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Siemens Enterprise Communications greift an

13.12.2006
Mangels Partner nimmt die Unternehmensnetzsparte von Siemens das Heft vorerst selbst in die Hand.

Thomas Zimmermann, seit Anfang Oktober Chief Operating Officer (COO) von Siemens Enterprise Communications nimmt kein Blatt vor den Mund. Siemens habe im Voice-over-IP-Bereich eine gute Vision entwickelt, sei jedoch bei der Umsetzung zu langsam gewesen, so die Manöverkritik des Managers anlässlich der Präsentation einer neuen strategischen Ausrichtung.

Inzwischen sei die Unternehmensnetzsparte gut für eine Aufholjagd gerüstet. Das auf offenen Standards basierenden Konzept "Open Communications", die Unified-Communications-Lösung "Open Scape" und die neue IP-Telefonfamilie "OpenStage" (Computerwoche.de berichtete) sollen die Märkte öffnen. Gegenüber der COMPUTERWOCHE verteidigte Zimmermann das Timing - immerhin verfügt die Konkurrenz längst über ähnliche Angebote. Hierzulande fingen die Großunternehmen aber erst jetzt damit an, VoIP in Tests und kleineren Rollouts einzusetzen. Kleine und mittelgroße Firmen hielten sich sogar mit ihren Migrationsplänen noch zurück.

Um die Produktentwicklung voranzutreiben, hat Enterprise Communications im abgelaufenen Geschäftsjahr die Forschungs- und Entwicklungsausgaben deutlich angehoben, während die Kosten für Administration und Vertrieb gesenkt wurden. 2007 werde das Investitionsniveau beibehalten, so Zimmermann. Nachdem 2006 etwa 1500 Stellen in Vertrieb und Service gestrichen wurden, sollen jetzt nur noch in kleinem Umfang Jobs abgebaut werden, vorwiegend im Ausland.

So schlecht, wie teilweise berichtet worden war, stehe es um Siemens Enterprise Communications nicht, erklärte Zimmermann. Angesichts des im Rahmen der Restrukturierung stattgefundenen Umbaus sei der 2006 verbuchte Umsatzrückgang um hundert Millionen auf 3,3 Milliarden Euro zu verschmerzen - intern habe man mit schlimmeren Auswirkungen gerechnet. Beim Ergebnis - Presseberichten zufolge fiel zuletzt ein Verlust von 300 Millionen Euro an - hätten manche Medien das Endresultat mit den operativen Zahlen verwechselt. Dennoch sei der Siemens-Bereich damit beschäftigt, profitabel zu werden. Je größer die Fortschritte seien, desto bessere Karten habe Siemens bei Verhandlungen mit einem potenziellen Partner, so der Manager. Dass es im Fall eines plötzlichen Konsolidierungsprozesses in der Branche Schlag auf Schlag gehen kann, hätte der Carrier-Bereich gezeigt. Die beiden Netzausrüster Alcatel und Lucent hätten bereits vor mehreren Jahren Gespräche geführt, bevor sie sich letztendlich zum Altar wagten und eine Kettenreaktion auslösten. Unter anderem wird Siemens seine Carrier-Sparte Anfang nächsten Jahres in ein Joint-Venture mit Nokia einbringen. (mb)