Osram soll an die Börse

Siemens baut weiter um

29.03.2011
Es dürfte einer der größten Börsengänge seit langem werden: Siemens will seine Lichttechnik-Tochter Osram im Herbst an die Börse bringen.

Der teilweise Verkauf gehört zum neuesten Umbau-Konzept. Dabei auch im Programm: Eine völlig neue Sparte.

Baut weiter kräftig um: Siemens-Chef Peter Löscher
Baut weiter kräftig um: Siemens-Chef Peter Löscher
Foto: Siemens

Siemens verordnet sich kaum ein halbes Jahr nach dem Ende des jüngsten Umbaus eine neue Struktur. Dazu gehört auch ein Börsengang der profitablen Lichttochter Osram. Mit dem Beginn des neuen Geschäftsjahres am 1. Oktober solle ein vierter Sektor mit dem Namen "Infrastructure & Cities" gegründet werden, teilte der Technologieriese am späten Montagabend nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit. Siemens-Chef Peter Löscher und sein Finanzvorstand Joe Kaeser wollen Details am heutigen Dienstag in einer Telefonkonferenz (ab 9:30 Uhr) bekanntgeben.

Mit dem Umbau will Löscher das Geschäftsvolumen in den kommenden Jahren über die Marke von 100 Milliarden Euro treiben. Zusammen mit der neuen Struktur erweitert Siemens zudem seinen Vorstand von acht auf zehn Köpfe.

Die IG Metall und die Betriebsräte signalisierten Unterstützung für Löschers Pläne, verlangten aber auch, Nachteile für die Belegschaft zu vermeiden. "Wenn Siemens sein Industriegeschäft besser auf zukünftige Anforderungen ausrichtet, liegt das auch im Interesse der Beschäftigten", unterstrich der bayerische IG-Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler. "Wir werden allerdings sehr sorgfältig darauf achten, dass sie in diesem Prozess weder unmittelbar noch mittelbar Nachteile erleiden."

Osram soll im Herbst an die Börse gebracht werden, Siemens will aber langfristig als "Ankeraktionär" beteiligt bleiben. "Mit dem Börsengang wollen wir Osram volle unternehmerische Freiheit geben, seine führende Wettbewerbsstellung in dem sich technologisch verändernden Lichtmarkt umfassend weiterzuentwickeln", sagte Löscher.

Es dürfte einer der größten Börsengänge der vergangenen Jahre in Deutschland werden. Osram machte zuletzt mit rund 40 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,7 Milliarden Euro. Über einen anstehenden Umbau und einen möglichen Börsengang von Osram hatte es in den vergangenen Wochen und Tagen bereits eine Reihe unbestätigter Medienberichte gegeben.

Kernstück des neuerlichen Umbaus, dem nächsten großen seit dem Radikalumbau 2007, ist die Gründung einer Sparte für Umwelttechnologien. Sie wird neben Industrie, Gesundheit und Energie viertes Standbein des Konzerns. In ihr soll das wachsende Geschäft mit den aufstrebenden Riesenstädten der Welt gebündelt werden. Laut Siemens ein Markt mit einer Größe von 300 Milliarden Euro. Dazu gehören unter anderem Züge, intelligente Stromnetze ("Smart Grids") oder die Gebäudetechnik. (dpa/tc)