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Siemens gliedert Service-Gesellschaften wieder ein

25.01.2005
Für 8000 Mitarbeiter seiner deutschen Regionalorganisation hat Siemens längere Arbeitszeiten durchgedrückt. Im Gegenzug erhielten die Mitarbeiter eine Standortgarantie für ihre 35 Niederlassungen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Firmenleitung der Siemens AG, der Gesamtbetriebsrat des Unternehmens und die IG Metall haben sich einer Mitteilung zufolge auf einen Ergänzungstarifvertrag für die mehr als 20.000 Mitarbeiter der Siemens-Regionalorganisation geeinigt. An den Verhandlungen seien unter anderem der Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer, Personalvorstand Jürgen Radomski, der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, sowie der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Siemens, Ralf Heckmann, beteiligt gewesen.

Die Einigung diene als Basis, die bestehenden Arbeitsplätze in den Niederlassungen abzusichern und gegebenenfalls neue zu schaffen, erklärte der Konzern. Der Ergänzungstarifvertrag solle zum 1. April in Kraft treten und bis 30. September 2009 gelten.

Von Pierer bezeichnete das Ergebnis als "weiteren wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit unserer inländischen Arbeitsplätze und Standorte". Es habe sich wieder einmal gezeigt, dass sich der Kampf um jeden einzelnen Arbeitsplatz in Deutschland lohnt, so der scheidende Konzernchef.

Grundlage des Ergänzungstarifvertrags ist Siemens zufolge die "Vereinbarung zur Sicherung und Entwicklung von Beschäftigung, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationen" zwischen Siemens, Gesamtbetriebsrat und IG Metall, die im Juni 2004 unterzeichnet worden war. Diese war auch Basis für die Lösungen, die für die Standorte Bocholt, Kamp-Lintfort, Bruchsal und Kirchheim/Teck gefunden wurden.

Bisher galten für die mehr als 20.000 Mitarbeiter in den Niederlassungen unterschiedliche Beschäftigungsbedingungen. Rund 12.000 Mitarbeiter arbeiteten seit 1998 in rechtlich selbstständigen und ausgegliederten Siemens-Servicegesellschaften, für die ein spezieller Ergänzungstarifvertrag abgeschlossen wurde. Sie erhielten statt des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes eine variable, erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung und hatten eine Jahresarbeitszeit von 1575 Stunden sowie 50 Stunden für Qualifizierungsmaßnahmen. Die anderen 8000 Mitarbeiter unterlagen dem Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie mit fixem Urlaubs- und Weihnachtsgeld und einer wöchentlichen Arbeitszeit von 35 Stunden.

Die Mitarbeiter der Servicegesellschaften werden nun wieder in die Regionalorganisation Deutschland (RD) und damit in die Siemens AG eingegliedert. Der neue Ergänzungstarifvertrag sieht gleichfalls eine Jahresarbeitszeit von 1575 Stunden plus 50 Stunden für Qualifizierungsmaßnahmen vor, das Urlaubs- und Weihnachtsgeld wird in eine leistungs- und ergebnisbezogene Erfolgsbeteiligung umgewandelt. Deren Ziele orientieren sich laut Siemens an betriebswirtschaftlichen Kennzahlen und können für bestimmte Mitarbeitergruppen unterschiedlich festgelegt werden.

Mit der im Vergleich zum früheren Flächentarifvertrag ungünstigeren Regelung erkaufen sich die Arbeitnehmer immerhin für die Dauer der Laufzeit eine Standortsicherung für die 35 Niederlassungen der RD. Die Vertragspartner gehen davon aus, dass in diesem Zeitraum "die Beschäftigtenzahlen nicht in wesentlichem Umfang reduziert, keine Niederlassungen geschlossen oder verlagert werden".

"Mit dieser Lösung eines einheitlichen Tarif- und Beschäftigungsmodells für die Mitarbeiter der Niederlassungen in Deutschland ist ein entscheidender Schritt getan worden, um eine noch intensivere Vertriebsarbeit für unsere Kunden sicherzustellen", erklärte Radomski. Siemens erwarten, dass ein solches Tarifmodell einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung leiste und damit auch zur Sicherung der Arbeits- und vor allem der Ausbildungsplätze (davon gibt es in der RD im Rahmen des "Zukunftspakts Ausbildung 450 zusätzliche) beitrage. (tc)