die er seit 1996 verantwortlich geleitet hat. Zugleich saß er im Executive Board von Siemens Business Services (SBS) und war Sprecher des Beratungsausschusses der amerikanischen Entex Information Services, die Siemens erst kürzlich für rund 105 Millionen Dollar übernommen hatte. Im Zuge der Übernahme des US-Unternehmens plant der Münchner Konzern einen Umbau seiner Dienstleistungsunternehmen, die ab April wieder unter das Dach der SBS und dessen Chef Friedrich Fröschl zusammengeführt werden sollen. Wie Stodden gegenüber der COMPUTERWOCHE erklärte, war dies allerdings nicht der Grund, sich um ein neues Amt zu bemühen: “Ich hätte sehr gerne mit Friedrich Fröschl zusammengearbeitet.“

Der frischgebackene FSC-Chef übernimmt ein Unternehmen, das nicht nur mit roten Zahlen zu kämpfen hat. Durch die beiden Anteilseigner, die japanische Fujitsu Ltd. und die Münchner Siemens AG, müssen unterschiedliche Firmenphilosophien unter einen Hut gebracht werden. Zudem sind insbesondere die ehemaligen SNI-Mitarbeiter im Augsburger PC-Werk über ihre Zukunft verunsichert. Im Herbst 1998 waren sie schon einmal zum Spielball der Manager geworden. Damals sollte die Fertigungsstätte an Acer Computer verkauft werden. Der Deal platzte allerdings, weil sich SNI und Acer nicht über den Kaufpreis einigen konnten.

Verlieren werden die Augsburger PC-Bauer in jedem Fall die Fertigungsaufträge für Notebooks, die Fujitsu im japanischen Werk in Shimane herstellen wird. Unix-Server sollen nach Angaben von Kazuto Kojima, als Senior Vice President bei Fujitsu Ltd. für das internationale Geschäft verantwortlich, ebenfalls aus Fernost geliefert werden. Damit sind auch die Betriebsstätten in Paderborn nicht mehr sicher. Nach Insiderinformationen sollen die derzeit dort gefertigten "RM"-Server zudem nicht profitabel vermarktet worden sein.

Wie Kojima anlässlich einer Präsentation in Tokio erklärte, sollen nur die Intel-basierten Server weiterhin aus Deutschland geliefert werden. Die Mainframes der "BS-2000"-Serie werden schon heute aus Japan bezogen. Für Desktop-PCs stehen neben dem Augsburger Werk noch die Fujitsu-Fabrikationsstätten in Sömmerda zur Verfügung. Das auf Massenfertigung eingerichtete Werk kann nach internen Informationen zudem viel billiger produzieren als Augsburg. Stodden wollte sich zu diesem Thema noch nicht äußern. Was seinen künftigen Arbeitsplatz betrifft – der Firmensitz von FSC bleibt in Holland, daneben bestehen Büros in München, Paderborn, Bad Homburg und im englischen Bracknell – "gehe ich davon aus, dass ich in nächster Zeit viel auf Reisen sein werde".

Ein weiteres Problem, das Stodden lösen muss, sind die unterschiedlichen Systeme für die Supply Chain: Fujitsu in Europa bringt die ERP-Software von Baan in die Ehe ein, Siemens die von SAP, Fujitsu in Japan nutzt eine dritte Variante. Eine Integration ist noch nicht in Sicht und könnte nach Angaben von japanischen Fujitsu-Managern bis zu drei Jahre dauern.